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ChemiekonzernSo will BASF seine milliardenschweren Dividenden sichern

Investoren fordern von BASF hohe Dividenden. Doch das wird wegen der Krisen und teuren Expansion schwierig. Martin Brudermüller steht im letzten Jahr als CEO unter unerwartetem Druck.Bert Fröndhoff, Theresa Rauffmann 24.10.2023 - 15:30 Uhr Artikel anhören

BASF-Chef Martin Brudermüller steht kurz vor Ende seiner Amtszeit stark unter Druck.

Foto: dpa

Düsseldorf. Dieser Wunsch zum Abschied wird BASF-Chef Martin Brudermüller wohl unerfüllt bleiben: Noch im Frühjahr hatte er gehofft, das „Staffelholz“ an seinen Nachfolger oder seine Nachfolgerin „in ruhigerem Fahrwasser“ übergeben zu können. Doch danach sieht es wenige Monate vor seinem Ausscheiden nicht aus. Der CEO, der den weltgrößten Chemiekonzern im April 2024 verlässt, steht mitsamt dem Vorstand noch einmal kräftig unter Druck.

Die Konjunktur ist mau, die Erwartungen für das kommende Jahr sind schwach. An der Börse wird eine bevorstehende, weitere Gewinnwarnung der Ludwigshafener für das Jahr 2023 befürchtet. Zugleich muss der Konzern milliardenschwere Investments stemmen und verspricht den Aktionären hohe Dividenden. Das bringt Brudermüller in ein Dilemma: Beides kostet. Viel Geld für Investitionen ausgeben und gleichzeitig Dividende zahlen, wird immer schwieriger. Doch die fordern die Investoren ein – trotz aller Krisen.

„Wir gehen weiter davon aus, dass die Dividende zumindest stabil bleibt“, sagte Arne Rautenberg, Fondsmanager bei Union Investment, dem Handelsblatt. Union ist einer der größeren institutionellen Anteilseigner des Konzerns. „Die Dividende hat bei BASF eine sehr hohe Bedeutung, und Herr Brudermüller lässt keinen Zweifel aufkommen, dass sich dies ändern könnte.“

Die hohe Bedeutung hat zwei Gründe. Während andere Dax-Konzerne fest in der Hand deutscher und angelsächsischer Fonds sind, gilt BASF als der Konzern mit den meisten privaten Kleinanlegern in Deutschland. Für sie ist die Dividende wichtig. Dazu kommt: Mit Kursgewinnen konnte BASF zuletzt nicht punkten – im Gegenteil.

Die Aktie hat seit Anfang 2021 rund 35 Prozent an Wert verloren und liegt derzeit mit rund 41 Euro auf dem Niveau von 2010.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), die Tausende Kleinaktionäre vertritt, fordert daher ebenfalls eine mindestens konstante Ausschüttung. BASF habe stets ein klares Bekenntnis abgegeben, daran auch in schwierigen Zeiten festzuhalten, sagte DSW-Präsident Ulrich Hocker dem Handelsblatt. Eine Kürzung würde bei den Aktionärinnen und Aktionären sehr schlecht ankommen.

BASF hat die Aktien-Dividende jahrelang nicht gesenkt

Tatsächlich hat der Konzern seine Dividende seit 2009 nicht mehr gesenkt. BASF teilte auf Anfrage mit, es sei grundsätzliche Politik, die Ausschüttungen jedes Jahr zu erhöhen. In einzelnen Jahren, wie 2020 und 2022, habe man sie konstant gehalten. Zuletzt zahlte BASF 3,40 Euro pro Aktie, in Summe rund drei Milliarden Euro.

Handelsblatt Today

BASF unter Druck: Ist die Dividende in Gefahr?

