Pharmakonzern: Sinkende Corona-Umsätze trüben letzte Bilanz des scheidenden Roche-Chefs
Der langjährige Roche-Chef gibt sein Amt im März auf und wechselt an die Spitze des Verwaltungsrats.
Foto: picture alliance/KEYSTONEZürich. Die Sonderkonjunktur aufgrund der Coronapandemie ist auch für den Schweizer Pharmakonzern Roche beendet: Der scheidende Konzernchef Severin Schwan stimmt die Anleger in diesem Jahr auf sinkende Umsätze im einstelligen Prozentbereich ein. Grund sei ein starker Rückgang der pandemiebedingten Umsätze im Umfang von fünf Milliarden Franken, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte.
Roche gehört etwa zu den Marktführern für Coronatests. Auch der Gewinn pro Aktie werde in ähnlichem Umfang wie der Umsatz sinken, teilte das Unternehmen weiter mit. Dennoch stellt Roche eine steigende Dividende in Aussicht. Die Aktie des Konzerns lag zum Handelsstart am Donnerstag rund ein Prozent im Minus
Schwan zog dennoch eine positive Bilanz für sein letztes Jahr als Konzernchef. „Wir haben im Jahr 2022 gute Ergebnisse erzielt, auch wenn die Nachfrage nach Covid-19-Produkten erwartungsgemäß zurückgegangen ist. Das Diagnostik-Geschäft und unsere neueren Medikamente setzten ihr starkes Wachstum fort.“
Künftiger Roche-Chef Thomas Schinecker besetzt Spitzenposten neu
Schwan übergibt den Chefposten im März an den bisherigen Leiter der Diagnostik-Sparte, Thomas Schinecker. Schwan, der den Konzern seit 2008 führt, will sich bei der Hauptversammlung im April zum Verwaltungsratspräsidenten küren lassen.
Schinecker hat derweil damit begonnen, Spitzenposten im Konzern neu zu besetzen. Er berief Teresa Graham zur neuen Chefin der Pharmasparte. Sie verantwortete bisher die Produktstrategie von Roche. Der bisherige Pharmachef Bill Anderson musste das Unternehmen Ende vergangenen Jahres verlassen.
Zuletzt erlebte die Division zwei Fehlschläge bei der Entwicklung des Alzheimermittels Gantenerumab und des Lungenkrebsmedikaments Tiragolumab. Die Sparte steht zudem unter Druck, da Generika einstigen Topumsatzbringern von Roche Marktanteile abnehmen.
Trotz der Rückschläge stieg der Umsatz im Pharmageschäft leicht um zwei Prozent auf 45,5 Milliarden Franken. Die Sparte steht für 72 Prozent des Gesamtumsatzes von 63,3 Milliarden Franken. Sie ist zudem mit einem operativen Gewinn von 19,2 Milliarden Franken und einer Marge von über 40 Prozent hochprofitabel. Doch die erfolgreiche Erneuerung des Medikamenten-Portfolios dürfte die wichtigste Aufgabe der neuen Leiterin Graham werden.
Diagnostik-Sparte kann Rückgänge bei Coronatests kompensieren
Die Diagnostik-Sparte, die seit Schineckers Beförderung von Matt Sause geleitet wird, konnte den Umsatzrückgang durch die rasant nachlassende Nachfrage nach Covidtests ebenfalls noch kompensieren. Der Umsatz wuchs gegenüber dem Vorjahr um drei Prozent auf 17,7 Milliarden Franken.
Roche hofft, seine Marktführerschaft bei Covidtests auch nach der Pandemie nutzen zu können. Viele Labore hatten ihre Kapazitäten in der Pandemie mit den PCR-Testmaschinen des Konzerns aufgestockt. Diese können auch zur Diagnose anderer Krankheiten genutzt werden.