Northvolt: Angeschlagener Batteriehersteller kann Betrieb fortsetzen
Stockholm. Der schwer angeschlagene schwedische Batteriezellenhersteller Northvolt soll nach dem Willen seiner Eigentümer weitermachen. Die Aktionäre, darunter Volkswagen und Goldman Sachs, stimmten auf einem Treffen in Stockholm am Mittwoch mehrheitlich gegen die Liquidierung des Unternehmens und für die Fortsetzung des Sanierungsverfahrens nach Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts (Chapter 11).
„Die eingeschlagene Restrukturierung und der Produktionshochlauf machen Fortschritte. Das heutige positive Votum unterstreicht die breite Unterstützung der Anteilseigner für diesen Weg“, sagte ein Northvolt-Sprecher. Auf der Sitzung soll Chief Operating Officer Matthias Arleth den Anteilseignern Fortschritte beim Hochfahren der Produktion präsentiert haben, erfuhr das Handelsblatt aus Teilnehmerkreisen.
Northvolt steckt schwer in der Krise. Das Unternehmen galt einst als große Hoffnung für den Aufbau einer eigenständigen Produktion von Batterien für Elektroautos in Europa. Nach unerwarteten Qualitätsproblemen in der Fertigung war den Schweden jedoch das Geld ausgegangen, sodass die Firma sich im vergangenen November unter den Schutz des US-Insolvenzrechts flüchtete.
Northvolt könnte Hilfe aus Asien erhalten
Konkret fehlt den Schweden zurzeit mehr als eine Milliarde Euro in der Kasse, um das eigene Geschäft wieder auf die Spur zu bringen. Zurzeit laufen bei dem Unternehmen Gespräche mit potenziellen Investoren, laut Unternehmenskreisen könnten sie noch im Januar zu einem Abschluss kommen.
In einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ im Dezember hatte Pan Jian, Mitgründer des chinesischen Batterieriesen CATL, gesagt, dass man sich mit Northvolt in Gesprächen befinde. Auch Personen mit Kenntnis der Vorgänge berichten, dass derzeit ein „operativer Support aus Asien“ eine von mehreren Optionen für das Unternehmen sei. Northvolt wollte das nicht kommentieren.
Volkswagen und die US-Investmentbank Goldman Sachs als größte Anteilseigner der Schweden haben ihre Beteiligung bereits abgeschrieben. Der Autokonzern ist mit 21 Prozent an Northvolt beteiligt, auf Goldman entfallen 19 Prozent.
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Northvolt beschäftigte zuletzt rund 6600 Menschen in sieben Ländern. Im schleswig-holsteinischen Heide sollte mit hohen staatlichen Subventionen eine neue Batteriefabrik entstehen, deren Zukunft angesichts der finanziellen Engpässe aber fraglich ist.
Auch für die Bundesregierung könnte die Northvolt-Krise unangenehme Folgen haben. Über seine Förderbank KfW hat der Bund das Projekt in Heide mit einer Wandelanleihe in Höhe von 600 Millionen Euro bezuschusst. Weil die KfW erst einmal nicht damit rechnen kann, das Geld von Northvolt zurückzubekommen, muss der Bund es der Bank ersetzen. Zu den 600 Millionen Euro Anleihe kommen 20 Millionen Euro Zinsen hinzu.