Osram-Chef Olaf Berlien: „Ein Ankeraktionär ist gut“
„Wir machen hier ja keine Chips für die Weihnachtsbaum-Beleuchtung.“
Foto: dpaKulim. Am Vorabend der Werkseröffnung in Kulim begrüßte Osram-Chef Olaf Berlien 150 Kunden aus Asien persönlich, am nächsten Tag schüttelte er 400 Mitarbeitern die Hand und ließ etliche Selfies mit sich machen. Doch am Rande waren auch die Probleme der früheren Glühbirnensparte Thema.
Herr Berlien, Sie eröffnen in Kulim eines der modernsten Chipwerke weltweit. Gleichzeitig schließt Ihre frühere Glühbirnensparte Ledvance, die Sie an chinesische Investoren verkauft haben, die Hälfte der Werke in Deutschland. Fühlen Sie sich mitverantwortlich?
Hier geht es um Arbeitsplätze. Solche Einschnitte finde ich persönlich immer schmerzlich.
Beim Verkauf wurde aber von den Perspektiven geschwärmt...
Wir sehen im Wettbewerbsumfeld Rückgänge von teils mehr als 25 Prozent im Geschäft mit traditionellen Leuchtmitteln. Da wären auch wir nicht um weitere Personalanpassungen herumgekommen.
Besser sind die Perspektiven für Ihr neues Werk, das Sie gegen viele Widerstände durchgesetzt haben. Ist die Eröffnung eine persönliche Genugtuung?
Das wäre arrogant. Ich bin froh, dass sich unsere Entscheidung als richtig herausgestellt hat. Es gab ja einige, die wollten, dass wir uns ganz auf Leuchten konzentrieren. Dann hätten wir ein ganz schlechtes Jahr 2017 gehabt.
Sind Sie jetzt sicher, dass das neue Werk die richtige Entscheidung war?
Wir können uns in 15 Jahren zusammensetzen und rekapitulieren. Sie können heute nicht mehr warten, bis Sie 100 Prozent der Informationen haben. Amazon-Chef Bezos sagt, man muss Entscheidungen treffen, wenn man 70 Prozent Sicherheit hat. Dann muss man permanent überprüfen, ob die Entscheidung richtig ist, und gegebenenfalls nachsteuern.
Die Sorge war, dass Sie sich in den preisumkämpften Markt der Chips für die Allgemeinbeleuchtung begeben.
Wir machen hier ja keine Chips für die Weihnachtsbaum-Beleuchtung. Man kann die Situation auch nicht mit den heftigen Zyklen bei DRAM-Speicherchips vergleichen. Die Werke für LED-Chips sind günstiger und sie können länger genutzt werden. Zudem ist die Nachfrage am Markt riesig. Allein unser neues Werk deckt selbst in seiner dritten Ausbaustufe nur 20 Prozent der zusätzlichen Kapazitäten, die am Markt in den nächsten Jahren benötigt werden.
Die Aussichten könnten Osram für eine Übernahme attraktiv machen, Sie haben ja keinen Ankeraktionär mehr.
Ein Ankeraktionär ist grundsätzlich etwas Gutes, solange er länger ankert...
... länger als Ihre Ex-Mutter Siemens. Suchen Sie einen neuen Ankeraktionär?
Ich werbe immer um neue Aktionäre.
Auch um chinesische?
Mit mir hat zuletzt keiner gesprochen. Die Bundesregierung hat ja auch deutlich gemacht, dass sie an Hochtechnologieunternehmen am Wirtschaftsstandort Deutschland interessiert ist. Und wir sind solch ein Technologiekonzern.
Herr Berlien, vielen Dank für das Interview.