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Start-ups und Medien Nach Eklat um deutschen Tech-Beirat: Auch US-Investoren mit schwierigem Verhältnis zu Medien

Kritische Nachfragen von Journalisten sind der US-Tech-Szene ein Dorn im Auge. Auf Future.com darf sie künftig wohlwollende Berichte erwarten.
14.07.2021 - 08:30 Uhr 1 Kommentar
Er hat zuletzt ein eigenes Medium gegründet, das eine techfreundliche Berichterstattung garantieren soll. Quelle: © 2016 Bloomberg Finance LP
Marc Andreessen

Er hat zuletzt ein eigenes Medium gegründet, das eine techfreundliche Berichterstattung garantieren soll.

(Foto: © 2016 Bloomberg Finance LP)

New York Medien gegen Tech, Tech gegen Medien: Im Silicon Valley ist es mittlerweile eine Art Sport geworden, sich über die klassischen Medien und deren Berichterstattung zu beschweren. Der Grund: Viele Medien nehmen immer stärker die Geschäftsmodelle junger Firmen unter die Lupe, genauso wie ihren Umgang mit sogenannten Gig-Arbeitern, die zeitlich befristete Aufträge beispielsweise von Liefer- oder Fahrdienstplattformen ausführen. Darüber hinaus finden sich in Medien immer öfter kritische Betrachtungen der Rolle von Tech-Unternehmen bei der Verbreitung von Desinformation.

Deshalb will die Venture-Capital-Legende Marc Andreessen vom Wagniskapitalgeber Andreessen Horowitz die Arbeit der Journalisten nun selbst in die Hand nehmen: Er hat zuletzt ein eigenes Medium gegründet, das eine techfreundliche Berichterstattung garantieren soll. Auf der Internetseite Future.com veröffentlichte der frühere Facebook-, Airbnb- und Twitter-Investor einen Kommentar mit dem Titel: „Technology saves the world“ („Technologie rettet die Welt“).

Die Beziehung zwischen Tech-Unternehmen und US-Journalisten war nicht immer so angespannt wie heute. Zu Zeiten des Dotcom-Booms um die Jahrtausendwende konnten die meisten Start-ups mit positiver Berichterstattung rechnen – unabhängig davon, wie viel Verlust sie schrieben oder ob ihr Geschäft nur die zehnte Kopie der gleichen Idee war. Selbst in den Jahren nach dem Platzen der Blase blieb die Grundhaltung freundlich. Apple-Gründer Steve Jobs war Kult. Start-ups wurden gefeiert, soziale Medien galten als Befreier der Welt, iPhones als Wegbereiter der Zukunft und Uber als Rebell gegen veraltete Taxi-Monopole.

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    Doch nach und nach kamen Zweifel auf: Wie viele unserer Daten kontrollieren Facebook, Google und Amazon? Tragen Twitter und andere soziale Medien dazu bei, Wahlen zu manipulieren? Wie ergeht es den Gig-Arbeitern, die für Uber oder Doordash als Pseudoselbstständige Menschen transportieren und Essen liefern?

    Plötzlich hatten die Technologieunternehmen nicht mehr die Deutungshoheit – und setzten zur Gegenoffensive an: Kritischen Journalisten wurde der Zugang zu Informationen erschwert, sie wurden auf Twitter blockiert. Die Stimmung wurde schlechter, so wie es auch in den vergangenen Tagen in Deutschland durch ein entsprechendes Papier von jungen Digital-Unternehmern deutlich wurde.

    Fragen unerwünscht

    Wie sehr es die Silicon-Valley-Unternehmen gewohnt sind zu bestimmen, worüber berichtet wird, zeigte die Präsentation des Google-Pixel-4-Smartphones noch vor der Pandemie. Es war die erste große Produktpräsentation, die Google nicht im Valley, sondern in New York abhielt. Die gesamte Presse war geladen und wurde von strahlenden Menschen in bunten Overalls in den Saal eskortiert. Starfotografin Annie Leibovitz persönlich lobpreiste die integrierte Kamera des Smartphones.

    Aber wer nach der Show auf den bei Pressekonferenzen üblichen Frage-und-Antwort-Teil gehofft hatte, wurde enttäuscht. Was bei den Ostküsten-Journalisten für Verwunderung sorgte, nahmen die von der Westküste eingeflogenen Journalisten als normal hin. Das sei so üblich im Valley, erklärten sie ihren verdutzten Kollegen in New York. Man bekommt die Inhalte serviert. Fragen sind unerwünscht.

    Mittlerweile sind viele Tech-Vertreter auch dazu übergegangen, kritische Journalisten oder Medien direkt öffentlich anzuprangern. Als etwa die „New York Times“ einen Bericht über Rassismus auf der Kryptoplattform Coinbase veröffentlichte, erntete der Autor hässliche Kommentare wie „woke white who can’t code“ von Balaji Srinivasan, dem Ex-Technologievorstand von Coinbase und Ex-Partner von Andreessen. Auf Deutsch heißt das so viel wie „wachsamer Weißer, der nicht programmieren kann“.

    Demnächst werden die Tech-CEOs mit Andreessens Plattform Future.com ein garantiert freundliches Sprachrohr haben. Andreessen selbst hatte in ein betrügerisches Unternehmen investiert, das von kritischen Journalisten entlarvt wurde: Als das „Wall Street Journal“ als erstes Medium über den Betrug beim Bluttestunternehmen Theranos berichtete, verteidigte Andreessen sein Investmentobjekt auf Twitter und blockierte kritische Journalisten. Recht behielt er damit trotzdem nicht.

    Mehr: Prominente Gründer und Investoren wollen der Presse vorschreiben, wie und worüber sie bei Börsengängen berichtet

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    1 Kommentar zu "Start-ups und Medien: Nach Eklat um deutschen Tech-Beirat: Auch US-Investoren mit schwierigem Verhältnis zu Medien"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Tech-freundliches Medium klingt nach verschwurbeltem Ausdruck für unkritisches Sprachrohr, das den Communications Abteilungen von Google, Facebook und Co. nach dem Mund redet.

      Ist per se nichts Schlimmes, die meisten Interessengruppen pflegen Beziehungen zu und engagieren sich in Lobby-Verbänden, aber sowas als Journalismus zu betiteln ist bedenklich. Damit wird suggeriert unabhängiger, neutraler Beobachter zu sein, was nicht der Wahrheit entspricht.

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