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Pharmaindustrie Trotz harten Wettbewerbs der Pharmakonzerne: Kampf gegen den Krebs bleibt lukratives Geschäft

Neuentwicklungen halten den globalen Markt auf Wachstumskurs. Deutsche Unternehmen verlieren aber den Anschluss.
08.06.2021 - 13:54 Uhr Kommentieren
Das Schweizer Unternehmen erstmals seit fast zwei Jahrzehnten die Position als weltweit umsatzstärkster Anbieter im Onkologiemarkt verloren.
Forschung beim Pharmakonzern Roche in Dänemark

Das Schweizer Unternehmen erstmals seit fast zwei Jahrzehnten die Position als weltweit umsatzstärkster Anbieter im Onkologiemarkt verloren.

Frankfurt Auch wenn die Coronakrise im Pharmabereich derzeit vieles in den Schatten stellt: Das Geschäft mit Krebsmedikamenten erweist sich weiter als wichtiger Wachstumstreiber für die Konzerne in der Branche. Das zeigen Unternehmensdaten, Marktanalysen und zahlreiche Forschungsprojekte, die in den vergangenen Tagen auf dem weltweit wichtigsten Kongress der Branche, dem Jahrestreffen der US-Gesellschaft ASCO in Chicago, präsentiert wurden.

Die zehn größten Akteure im Onkologiemarkt haben nach Berechnung des Handelsblatts im vergangenen Jahr ihre Erlöse mit Krebsmedikamenten auf Dollarbasis um weitere neun Prozent gesteigert. Das ist zwar weniger als in den beiden Vorjahren, in denen das Geschäft jeweils um 15 Prozent wuchs, aber immer noch eine dynamische Entwicklung.

Der Gesamtmarkt für Krebsmedikamente ist nach Schätzung des Marktforschers Iqvia 2020 um mehr als zwölf Prozent auf 167 Milliarden Dollar gewachsen, nach Steigerungsraten von 16 bis 17 Prozent in den Vorjahren.

Für die kommenden Jahre gehen die Experten davon aus, dass sich die Zuwachsraten auf Werte von um die zehn Prozent abflachen. Aber auch das würde noch bedeuten, dass der Markt bis 2025 um etwa 100 Milliarden Dollar zulegen wird.

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    Im Gegensatz zu anderen Segmenten des Pharmamarktes wurde die Verordnung von Krebsmitteln durch die Pandemie offenbar kaum gebremst. Verantwortlich für die Abschwächung waren stattdessen vor allem erhöhter Preisdruck und stärkere Konkurrenz durch Generika.

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    Betroffen davon sind in erster Linie die beiden Schweizer Konzerne Roche und Novartis. Sie hatten Anfang der 2000er-Jahre mit einer Reihe neuartiger, zielgerichteter Wirkstoffe eine neue Ära in der Krebstherapie eingeleitet.

    Auf etliche dieser Innovationen sind inzwischen aber die Patente ausgelaufen. Bei Roche etwa haben in den vergangenen zwei Jahren gleich drei Bestseller, die Krebsmittel Rituxan, Avastin und Herceptin, auf wichtigen Märkten ihre Exklusivität verloren, was sich 2020 in rund zehn Prozent Umsatzrückgang im Krebsmittelgeschäft niederschlug.

    Bei Novartis ist unter anderem der Wirkstoff Imatinib betroffen, der ab 2001 die Behandlung bestimmter Leukämien revolutionierte, seit einigen Jahren aber auch von Konkurrenten angeboten wird.

    Führungswechsel im Onkologie-Markt

    Als Folge der Patentabläufe hat Roche erstmals seit fast zwei Jahrzehnten die Position als weltweit umsatzstärkster Anbieter im Onkologiemarkt verloren. Neuer Spitzenreiter ist der US-Konzern Bristol-Myers Squibb (BMS), der sich vor zwei Jahren durch die Übernahme von Celgene verstärkte und seither mit seinen Immuntherapien und Blutkrebsmedikamenten weiter expandiert.

    Unter den europäischen Pharmafirmen konnte letztlich nur die britisch-schwedische Astra-Zeneca ihre Position verbessern.

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    Maßgebliche Treiber hinter dem Boom und Strukturwandel im Onkologiemarkt waren zum einen eine Reihe neuer zielgerichteter Wirkstoffe, insbesondere gegen verschiedene Blutkrebsarten, zum anderen eine neue Klasse von Immuntherapien gegen Krebs. Darunter fallen vor allem die sogenannten „Checkpoint-Inhibitoren“ – Wirkstoffe, die Abwehrmechanismen von Tumorzellen gegen das Immunsystem blockieren.

    Sie haben sich bei verschieden Krebsarten als neue Standardtherapie zusätzlich zu bisherigen Medikamenten etabliert. Innerhalb weniger Jahre entstand alleine dadurch ein fast 30 Milliarden Dollar großes Zusatzgeschäft für die Branche.

