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Streit vor Hauptversammlung Klimaaktivisten: Siemens soll aus allen Kohle-Aktivitäten aussteigen

Die Umweltschützer knöpfen sich weitere Projekte des Technologiekonzerns vor. Damit rückt nun Siemens Energy in den Fokus der Auseinandersetzungen.
04.02.2020 - 12:04 Uhr 1 Kommentar
Laut Aktivisten könnte Siemens mit der Kündigung des Adani-Auftrags „ein riesiges Klimaverbrechen stoppen“. Quelle: dpa
Protestplakat

Laut Aktivisten könnte Siemens mit der Kündigung des Adani-Auftrags „ein riesiges Klimaverbrechen stoppen“.

(Foto: dpa)

München Noch tobt der Streit um die Siemens-Beteiligung an einem Kohleminenprojekt in Australien. Auf der Hauptversammlung am Mittwoch wollen Klimaaktivisten gegen den Auftrag demonstrieren. Inzwischen erheben die Aktivisten noch weitergehende Forderungen.

Die Lieferung von Signaltechnik für das Minenprojekt des indischen Adani-Konzerns sei nur die Spitze des Eisbergs, sagte Regine Richter von der Initiative Urgewald am Dienstag: „Um die Klimaziele von Paris zu erreichen, dürfen keine neuen Kohlekraftwerke gebaut werden.“ Siemens müsse sich ganz von Kohle, Gas und Öl verabschieden.

Damit rückt der neue Energiekonzern Siemens Energy, den Konzernchef Joe Kaeser gerade abspaltet, in den Fokus der Auseinandersetzung. In Australien ist Siemens zwar nur mit einem kleinen 18-Millionen-Euro-Auftrag in der Sparte Bahntechnik engagiert. Die Münchener liefern die Signaltechnik für den Zug, der die Kohle ans Meer transportiert.

Doch bei Siemens Energy geht es um Milliardengeschäfte. Das neue Unternehmen, das in den nächsten Monaten abgespalten wird, liefert zum Beispiel große Gasturbinen. Zudem ist der Service für ältere Kraftwerke ein wichtiges Standbein. Das Geschäft mit erneuerbaren Energien – wie zum Beispiel Windrädern – wächst zwar, macht aber bislang nur den kleineren Teil des Umsatzes aus.

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    Die Klimaaktivisten jedoch wollen, dass sich Siemens ganz auf die Erneuerbaren konzentriert. Lara Eckstein von der Bürgerbewegung Campact forderte, Siemens müsse „jetzt anfangen, aus allen fossilen Energien auszusteigen“. Eine Welt ohne Kohle sei „der nachhaltigste Weg in die Zukunft“, sagte die australische Klimaaktivistin Varsha Yajman.

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    Damit droht Siemens weiterer Ärger über Adani hinaus. So wollen Umweltschützer nun zum Beispiel gegen das Engagement von Siemens bei einem neuen Kohlekraftwerk in Indonesien protestieren. Die Diskussionen kommen zum ungünstigen Zeitpunkt. Schließlich soll der neue Koloss mit knapp 30 Milliarden Euro Umsatz im Herbst an die Börse gebracht werden. Negativschlagzeilen kann Siemens da nicht gebrauchen.

    Siemens-Chef Joe Kaeser hatte erklärt, dass er im Nachhinein den Auftrag für Adani lieber nicht angenommen hätte. Er kündigte ein neues Nachhaltigkeitsgremium an, dass neue Aufträge für Siemens Energy rechtzeitig vor Vertragsabschluss auch auf Umweltaspekte prüfen soll.

    Konzernintern wird das allerdings mit gemischten Gefühlen gesehen. Es sei schwierig, Grenzen zu ziehen, sagte ein Insider. So könnte zum Beispiel ein modernes Kohlekraftwerk, das ein altes ersetzt, helfen, den CO2-Ausstoß zu verringern.

    „Letzte Chance für Traditionskonzern“

    Auch könnten effiziente Gaskraftwerke eine sinnvolle Ergänzung zu erneuerbaren Energien sein. Zudem könne die Energiewende nicht in allen Ländern im gleichen Tempo erfolgen. Bei Siemens Energy gehe es zudem um größere Aufträge – und damit um Arbeitsplätze.

    Auch den Kampf gegen den Adani-Auftrag haben die Klimaaktivisten noch nicht aufgegeben. Geplant ist zum Aktionärstreffen unter anderem eine Menschenkette, die aber die Veranstaltung nicht blockieren soll. Die Hauptversammlung sei „die letzte Chance für den Traditionskonzern, sich auf die richtige Seite der Geschichte zu stellen“, sagte Eckstein bei einer Pressekonferenz in München.

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    Mit der Kündigung eines kleinen Auftrags könne Siemens „ein riesiges Klimaverbrechen stoppen“. Siemens-Chef Joe Kaeser hatte dem Handelsblatt am Montag gesagt, er sehe der Hauptversammlung gelassen entgegen. Die Proteste seien eine „aktivistische Aktion, die nicht an Lösungen interessiert ist“. Seine Tür sei dennoch immer für den Dialog offen.

    Auf der Hauptversammlung wird es auch Diskussionen um Kaesers Angebot an die Klimaaktivistin Luisa Neubauer geben. Mit dem Angebot eines Aufsichtsratspostens habe Kaeser „sträflich die Reputation eines der letzten großen deutschen Unternehmen mit Weltrang aufs Spiel gesetzt“, heißt es zum Beispiel in einem Gegenantrag.

    Ob Kaeser Neubauer wirklich einen Aufsichtsratssitz bei der neuen Siemens Energy AG angeboten hat, ist allerdings umstritten. Er hatte nach dem Treffen mit Neubauer von einem Aufsichtsposten gesprochen. Auf eine Nachfrage, ob es um den Aufsichtsrat gehe, sagte Kaeser, das könne sie sich aussuchen.

    In den folgenden Tagen dementierte Siemens das Thema Aufsichtsrat auch nicht. Doch der „Zeit“ sagte Kaeser vergangene Woche: „Tatsächlich war uns immer klar, dass ein Aufsichtsratsmandat nicht gehen würde. Dort wäre die Unabhängigkeit qua Funktion verloren.“ Die Konfusion sei wegen seiner Antwort auf die Nachfrage des Journalisten entstanden. Gemeint gewesen sei immer ein Aufsichtsposten.

    Mehr: Aktivistin Helena Marschall wird auf der Hauptversammlung von Siemens reden und Druck auf den Konzern ausüben. Konzernchef Kaeser gibt sich gelassen.

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    1 Kommentar zu "Streit vor Hauptversammlung: Klimaaktivisten: Siemens soll aus allen Kohle-Aktivitäten aussteigen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Haben diese Lerute überhaupt eigene "Kohle"? - sind das nicht Berufs-Protestierer?

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