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Udo Beckenbauer und Roy von der Locht Zwei Unternehmer haben Corona-Kontaktverfolgung ohne Handy entwickelt

Die Firma HMO vermittelt eigentlich digital Zweitmeinungen bei Krebserkrankungen. Doch nun hilft sie unter anderem Einzelhändler wie Media Markt beim Abstandwahren.
08.09.2020 - 17:07 Uhr Kommentieren
Der Vorstand und der Gründer der HMO AG wollen Unternehmen beim Abstandwahren helfen. Quelle: HMO
Roy von der Locht (l.) und Udo Beckenbauer

Der Vorstand und der Gründer der HMO AG wollen Unternehmen beim Abstandwahren helfen.

(Foto: HMO)

München Dass die offizielle Corona-App alles in allem mittlerweile bis zu 70 Millionen Euro kosten soll, ärgert Udo Beckenbauer und Roy von der Locht. „Wir hätten das schneller, billiger und besser gekonnt“, ist der Mediziner Beckenbauer überzeugt.

Die HMO AG hatte eine kombinierte Lösung aus App und einem Token bereits fertig entwickelt. Der Bundesauftrag ging zwar an Telekom und SAP, doch die HMO AG der beiden Gründer ist nun in Sachen Corona mit Unternehmen wie der Media-Markt-Gruppe gut im Geschäft.

Die beiden sind im Digital-Health-Segment aktiv, und da ergänzt sich der Mediziner Beckenbauer, der in München eine Praxis für Innere Medizin betreibt, gut mit dem Softwarespezialisten von der Locht, der zu Zeiten des Neuen Markts unter anderem Data Design führte.

Ursprünglich hatte HMO eine elektronische Patientenakte entwickelt. Diese wurde dann Basis des heutigen Kerngeschäfts: der digitalen Vermittlung von Zweitmeinungen für Krebs- und Herzpatienten. In der Coronazeit ist der Bedarf dafür noch gestiegen. „Viele Risikopatienten trauen sich nicht mehr, für eine Zweitmeinung in eine Praxis oder ein Krankenhaus zu fahren“, sagt Beckenbauer.

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    Über ein Internetportal bekommen Patienten den Zugang zu großen zertifizierten Tumorzentren in ganz Deutschland. Die Betroffenen sollen in der Regel ohne erneute Untersuchung eine Zweitmeinung einholen können. Die Kosten von 379 Euro – 85 davon gehen an den Gutachter – werden von 28 Kassen bereits übernommen. Im laufenden Geschäftsjahr wollen von der Locht und Beckenbauer 1500 bis 2000 Zweitmeinungen vermitteln.

    Ziel sei es, sagt von der Locht, die Zweitmeinung als Regelleistung bei allen Kassen zu etablieren. Ihm ist das Thema wichtig, vor einigen Jahren hat er eine Krebserkrankung überstanden. Er selbst habe vom Therapiehinweis einer Zweitmeinung profitiert.

    Beckenbauer will „Patientenversorgung in Deutschland verbessern“

    Nach dem Informatikstudium an der TU München hatte von der Locht mit Erfolg ein eigenes Softwareunternehmen aufgebaut, ehe er im Zuge eines Mergers 1999 Chef der Data Design AG wurde. Einige Jahre später stieg er als Softwareexperte bei HMO ein. Später war er auch als Berater aktiv und investierte als Business Angel in Start-ups.

    Gestartet war das Zweitmeinungsportal in Zusammenarbeit mit der Felix Burda Stiftung, die vor Jahren eine Studie zur Zweitmeinung bei einer Darmkrebsdiagnose initiierte. Bei den untersuchten 500 Fällen zeigte sich, dass bei etwa 40 Prozent eine Abweichung von der Therapie des behandelnden Arztes vorgeschlagen wurde.

    Meist ging es um eine Modifizierung, in knapp jedem sechsten Fall wurde aber von dem Zweitmeinungsexperten eine ganz andere Therapie empfohlen. Das Verfahren bei Kassen, Krankenhäusern und Krebsgesellschaften zu etablieren war eine große Herausforderung. „Wir haben uns durch die Etagen gekämpft“, sagt Beckenbauer.

