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CoronaMilliardär Ricardo Salinos Pliego fordert Mexikos Regierung heraus

Der zweitreichste Mexikaner ruft zum Ungehorsam gegen den Präsidenten auf, mit dem er eigentlich befreundet ist. Dem Unternehmer gehen die Corona-Restriktionen zu weit.Klaus Ehringfeld 21.04.2020 - 20:08 Uhr

Zu der „Grupo Salinas“ des Milliardärs gehören unter anderem Medien, Banken und Versicherungen.

Foto: ddp/Benedicte Desrus/Sipa USA

Mexiko-Stadt. Man stelle sich vor, in den Tagesthemen ruft der Moderator dazu auf, die Zahlen und Fakten der Regierung zur Coronakrise zu ignorieren. Hierzulande undenkbar, ist das in Mexiko so ähnlich gerade geschehen: Die Bevölkerung solle den Corona-Experten der Regierung und ihren Anordnungen nicht mehr Folge leisten, weil sie „irrelevant“ seien, erklärte der Moderator der Hauptnachrichten des zweitgrößten Senders TV Azteca.

Der Journalist folgte damit ganz offensichtlich einer Anweisung seines Chefs: Ricardo Salinas Pliego ist Multimilliardär und Eigentümer von „Grupo Salinas“, einem Firmenkonglomerat, das Medien, Banken, Versicherungen und Einzelhandel umfasst. Salinas Pliego ist genervt davon, dass die linke Regierung viele Industrien stillgelegt hat und die Menschen dazu aufrief, zu Hause zu bleiben.

Die Restriktionen machen das Geschäftsmodell des 64-Jährigen kaputt, das vor allem auf der Vergabe von Kleinkrediten, Überweisungen und Einzelhandel beruht. „Das Leben muss weitergehen“, mäkelt er fast täglich.

Der mediale Aufruf hat hohe Wellen geschlagen. Ein solcher Ungehorsam gegenüber der Regierung sei nicht tragbar, sagen Analysten. Dabei ist Salinas Pliego eigentlich einer der wenigen Unternehmer, die Linkspräsident Andrés Manuel López Obrador nahestehen.

Die beiden sind befreundet. Oder waren es jedenfalls bis jetzt. Die Episode zeigt, wie viel Macht Großunternehmer in Mexiko haben – oder sich nehmen. Unter López Obrador ist Salinas Pliego zum zweitreichsten Unternehmer des Landes hinter Telefon-Tycoon Carlos Slim aufgestiegen.

Staatsversicherer „Seguros Azteca“

Laut „Forbes“-Liste verfügt der Mann, der aus einer Unternehmerfamilie stammt, über ein Vermögen von 11,7 Milliarden Dollar – ein Plus von fast sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr. Den Anstieg verdankt er im Wesentlichen guten Verträgen mit der Regierung.

Seine Versicherung „Seguros Azteca“ darf alle Polizisten und sonstige Staatsbedienstete der Hauptstadt versichern sowie die Gebäude des Bildungsministeriums. „Total Play“, die TV- und Internetsparte von Grupo Salinas, gewann die Ausschreibung für die öffentlichen Überwachungssysteme in Mexiko-Stadt.

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Dementsprechend milde fiel die Kritik des Staatschefs aus. López Obrador bremste sogar sein Innenministerium, als es ein Bußgeld-Verfahren gegen TV Azteca einleiten wollte. Dabei ist der Präsident eigentlich gefürchtet für seine Kritik – an unliebsamen Unternehmern und kritischen Medien.

Mehr: Mexiko ist das Schweden Lateinamerikas und setzt in Coronazeiten auf Apelle statt auf Verbote. Die Regierung treibt besonders die Sorge um die Wirtschaft.

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