    Der Innovationstrend in dem Bereich erscheint weiterhin intakt. Alleine in den ersten fünf Monaten 2021 hat die US-Arzneimittelbehörde FDA zehn neue Wirkstoffe gegen Krebs zugelassen, nach 16 Neuzulassungen im Jahr 2020. Neuentwicklungen wie das Medikament Lumakras, das sich gegen eine bisher unzugängliche Gen-Mutation richtet, sprechen dafür, dass Pharma- und Biotechfirmen weiter neue Therapiekonzepte erschließen.

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    Die Experten von Iqvia gehen davon aus, dass sich der Trend sogar eher noch verstärken könnte. „Für den Onkologiebereich werden in den nächsten fünf Jahren 100 neue Therapien erwartet, die zu Ausgabensteigerungen von mehr als 100 Milliarden Dollar beitragen werden“, heißt es in ihrer jüngsten Analyse.

    Das würde auf eine Innovationsrate von 20 Substanzen pro Jahr hinauslaufen. Zu den Hoffnungsträgern gehören unter anderem neue und verbesserte Zelltherapien gegen Krebs und möglicherweise auch die ersten Krebs-Impfstoffe auf Basis von mRNA. Intensiv geforscht wird auch an Medikamenten und Wirkstoff-Kombinationen für Immuntherapien.

    Wettbewerb wird auch bei Krebsmitteln härter

    Gleichzeitig deutet sich allerdings auch ein stärkerer Preisdruck an – und dies nicht nur als Folge weiterer Patentabläufe. Auch im Bereich der noch patentgeschützten Wirkstoffe könnte die wachsende Konkurrenz nach Einschätzung von Experten zu einem härteren Wettbewerb führen.

    Bisher ist das bei Krebsmedikamenten zwar noch kaum ein Thema. Bei Neueinführungen orientieren sich die Hersteller in der Regel an den Preisen der bereits etablierten Pionierprodukte. Monatstherapiekosten von 15.000 bis 20.000 Dollar sind keine Seltenheit.

    In anderen Pharmasegmenten dagegen, etwa bei Hepatitis- oder Asthma-Medikamenten, war in den vergangenen Jahren bereits zu beobachten, dass Hersteller mit Preiswettbewerb um Marktanteile bei innovativen Substanzklassen kämpften. Vor allem einige US-Versicherer und Einkaufsorganisationen haben das durch aggressivere Rabattverhandlungen angeheizt.

    Eine solche Entwicklung schließen manche Analysten nun zum Beispiel für die Klasse der Checkpoint-Inhibitoren nicht mehr aus. Nachdem jüngst die britische Glaxo-Smithkline die Zulassung für ihr Krebsmittel Jemperli erhielt, stehen hier inzwischen immerhin sieben Substanzen zur Verfügung, die alle den identischen Wirkmechanismus verfolgen: die Blockade eines molekularen Signalwegs namens PD-1.

    Weitere Produkte dieser Art könnten folgen. So arbeiten unter anderem auch mehrere chinesische Firmen an entsprechenden Wirkstoffen. Für einen PD-1-Blocker von Junshi Biosciences hat die FDA bereits ein beschleunigtes Zulassungsverfahren zugesagt.

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    Zudem ist im vergangenen Jahr mit EQRx erstmals ein Biotech-Start-up mit dem Konzept angetreten, innovative Medikamente im Markt preislich zu unterbieten. Hauptentwicklungsprojekt ist ebenfalls ein PD-1-Blocker, den EQRx in Kooperation mit dem chinesischen Partner CStone entwickelt und für den die Firma kürzlich positive Studiendaten präsentierte.

    Es werde zwar ständig über die Preise debattiert, dies habe den Patienten bisher aber nichts gebracht. „EQRx wurde gegründet, um diese Herausforderung anzugehen und hochqualitative Medikamente zu niedrigen Preisen anzubieten“, sagte Firmenchef Alexis Borisy.

    Die deutschen Pharmaunternehmen sind dagegen zuletzt operativ weiter hinter die Konkurrenz zurückgefallen. Ihre Produkte spielen nur eine Nischenrolle. Bayer oder das Biotechunternehmen Morphosys haben zuletzt mit Übernahmen versucht, ihre Position zu verbessern.

    Zu den großen Hoffnungsträgern zählt nun etwa Biontech. Das Mainzer Unternehmen ist primär als Krebsforschungsfirma gestartet. Rund ein Dutzend Produktkandidaten wurden dort in klinischen Tests untersucht, darunter individuell zugeschnittene mRNA-Vakzine gegen bestimmte Krebsarten und auch Zelltherapien. Auch Curevac, Medigene und Immatics forschen an neuartigen Therapien.

    Mehr: Wie deutsche Pharmafirmen den Rückstand im Krebs-Geschäft aufholen wollen.

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