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StahlkonzernThyssen-Krupp spricht mit Bundesregierung über Zukunft seiner Rüstungstochter

Auf der digitalen Hauptversammlung fordern die Anleger eine Strategie für den Konzernumbau und kritisieren die Dividende. Das Industrieunternehmen wirbt bei Investoren um Geduld.Isabelle Wermke 03.02.2023 - 19:32 Uhr Artikel anhören

Wegen der Pandemie fand die Aktionärsversammlung am Freitag bereits zum dritten Mal online statt.

Foto: Reuters

Düsseldorf. Unmittelbar zu Beginn der Hauptversammlung von Thyssen-Krupp korrigierte der Aufsichtsratsvorsitzende Siegfried Russwurm seine Aussage von vor einem Jahr. Der strategische Umbau des Konzerns sei ein Marathon und kein Sprint, hatte er damals gesagt. „Heute muss ich zugeben, dass selbst diese Beschreibung vielleicht zu optimistisch war. Es fühlt sich eher an wie ein Hindernislauf über die Marathondistanz.“

Wegen der Pandemie fand die Aktionärsversammlung am Freitag bereits zum dritten Mal online statt – zum Unmut der Anleger. So erklärte Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), dass 87 Prozent von 5000 befragten Aktionären, Institutionellen und Privatanlegern in Europa sich ein hybrides Format oder eine Präsenzveranstaltung wünschten. „Damit Sie eine Orientierung haben, was eigentlich Ihre Aktionäre wünschen,“ sagte Tüngler. Die Anleger würden lieber eine Diskussion von Angesicht zu Angesicht führen.

Besonders ausführlich mussten Vorstand und Aufsichtsratschef vor allem die Fragen der Aktionäre zum Konzernumbau und zum Rüstungs- sowie Stahlgeschäft beantworten. Der Konzern spreche mit der Bundesregierung über die Zukunft seiner Rüstungstochter Marine Systems, erklärte die Vorstandsvorsitzende Martina Merz. „Wir streben für Marine Systems eine eigenständige Aufstellung an“, sagte sie. Die Ausgangslage hierzu sei gut und Marine Systems sei offen für Partnerschaften.

Allerdings habe sich das Umfeld so verändert, dass dies in großer Gelassenheit geschehen könne. Der Konzern lasse sich nicht zu zweitbesten Lösungen treiben, so Merz. Einen Termin für eine Verselbstständigung gebe es demnach nicht.

Marine Systems baut U-Boote und Kriegsschiffe und entwickelt Technologien zur Bergung von Munition. Die Tochter mit Standorten in Kiel, Hamburg, Bremen und Emden beschäftigt rund 6900 Mitarbeiter. Im vergangenen Geschäftsjahr erzielten diese bei einem Umsatz von 1,8 Milliarden Euro und einen operativen Gewinn von 32 Millionen Euro.

Die Fondsgesellschaft Deka hatte den Konzern wenige Stunden vor der Hauptversammlung dazu aufgerufen, das Rüstungsgeschäft Marine Systems zu verkaufen – wegen des Reputations- und Compliancerisikos. „Wir fordern den sofortigen Verkauf sämtlicher Rüstungsaktivitäten,“ sagte Ingo Speich, Leiter der Abteilung Nachhaltigkeit und Governance bei Deka Investment.

Vorstandsvorsitzende Martina Merz sagte: „Wir streben für Marine Systems eine eigenständige Aufstellung an“.

Foto: IMAGO/Revierfoto

Zudem gestaltet sich die Suche nach Optionen für das Stahlgeschäft unverändert schwierig. Wettbewerber sind entweder nicht interessiert oder dürfen nicht mit Thyssen fusionieren – 2019 hatte die Europäische Union einen Deal mit dem indischen Stahlunternehmen Tata aufgehalten. Vage Hoffnungen bestehen, einen Private-Equity-Spieler als Partner zu gewinnen.

„Wir sind selbst nicht mit der Umsetzungsgeschwindigkeit zufrieden,“ erklärte Merz. „Wir tun alles, was in unserer Hand liegt, sobald das Umfeld bereit ist.“

Teil-Börsengang der Wasserstofftochter Nucera weiterhin offen

In ihrer Rede hatte Merz zuvor die Anleger erneut um Geduld gebeten. Dass der Konzern bei einigen Themen nicht wie geplant vorangekommen sei, liege am unsicheren Marktumfeld. Der Plan für eine selbstständige Aufstellung und Kapitalmarktfähigkeit des Stahlgeschäfts gelte unverändert.

Neben dem Stahlgeschäft bleibt auch die Frage nach dem angestrebten Teil-Börsengang der Wasserstofftochter Nucera weiterhin offen. Dieser hänge in erster Linie von der Situation an den Börsen ab, sagte Merz. „Wir spüren keinen Zeitdruck, das Geschäft entwickelt sich gut.“

Aktionäre besorgt über tödliche Unfälle

Bei der Hauptversammlung zeigten sich die Aktionäre zudem auch besorgt über tödliche Unfälle auf dem Werksgelände von Thyssen-Krupp und forderten Maßnahmen für mehr Arbeitssicherheit. „Arbeitssicherheit ist nicht verhandelbar und eine Priorität,“ sagte Personalvorstand Oliver Burkhard.

Der Todesfall von Refat Süleyman im vergangenen Oktober, der als Reinigungskraft auf dem Werksgelände von Thyssen-Krupp Steel Europe in Duisburg arbeitete, mache das Unternehmen noch immer betroffen.

Der Konzern stelle mittlerweile Unterweisungen in vierzehn Sprachen zur Verfügung, außerdem werde der Vorfall mit dem Subunternehmen aufgearbeitet. Bei Anzeichen von Vorstößen gegen Sicherheitsvorgaben würden Subunternehmen von der Zusammenarbeit mit Thyssen-Krupp ausgeschlossen, so Burkhard.

Auch die Frage, warum nun nach vier Jahren eine Dividende gezahlt werde, trieb die Anleger um. „Wir haben uns vor dem Hintergrund der starken Netto-Finanzposition dazu entschieden, ein Signal dafür zu setzen, dass wir mit der Transformation vorankommen“, sagte Klaus Keysberg, Finanzvorstand bei Thyssen-Krupp. Wegen des Verkaufs mehrerer Töchter konnte Thyssen-Krupp seine Netto-Finanzposition im vergangenen Jahr von 3,6 auf 3,7 Milliarden Euro leicht verbessern.

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„Wir haben in Vorbereitung der Entscheidung über das Format der heutigen Hauptversammlung sämtliche dafür möglichen Formate in unsere Betrachtungen einbezogen“, antwortete Russwurm auf die Forderungen nach einer Hybrid- oder Präsenzveranstaltung.

Das weitere Vorgehen hänge vor allem davon ab, wie die Anleger bei der Hauptversammlung abstimmen, zudem wolle man auch die Erfahrungen anderer Unternehmen abwarten.

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