Wirtschaft: Drei Szenarien für die Zukunft der deutschen Industrie
Der Wohlstand von Deutschland hängt maßgeblich von der Industrie ab. Doch diese steckt tief in der Krise.
Foto: Handelsblatt- Die Energiekosten in Deutschland und Europa werden dauerhaft höher bleiben als in weiten Teilen der restlichen Welt. Gleichzeitig gefährden der Fachkräftemangel und die lähmende Bürokratie die deutsche Industrie. Je nachdem wie die Regierung nun handelt, gibt es verschiedene Szenarien für den Wirtschaftsstandort Deutschland:
- Wenn der Staat mit der Gießkanne subventioniert, bleibt die Industrie erhalten – doch sie wird träge und unproduktiv.
- Lässt der Staat die Industrie im Stich – dann haben wichtige Branchen keine Überlebenschance.
- Regiert der Staat jedoch mit Augenmaß, kann die Industrie neu erstarken.
Berlin, Düsseldorf. Die Preise für Gas und Strom gehen langsam wieder zurück, die Inflation ebenfalls. Die kommenden Monate werden hart, wenn auch nicht so hart, wie die ärgsten Mahner befürchtet hatten. Aber was geschieht danach?
Die Energiekosten in Deutschland und Europa werden dauerhaft höher bleiben als in weiten Teilen der restlichen Welt, insbesondere als in der weltgrößten Volkswirtschaft USA. „Das ist die neue Realität“, sagt die Wirtschaftsweisen-Vorsitzende Monika Schnitzer. „Wir werden ein neues Energiepreisregime erleben und damit umgehen müssen.“
Umgehen müssen wird damit vor allem die deutsche Industrie. Deutschland ist wie kaum ein anderes Land von seinem verarbeitenden Gewerbe abhängig, gut ein Fünftel macht der Sektor an der innerdeutschen Wertschöpfung aus.
In jedem anderen EU-Land ist der Industrieanteil geringer, ebenso in Großbritannien und den USA. Hinzu kommt, dass ein großer Teil der Wertschöpfung im deutschen Dienstleistungssektor ebenfalls auf die Industrie zurückgeht: von der Wartung und Instandsetzung von Anlagen und Maschinen bis zu industriespezifischen Aufträgen für Werber und Wirtschaftsprüfer. Die Industrie ist und bleibt Deutschlands Wohlstandsmotor.