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Nachrichtensender Rammbock der Republikaner: Fox News kommt nach Deutschland

Der konservative US-Nachrichtensender startet einen Streamingdienst in Deutschland. Weitere amerikanische Medienkonzerne planen Angebote in Europa.
17.09.2020 - 06:43 Uhr 1 Kommentar
Der US-Präsident im Interview bei „Fox News Sunday“. Quelle: AP
Donald Trump im Studio

Der US-Präsident im Interview bei „Fox News Sunday“.

(Foto: AP)

San Francisco Einer der fleißigsten Zuschauer von Fox News lebt im Weißen Haus: In einem Tweet zählte US-Präsident Donald Trump kürzlich auf, welche Sendungen er am Vortag auf Fox News gesehen hatte. Wer nachrechnete, kam auf neun Stunden, die der mächtigste Mann der Welt mindestens vor dem konservativen TV-Kanal verbracht haben müsste.

Wenige Wochen vor der Präsidentschaftswahl bringt Fox an diesem Donnerstag seinen Nachrichtensender sowie den auf Wirtschaft spezialisierten Kanal Fox Business als Streamingdienst nach Deutschland. Für sieben Euro im Monat können Zuschauer auf Fox News International die Live-Ausstrahlung der Sender verfolgen. Auch in Großbritannien und Spanien startet der Dienst am Donnerstag.

„Das Produkt ist an amerikanische Expats gerichtet und an Deutsche, die an US-Nachrichten und Meinungsbeiträgen interessiert sind“, sagt John Fiedler, Leitender Vizepräsident für digitale Produkte und Technologie bei Fox, dem Handelsblatt.

Fox News sei der quotenstärkste Sender im US-Kabelfernsehen. „Es gibt keinen besseren Weg, die Ereignisse am US-Wahltag zu verfolgen, als auf dem Sender, den die meisten US-Amerikaner sehen.“

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    Der Sender aus dem Reich des erzkonservativen australischen Medienunternehmers Rupert Murdoch gilt schon seit seiner Gründung 1996 als konservativer Rammbock, der demokratische Präsidenten wesentlich härter anfasst als Republikaner.

    Enge Verbindung zwischen Trump und Fox News

    Doch die Liaison zwischen Trump und dem Sender ist enger als alles Dagewesene. So sieht Trump nicht nur sehr viel Fox, er kommentiert das Programm auch auf Twitter und ruft regelmäßig spontan in der Frühstücksfernsehsendung „Fox and Friends“ an, um seine Sicht auf die Dinge mitzuteilen. Am Dienstag sagte Trump, er werde bis zur Wahl nun jede Woche in die Sendung kommen. "Fox News hat das nicht zugesagt", antwortete einer der Moderatoren.

    Kommentatoren wie Sean Hannity oder Tucker Carlson hofieren den Präsidenten und verstärken in ihren Sendungen seine Wahlkampfbotschaften – etwa, dass die „Black Lives Matter“-Proteste die USA ins Chaos stürzen, aus dem sie nur der amtierende Präsident befreien kann.

    Die Gefahr der Corona-Pandemie spielten die Experten des Senders im März herunter – wider besseres Wissens, wie Brian Stelter, ein Medienjournalist beim Konkurrenzsender CNN, in seinem neuen Buch „Hoax: Donald Trump, Fox News und die gefährliche Verbiegung der Wahrheit“ schreibt.

    Ein Medizinexperte des Senders in Hannitys Show erklärte noch am 6. März vor Millionen Zuschauern, die Pandemie werde „im aller-, aller-, allerschlimmsten Fall so schlimm wie die Grippe“. Währenddessen sagte der Sender bereits große Events ab und stellte seine Mitarbeiter auf Heimarbeit ein. In einer E-Mail an das Handelsblatt verweist eine Fox-Sprecherin auf andere Segmente auf Fox, in denen frühzeitig die Gefahr durch die Pandemie hingewiesen worden sei.

    Fox-Manager Fiedler wehrt sich gegen den Eindruck, Fox sei ein konservativer Sender. „Wir haben Zuschauer in allen Parteien und Altersgruppen“, sagt er. Dass Trump in Deutschland so unbeliebt ist wie in kaum einem anderen westlichen Land, sieht er nicht als Problem für den neuen Streamingdienst: „Wir zielen nicht nur auf Deutsche, die den Präsidenten gut finden.“

    Fox-News-Kommentatoren wie Sean Hannity oder Tucker Carlson hofieren den US-Präsidenten und verstärken in ihren Sendungen seine Wahlkampfbotschaften. Quelle: Reuters
    Sean Hannity

    Fox-News-Kommentatoren wie Sean Hannity oder Tucker Carlson hofieren den US-Präsidenten und verstärken in ihren Sendungen seine Wahlkampfbotschaften.