    Die HMO AG strebt zwar die Profitabilität an, auch konnten bereits Investoren gewonnen werden. Doch meint Beckenbauer, der zusätzlich zu seiner Praxis auch am Tegernsee in der Präventivmedizin aktiv ist: „Unser Hauptziel ist es, die Patientenversorgung in Deutschland zu verbessern.“

    Mit der Corona-App bekommt das Geschäft zusätzliche Dynamik. Zunächst hatte HMO die App EPI entwickelt, die zum Beispiel Mitarbeitern eines Unternehmens einzuschätzen hilft, ob sie Risikopatienten sind und ob Symptome auf eine Corona-Infizierung hindeuten.

    Zudem können über das Programm fürs Handy Informationen über die Pandemie oder die Situation in der Firma ausgespielt werden. „Um neue Infektionswellen zu vermeiden, müssen sich alle an bestimmte Regeln halten, beispielsweise das Einhalten des Mindestabstands“, sagte Alex Teßmer, Experte für das betriebliche Gesundheitsmanagement der Media-Markt-Gruppe. Das Unternehmen setzt die Lösung bei ihren rund 40.000 Mitarbeitern ein.

    Die zweite Coronalösung der HMO AG, Budyguard, arbeitet in Kombination mit einem Bluetooth-Token und ist besonders für Unternehmen interessant, denen Abstandswarnung und Infektionskettenverfolgung wichtig ist.

    Das Token vibriert und sendet einen Warnton

    Das Token warnt den Träger, wenn ihm jemand zu nahe kommt, über Vibration und einen Warnton. Zudem speichert es bis zu 2000 Begegnungen von mindestens einer Minute für 21 Tage. Die App kann dann die Kontakte auslesen und mögliche Infektionsketten nachvollziehen.

    Inzwischen gibt es eine Vielzahl ähnlicher technologischer Lösungen. Die bekannteste ist die offizielle Corona-App. Siemens hat die App Comfy weltweit ausgerollt, mit der Beschäftigte zum Beispiel nachsehen können, ob im Büro ein Platz für sie frei ist.

    Daneben tummeln sich viele Start-ups in dem Bereich. So hat Kinexon ein Corona-Armband entwickelt, das die Mitarbeiter warnt, wenn sie sich zu nahe kommen. Die Technologie ist bereits in den US-Profiligen NBA und NFL im Einsatz. Das Start-up Pro Glove wiederum wirbt mit seiner App Proximity um Kunden, die den Abstand zwischen zwei Arbeitern über das Bluetooth-Modul eines angeschlossenen Smartphones messen kann.

    Von der Locht sieht verschiedene Vorteile beim HMO-Ansatz. So kommt das System ohne Handy aus und funktioniert in abgeschirmten Räumen. Dadurch sind auch ganz andere Einsatzmöglichkeiten denkbar. So könnten Besucher eines Fußballspiels vor dem Eintritt ins Stadion ein Token bekommen, das sie nach Spielende wieder abgeben.

    Auch in Restaurants sei so eine Anwendung denkbar. „Die Lösung in Deutschland mit den Zetteln ist ja wirklich archaisch.“ Firmen und Gesellschaft müssten zur Normalität zurückkehren, da seien innovative Lösungen gefragt.

    Die Nachfrage ist bislang gut. So hat ein Autozulieferer zwei Werke in Mexiko mit der HMO-Lösung ausgestattet. Auch Spielcasinos in den USA haben Kontakt aufgenommen, und es gibt zahlreiche weitere Anfragen.

    Die Anbieter von digitalen Coronalösungen werden wohl langfristig im Geschäft bleiben. „Auch wir haben uns gefragt: Wie nachhaltig ist das Ganze?“, sagte Kinexon-Gründer Alexander Trinchera. Doch viele Unternehmen wollten auch in der Nach-Corona-Zeit ihre Mitarbeiter vor ansteckenden Viruserkrankungen schützen und für die nächste Pandemie oder Welle vorbereitet sein.

    Auch HMO-Gründer Beckenbauer ist überzeugt, dass sich die Technologie dauerhaft als zweites Standbein erweisen könnte. „Das ist keine Lösung, die nur einmal gebraucht wird. In den nächsten Jahren wird es noch häufiger zu solchen Situationen kommen.“

    Mehr: Es braucht nicht nur Impfstoffe, sondern auch Spritzen

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