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PharmakonzernMercks Hoffnungsmedikament gegen Multiple Sklerose floppt – Aktie stürzt ab

Merck erhoffte sich Milliardenumsätze von dem neuen Mittel Evobrutinib. Doch daraus wird nichts. Es ist nicht der erste vielversprechende Wirkstoff des Konzerns, der scheitert.Theresa Rauffmann 05.12.2023 - 22:41 Uhr

Düsseldorf. Der wichtigste Hoffnungsträger des Pharmakonzerns Merck ist in der entscheidenden dritten klinischen Studienphase gefloppt, wie das Unternehmen am späten Dienstagabend mitteilte. Merck hatte sich von dem Multiple-Sklerose-Mittel Evobrutinib Milliardenumsätze erhofft, deren Ausfall das Unternehmen kaum wird kompensieren können.

„Evobrutinib war die Perle in der Pipeline von Merck“, sagt Markus Manns, Fondsmanager bei Union Investment. „Es sieht so aus, als könnte Merck im Pharmabereich nach 2027 nicht mehr wachsen“, Denn dann läuft das Patent auf das aktuelle Multiple-Sklerose-Mittel Mavenclad aus, das dem Unternehmen hohe Umsätze einbringt. Die Pharmasparte entwickle sich zum Sorgenkind des Unternehmens. 

Das zeigt sich auch an der Börse. Die Daten aus der vorherigen Phase-2-Studie sahen noch vielversprechend aus, die Erfolgswahrscheinlichkeit des Medikaments galt als hoch. Entsprechend enttäuscht reagierten die Anleger, die Merck-Aktie sackte am Mittwoch zwischenzeitlich um über 13 Prozent ab.

Das Mittel Evobrutinib sollte gegen die sogenannte schubförmige Multiple Sklerose (MS) wirken. MS ist eine chronische Autoimmunkrankheit, bei der das zentrale Nervensystem erkrankt, also Gehirn und Rückenmark. Betroffene leiden unter Sehstörungen, Muskellähmungen und Empfindungsstörungen.

Schon im April gab es Probleme bei Evobrutinib: Die US-Gesundheitsbehörde FDA stoppte die Neuaufnahme von Patienten in die klinischen Studien wegen des Risikos von Nebenwirkungen. Noch im Juni äußerte sich Merck-CEO Belén Garijo positiv zu dem Mittel: „Wir bleiben zuversichtlich, dass das Medikament Blockbuster-Potenzial haben wird.“

Evobrutinib sollte eigentlich 2025 auf den Markt kommen

Der Chef der Merck-Pharmasparte, Peter Guenter, hatte 2021 im Gespräch mit dem Handelsblatt angekündigt, dass Evobrutinib und das Krebsmittel Xevinapant ab 2025 auf den Markt kommen könnten. Doch zumindest Evobrutinib wird nach den enttäuschenden Studiendaten so nicht auf den Markt kommen. Daten zu Xevinapant werden für das kommende Jahr erwartet. Bis Merck neue Medikamente auf den Markt bringt, wird es also noch dauern.

Den ausfallenden Umsatz durch ablaufende Patente erfolgreicher Medikamente wird das Unternehmen also vorerst nicht auffangen können – auch weil es nicht die erste Enttäuschung in der Medikamentenentwicklung von Merck war. Das potenzielle Krebsmittel Bintrafusp-alfa floppte 2021 in einer Phase-2-Studie, 2022 beendete Merck die Studien am Wirkstoffkandidaten Berzosertib, der gegen Lungenkrebs wirken sollte.

Stellenstreichungen bei Merck

Neben der Medikamentenentwicklung stellt Merck in der Life-Science-Sparte auch Zubehör für Pharmafirmen her, die Electronics-Sparte ist Zulieferer für die Chipbranche. Doch auch in diesen Sparten läuft es aktuell nicht rund. 

Die Life-Science-Sparte wuchs während der Coronapandemie deutlich, schwächelt aber seither. Im dritten Quartal 2023 schrumpfte ihr Umsatz um über 13 Prozent zum Vorjahresquartal. Auch der Umsatz im Electronics-Bereich sank um vier Prozent.

Merck begründet das mit dem zyklischen Abschwung in der Elektronikindustrie. Der hält länger an als ursprünglich erwartet und zwingt das Unternehmen zu Kosteneinsparungen von bis zu 90 Millionen Euro. Dabei könnte es auch zu Stellenstreichungen kommen. Schon Anfang des Jahres hatte das Unternehmen zudem Stellenstreichungen am Hauptsitz in Darmstadt angekündigt. Bis Ende 2024 sollen dort 550 Stellen wegfallen. Auch in der Pharmaforschung fallen Stellen weg.

Merck bezeichnet 2023 als „Übergangsjahr“ und erwartet für das kommende Jahr wieder eine positive Umsatzentwicklung. Mercks CEO Belén Garijo sprach im Sommer im Interview mit dem Handelsblatt von einem „neuen Zyklus“, in den das Unternehmen eingetreten sei. Die Forschung solle auch mit externen Kooperationen verstärkt werden, weshalb die Forschungsteams richtig dimensioniert und fokussiert werden müssten.

Auch Danny Bar-Zohar, globaler Leiter der Forschung und Entwicklung bei Merck, will bei der Stärkung des eigenen Produktportfolios und der internen Entwicklungspipeline auf externe Innovationen setzen.

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Auf Mercks Pharmasparte kommt eine Durststrecke zu

Das sei zwar eine gute Möglichkeit, und Merck habe auch Geld für Investitionen, sagt Fondsmanager Manns. Medikamente in einer späten Entwicklungsphase kurz vor der Marktreife seien aber teuer. Er hält es für wahrscheinlicher, dass Merck Prototypen in der zweiten klinischen Entwicklungsphase zukaufe. Bis diese dann auf den Markt kämen, würde es dauern. „Auf Merck Pharma kommt eine Durststrecke zu“, sagt Manns.

Zuletzt hatten auch andere deutsche Pharmaunternehmen mit ihren Medikamentenkandidaten enttäuscht: Der Pharma- und Agrarkonzern Bayer etwa hatte seine Phase-3-Studie zum Schlaganfallmittel und Hoffnungsträger Asundexian wegen mangelnder Wirksamkeit abgebrochen. Und auch das bayerische Pharmaunternehmen Morphosys präsentierte wenig überzeugende Daten aus der Phase-3-Studie seines Hoffnungsträgers Pelabresib, einem Blutkrebsmittel.

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