20.10.2023
Abspielen 22:16

Über die Ausschüttung für 2023 wird der Konzern erst Anfang nächsten Jahres entscheiden. Ein Insider sagt: „Herr Brudermüller wird sich sicher nicht die Blöße geben, zum Abschied die Dividendenpolitik infrage zu stellen.“

Doch Anspruch und Realität klaffen zunehmend auseinander. Das zweite Halbjahr hat sich für die gesamte Chemiebranche konjunkturell viel schlechter entwickelt als zur Jahresmitte erhofft. Der Ifo-Geschäftsklimaindex, der regelmäßig die Stimmung in deutschen Unternehmen abfragt, sank in der Branche im Oktober auf minus 19 Punkte, weil der Auftragsbestand niedrig bleibt und sich die Erwartungen weiter eintrüben.

Primär orientiert sich BASF bei der Dividendenhöhe daran, wie viel frei verfügbare Mittel das abgelaufene Geschäftsjahr eingebracht hat. Aus diesem Free Cashflow zahlt der Konzern traditionell die Ausschüttung. „Wir gehen fest davon aus, dass der freie Cashflow von BASF auch 2023 ausreichend für eine mindestens stabile Dividende sein wird“, zeigen sich die Analysten der Baader Bank überzeugt.

Interner Lagerabbau füllt die bei BASF die Kasse

Intern setzt BASF alles daran, dass dies auch so eintritt: Finanzvorstand Dirk Elvermann betreibe intensives Cash-Management, damit sich die Kasse füllt, sagt ein Insider. Das geht etwa über den Abbau der hohen eigenen Lagerbestände, wodurch das umlaufende Vermögen in Cash verwandelt wird. Elvermann hat dadurch schon im zweiten Quartal für einen überraschend hohen Free Cashflow gesorgt.

Die schnellere Umsetzung des Sparprogramms inklusive Stellenabbau und Anlagenschließungen, das Anfang des Jahres verkündet wurde, soll die Kosten schon bis Ende dieses Jahres um 300 Millionen Euro senken. Auch die Investitionsausgaben wurden reduziert.

Doch reicht dies aus, um die Dividendenerwartungen zu erfüllen? Laut dem Datenanbieter Refinitiv liegt die Kostenschätzung der Analystinnen und Analysten für den Free Cashflow von BASF bei genau drei Milliarden Euro. Sebastian Bray von der Berenberg Bank ist skeptischer. Er rechnet nur mit einem Wert in Höhe von etwas mehr als einer Milliarde Euro.

Das wären zwei Milliarden weniger, als für eine konstante Ausschüttung benötigt wird. Bray hält deswegen eine Dividendenkürzung bei BASF für realistisch – und angesichts eines möglichen Gewinnrückgangs (Ebit) 2023 um geschätzt 40 Prozent auch für gegeben.

Zweiter Stellhebel für BASF, die Kassen schneller zu füllen: der avisierte Verkauf mehrerer Unternehmensteile. Der Konzern plant, sich von Beteiligungen und Geschäften im Volumen von bis zu zehn Milliarden Euro zu trennen, wie das Handelsblatt vor Verkündung berichtete. Dabei geht es zuvorderst um den Verkauf der Öl- und Gastochter Wintershall sowie des Geschäfts mit Abgaskatalysatoren.

Doch für die Dividendenzahlung für 2023, die nach der Hauptversammlung Ende April 2024 ansteht, hilft BASF dieser Plan wahrscheinlich nicht. Zwar wolle Brudermüller bis dahin die Weichen für die Verkäufe stellen, heißt es im Unternehmen. Aber der Großteil des erwarteten Geldes dürfte erst unter seinem Nachfolger oder seiner Nachfolgerin in die Bilanz einfließen.

Dem neuen CEO stünden die Mittel dann für Dividendenzahlungen für die kommenden Geschäftsjahre zur Verfügung. Und auch da könnte BASF das Geld dringend brauchen: Für 2024 zeichnen die meisten Analystinnen und Analysten ein düsteres Bild, was den freien Cashflow angeht. Vieles hängt davon ab, ob und wann sich die Industrieproduktion erholen wird, vor allem in China.

Nur: In der BASF-Strategie sind die Einnahmen aus Teilverkäufen eigentlich für eine ganz andere Verwendung vorgesehen. Sie sollen helfen, die Finanzierung der milliardenschweren Investitionsvorhaben in den kommenden Jahren zu sichern.

BASF investiert im Süden Chinas Milliarden.

