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PharmaNachfrageeinbruch bei Impfstoffen – Biontech rechnet mit hohen Belastungen

US-Partner Pfizer hat bereits am Freitag seine Jahresziele drastisch gesenkt. Nun erwartet auch Biontech Auswirkungen auf den Umsatz. Die Aktie der Mainzer fällt deutlich.Theresa Rauffmann 16.10.2023 - 17:02 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Für das dritte Quartal rechnet Biontech mit Abschreibungen von bis zu 900 Millionen Euro,

Foto: AP

Düsseldorf. Das Ende der Coronapandemie trifft das Mainzer Pharmaunternehmen Biontech härter als erwartet: Ende vergangener Woche hatte das US-Unternehmen Pfizer, mit dem Biontech gemeinsam die Impfstoffe gegen das Coronavirus entwickelt hatte, seinen Ausblick gesenkt und milliardenschwere Abschreibungen angekündigt. „Wir befinden uns gerade mitten in der Covid-Müdigkeit, in der jeder die Krankheit vergessen will“, sagte Pfizer-Chef Albert Bourla am Montag.

Biontech prüft nun „die möglichen Auswirkungen der von Pfizer getätigten Abschreibungen“ auf die eigenen Finanzergebnisse, die bereits im dritten Quartal spürbar werden dürften. „Jede solcher Abschreibungen wird die Umsatzerlöse, die das Unternehmen für 2023 ausweisen würde, reduzieren“, heißt es in einer Mitteilung von Biontech. Die Mainzer erhalten von Pfizer einen Anteil an dem mit dem Impfstoff erzielten Bruttogewinn.

Bei Biontech selbst könnte es zu Abschreibungen von bis zu 900 Millionen Euro kommen, heißt es vom Unternehmen. Die Zahlen für das dritte Quartal werden am 6. November erwartet. Biontech-Aktien fielen an der Börse in Frankfurt zwischenzeitlich um bis zu elf Prozent. Konkurrent Moderna verlor an der Wall Street fast drei Prozent, obwohl der US-Biotechkonzern die Umsatzerwartungen für seinen Covid-Impfstoff bekräftigte.

„Zurzeit gibt es eine große Impfmüdigkeit“, sagt Markus Manns, Fondsmanager bei Union Investment. „Dass Pfizer seinen Ausblick reduziert hat, kam nicht überraschend.“ Und auch das Geschäft von Biontech leidet darunter, dass weniger Menschen sich gegen Corona impfen lassen.

Biontechs Einnahmen beruhen auf dem Corona-Impfstoff

Pfizer hatte seine Umsatzprognose für 2023 um neun Milliarden US-Dollar nach unten korrigiert – auch wegen des Corona-Medikaments Paxlovid. Für den Wirkstoff rechnet das Unternehmen mit sieben Milliarden Dollar weniger Umsatz, beim Corona-Impfstoff Comirnaty, den Pfizer gemeinsam mit Biontech entwickelt hat, erwartet Pfizer nun rund zwei Milliarden Dollar weniger Umsatz als ursprünglich vorhergesagt und schreibt deswegen 900 Millionen Dollar ab.

Bisher beruhen die Einnahmen von Biontech quasi vollständig auf dem Corona-Impfstoff, das Unternehmen hat kein anderes Medikament auf dem Markt. Konkrete Zahlen, wie stark die Abschreibungen des Partners sich auf den eigenen Umsatz auswirken werden, nennt das Unternehmen bislang nicht.

Zuletzt erwartete Biontech noch, in diesem Jahr fünf Milliarden Euro mit dem Covid-19-Impfstoff umzusetzen. Eine entsprechende Prognose bestätigte das Unternehmen im zweiten Quartal. 2022 hatte Biontech noch 17,3 Milliarden Euro mit dem Impfstoff verdient, 2021 waren es 19 Milliarden Euro.

Lieferverträge mit der EU sichern Abnahmen in Deutschland

Seit September ist der Impfstoff von Biontech und Pfizer, der an die Omikron-Variante XBB.1.5 angepasst ist, in der EU zugelassen. In Deutschland dürfte Biontech mit dem Verkauf des Impfstoffs so schnell keine Probleme bekommen – und weiterhin Planungssicherheit haben: Insgesamt 44 Millionen Dosen des Impfstoffs nimmt die Bundesregierung über EU-Lieferverträge bis 2025 ab, 2023 allein 14,2 Millionen Dosen.

In den USA hingegen, wo Pfizer den Impfstoff vertreibt, wird der Impfstoff mittlerweile nicht mehr zentral beschafft, sondern ist über die Regelversorgung verfügbar. Garantierte Abnahmen wie in der EU gibt es dort also nicht mehr, das Geschäft von Pfizer mit dem Impfstoff ist dort also allein von der Impfbereitschaft der Bevölkerung abhängig.

Pfizer-Chef Bourla geht davon aus, dass sich etwa 17 Prozent der US-Bevölkerung während der laufenden Kampagne mit dem aktualisiertem Booster impfen lassen werden. Das entspricht zwar dem Niveau des Vorjahres, liegt aber weit unter den Raten, die bei der breiten Einführung der Impfstoffe im Frühjahr 2021 erzielt wurden. Den Herstellern hatte das in der Pandemie Milliardenumsätze beschert.

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Das Marktumfeld für die Impfstoffe bleibe „unberechenbar“, sagte Biontechs Finanzchef Jens Holstein schon bei der Vorstellung der Ergebnisse für das zweite Quartal. Pfizers CEO Albert Bourla erwartet „bis Ende des Jahres weitere Klarheit über die weltweiten Impf- und Behandlungsraten“, die ein Indikator für die Inanspruchnahme der kommenden Jahre sein sollen.

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