    (Foto: Reuters)

    Lokale Programme plant Fox in Deutschland erst mal nicht: Man denke zwar ständig über neue Gelegenheiten nach, international zu wachsen. „Aktuell gibt es aber keinen Plan, lokale Sendungen in Europa zu produzieren“, sagt Fiedler.

    Als reines Nachrichtenangebot ist Fox News International ein Unikum unter den US-Streamingdiensten, die in Deutschland um Abonnenten werben. Doch nach Netflix und Disney nehmen auch weitere amerikanische Medienkonzerne Europa in den Blick. Die Vielfalt für deutsche Streamingnutzer könnte sich bald vervielfachen.

    Für Netflix waren Europa und der Mittlere Osten im vergangenen Jahr der größte Wachstumsmarkt. Auch Disney expandierte mit seinem Dienst Disney+ nach dem Start in den USA im November 2019 im März als Erstes nach Mitteleuropa und in dieser Woche nach Skandinavien, Portugal und Belgien. Die Lionsgate-Tochter Starz brachte Ende 2019 den Dienst „Starzplay“ nach Deutschland, wo er unter anderem die presigekrönte Serie „Killing Eve“ ausstrahlt.

    CBS Viacom und HBO Max planen Europa-Expansion

    Mit gleich zwei Diensten will CBS Viacom in Europa expandieren: Der Mutterkonzern von Kabelsendern wie Comedy Central oder Nickelodeon und dem geschichtsträchtigen Hollywoodstudio Paramount Pictures will das kostenlose, werbefinanzierte Pluto TV bis 2021 nach Spanien, Frankreich und Italien bringen.

    In Deutschland bietet Pluto TV Programme wie die beliebte Nickelodeon-Kindersendung „Spongebob Schwammkopf“ schon seit Ende 2018 an.

    Neben Pluto TV betreibt CBS Viacom auch einen Netflix-artigen Bezahlkanal, der ab 2021 „Paramount+“ heißen und ab dem Frühjahr in Skandinavien starten soll. Der Dienst setzt vor allem auf die Nostalgie seiner Filmklassiker wie „Mission Impossible“ oder „Der Pate“ – eine Making-of-Dokumentation über die legendäre Mafia-Trilogie ist eine der neuen Produktionen für Paramount+.

    Ein Termin für den Deutschlandstart von Paramount+ ist noch nicht bekannt, doch CBS Viacoms Streamingchef für Europa und Asien, der Franzose Olivier Jollet, arbeitet seit Jahren von Berlin aus – 2016 für einige Monate bei Pro Sieben Sat 1, später für Pluto TV.

    Der „Streamingkrieg“ hat sich seit der Coronakrise noch einmal verschärft: Während Netflix als reiner Streamingdienst von den Ausgangssperren weltweit profitiert, leiden die traditionellen Film- und Fernsehkonzerne wie Warner Media, NBC Universal oder Disney unter geschlossenen Kinos – und ihre recht jungen Streamingdienste wie Warners HBO Max sind zum Erfolg verdammt.

    HBO Max, das preisgekrönte Serien wie „Game of Thrones“, „Succession“ oder „Silicon Valley“ im Katalog hat, will im kommenden Jahr nach Lateinamerika expandieren, wie Warner-Media-Chef Jason Kilar kürzlich ankündigte. Sein Vorgänger John Stankey hatte Ende 2019 auch eine Expansion nach Europa angekündigt. Stankey führt Warner Medias Mutterkonzern, den Telekomriesen AT&T.

    Nach Deutschland wird HBO Max voraussichtlich nicht kommen, weil HBO seine besten Inhalte hier an den britischen Bezahlsender Sky lizenziert und den Deal erst Ende 2019 um fünf Jahre verlängert hat. In Märkten wie Skandinavien oder Belgien, wo Sky nicht aktiv ist, ist ein Start von HBO Max aber denkbar.

    Selbst Disney könnte noch einen weiteren Dienst nach Europa bringen: Der Micky-Maus-Konzern hat angekündigt, den indischen Streamingdienst „Star“ international auszurollen. Dort könnten Inhalte aus dem Disney-Konzern laufen, die nicht in seinen familienfreundlichen Disney+-Dienst passen: die Science-Fiction-Thriller-Serie „Devs“ des Senders FX etwa oder Filmklassiker wie „Titanic“.

    Mehr: Netflix-Chef Reed Hastings im Interview

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    1 Kommentar zu "Nachrichtensender: Rammbock der Republikaner: Fox News kommt nach Deutschland"

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    • Ist doch gar nicht nötig, dass wir amerikanische News/Meinungen/Kommentare/Framing bekommen - das haben wir doch schon alles.

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