Foto: IMAGO/Xinhua

Rund 28 Milliarden Euro will BASF zwischen 2023 und 2027 investieren. Nahezu die Hälfte davon entfällt auf zwei Projekte: den Aufbau des neuen Geschäfts mit Material für E-Auto-Batterien und die Mega-Investition in einen neuen Verbundstandort im Süden Chinas. In Verbundstandorten ist die Produktion von unterschiedlichen Produkten in einzelnen Anlagen eng aneinandergekoppelt und baut aufeinander auf.

Rund zehn Milliarden Euro kostet die riesige Anlage in China, deren Chemikalien und Kunststoffe komplett in chinesische Industrien wie Automobil, Elektronik und Konsumgüter gehen sollen. Derzeit wird nur vereinzelt schon produziert, erst nach 2028 wird der Komplex mit hoher Auslastung laufen.

Wegen der hohen Investitionen und des noch sehr geringen Outputs ist das Investment aktuell tiefrot, wie ein Insider berichtet. BASF bestreitet dies nicht. Nach eigenen Angaben rechnet der Konzern erst 2026 mit „wesentlichen Umsatz- und Ergebnisbeiträgen“. Der Großteil der Investitionen werde 2023 bis 2025 anfallen.

Chinesische Konkurrenz von BASF wächst

Der weitere Ausbau fällt damit in eine Phase, in der Chinas Wirtschaft schwächelt und die Chemieindustrie weltweit mit Überkapazitäten und Preisdruck zu kämpfen hat. Investoren hinterfragen das Engagement deswegen kritisch.

Denn Chinas Chemieindustrie investiert selbst kräftig. In der Basischemie sind die großen lokalen Konzerne wie Sinopec ohnehin führend. Zunehmend rückten aber ambitionierte chinesische Chemieunternehmen auch in die Spezialchemie auf, heißt es in einer Analyse der deutschen Außenhandelsgesellschaft GTAI.

In beiden Segmenten ist BASF stark. Der Konzern vertraut nach eigenen Angaben auf langfristiges Chemie-Wachstum in China und betrachtet die Investition in Dekaden. Im Wettbewerb setzt BASF auf Kostenvorteile, die das Verbundkonzept bietet, und darauf, im Süden Chinas nah an den Kunden der dort aufstrebenden verarbeitenden Industrie zu sein.

Erste Verträge zu Lieferungen seien bereits unterzeichnet. BASF hält an dem Ziel fest, dass der neue Standort in Südchina ab 2030 einen Umsatzbeitrag zwischen vier und fünf Milliarden Euro und einen bereinigten Gewinn (Ebitda) von ein bis 1,2 Milliarden Euro erzielen soll.

BASF: Baustopp in China würde Investitionsruine hinterlassen

Das Wachstumsumfeld für BASF in China habe sich zwar in den vergangenen Jahren verschlechtert, sagt Chemieexperte Bray. Dennoch werde die Wirtschaft des Landes und die Chemienachfrage nach der Schwächephase wieder wachsen. Auch die Analysten der Baader Bank rechnen damit, dass BASF mittel- bis langfristig vom China-Investment profitieren wird.

Ein Zurück gibt es ohnehin nicht: Brudermüller hat mehrfach unterstrichen, dass man einen Verbundstandort entweder gar nicht oder nur komplett bauen kann, um die Vorteile der vernetzten Produktion auszuspielen. Ein Stopp würde eine Investitionsruine hinterlassen. Die verbleibenden Milliardenbeträge bis zur Fertigstellung des Komplexes sind also fest eingeplant.

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BASF-Aktionär Union Investment zeigt sich überzeugt, dass BASF die Investitionen auch in einem herausfordernden Umfeld wird stemmen können. Das dürfe aber nicht auf Kosten der Dividende gehen. „Eine Kürzung wäre negativ zu interpretieren“, sagt Fondsmanager Rautenberg. „Der Markt würde die ohnehin kritisch angesehene Chinainvestition dann noch stärker hinterfragen.“

Erstpublikation: 19.10.2023, 12:24 Uhr.

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