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Abspaltung Siemens Energy startet unter schwierigen Bedingungen

Der neue Energiekonzern, der im Herbst 2020 an der Börse startet, muss seine Margen noch deutlich verbessern. Doch langfristig gibt es viele Chancen.
04.02.2020 - 04:52 Uhr Kommentieren
Siemens Energy startet unter schwierigen Bedingungen Quelle: Reuters
Windrad von Siemens Gamesa

Das Geschäft mit erneuerbaren Energien gilt als Wachstumshoffnung bei Siemens Energy.

(Foto: Reuters)

München, Düsseldorf In früheren Jahren war die Energiesparte von Siemens eine Ertragsperle. Die Gewinne aus dem Kraftwerksgeschäft halfen, die Probleme anderer Bereiche auszugleichen. Doch diese Zeiten sind vorbei. Ein Blick auf die jüngste Bilanz liefert einen Grund dafür, warum Joe Kaeser das Geschäft in den nächsten Monaten abspaltet: Die Margen sind inzwischen deutlich geringer als im Rest des Konzerns mit seinen Digitalgeschäften.

Zwar gibt es noch keine konsolidierten Zahlen von Siemens Energy. Doch wird das neue Unternehmen im Kern aus der Sparte „Gas and Power“ mit den Kraftwerken, Gasturbinen und der Stromübertragung sowie der Mehrheitsbeteiligung am Windkraftspezialisten Siemens Gamesa bestehen. Beide Einheiten haben mit großen Herausforderungen zu kämpfen.

In der Kraftwerkssparte (GP) sanken die Erlöse im Geschäftsjahr 2018/19 nochmals um vergleichbar vier Prozent auf 17,7 Milliarden Euro. Die Nachfrage vor allem nach großen Gasturbinen ist weiterhin ausgesprochen schwach. Stabilisierend wirkte das Servicegeschäft, das um zwei Prozent auf acht Milliarden Euro zulegte. Hoffnung macht auch der Auftragseingang, der um sieben Prozent auf knapp 20 Milliarden Euro stieg.

Doch bleibt die Ertragskraft von GP schwach. Das operative Ergebnis sank um sechs Prozent auf 679 Millionen Euro, was einer Umsatzrendite von 3,8 Prozent entsprach. In besten Zeiten hatte Siemens mit den Kraftwerken deutlich zweistellig verdient.

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    Das Geschäft mit erneuerbaren Energien gilt bei Siemens Energy als Wachstumshoffnung. Im vergangenen Geschäftsjahr stiegen die Erlöse denn auch um vergleichbar zwölf Prozent. Allerdings ist der Preisdruck groß. Das operative Ergebnis stagnierte bei 482 Millionen Euro, die Umsatzrendite sank so von 5,3 auf 4,7 Prozent. Zum Start ins neue Geschäftsjahr 2020 vermeldete Siemens Gamesa sogar einen Quartalsverlust.

    Doch steht die ganze Branche unter Druck. Seit zwei Jahren müssen die Unternehmen um die Höhe der staatlichen Zuschüsse kämpfen. Wo es früher feste staatliche Vergütungen gab, bekommt mittlerweile oft nur noch der mit dem günstigsten Preis den Zuschlag. In der Folge herrscht ein harter Wettbewerb. Siemens Gamesa schneidet bei den deutschen Konzernen derzeit noch am besten ab.

    Grafik

    Während Enercon und Nordex weit in die roten Zahlen gerutscht sind, musste Senvion ganz aufgeben und Insolvenz anmelden. Auch im internationalen Vergleich steht die Siemens-Tochter sehr gut da. Während Siemens Gamesa sich an Land, nach Marktanteilen gerechnet, hinter dem dänischen Konzern Vestas, der chinesischen Goldwind und der amerikanischen GE mit Platz vier begnügen muss, führt der Turbinenhersteller auf See die Rangliste mit weitem Abstand an. 

    2020 wird nach Einschätzung von Siemens-Gamesa-Chef Markus Tacke ein Übergangsjahr. „Der Markt wird sich weiter verkleinern. Aber wir glauben, dass wir von dieser Konsolidierung profitieren werden“, sagte er. Das habe man am Beispiel Senvion gesehen. Als der Hamburger Traditionskonzern Insolvenz anmelden musste, sicherte sich Siemens Gamesa die profitable Service-Sparte. Weitere Übernahmen schließt der Siemens-Manager für die Zukunft nicht aus. 

    Die langfristigen Perspektiven von Siemens Energy insgesamt sind nach Einschätzung von Michael Sen, der den neuen Konzern führen wird, gut. Der Auftragsbestand von 70 Milliarden Euro sei ein gutes Startpolster. „Der Bedarf nach Energie, genauer gesagt nach Elektrifizierung, steigt“, gibt sich Sen überzeugt. Siemens Energy sei der einzige Anbieter, der die komplette Palette anbiete, von der Stromübertragung über konventionelle Kraftwerke bis hin zu den Erneuerbaren.

    Die rechtliche Abtrennung soll im Frühjahr vollzogen werden. Im Juli ist dann eine außerordentliche Hauptversammlung der Siemens AG geplant. Im Herbst soll Siemens Energy dann an der Börse starten. Investoren sehen noch viel Informationsbedarf.

    „Die neue Gesellschaft muss beweisen, dass sie Marktanteile gewinnen kann und neue margenstarke Aufträge erhält“, sagte Vera Diehl, Portfoliomanagerin bei Union Investment, dem Handelsblatt. „Die Investoren wollen eine Margenausweitung und eine Steigerung des freien Cashflows sehen.“

    Mehr: Vor dem Umbau im Frühjahr zeigt sich: Nur drei von sechs Sparten des Münchner Konzerns liefern die geforderten Ergebnisse ab.

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