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US-UnterhaltungskonzerneWas eine mögliche Fusion von Warner und Paramount fürs Streaming bedeutet

Hochzeit in Hollywood, zumindest womöglich: Ein Milliardendeal zwischen Warner Bros und Paramount Global würde die Unterhaltungsbranche weiter konsolidieren – auch mit Folgen für Netflix und Disney.Michael Scheppe 21.12.2023 - 04:41 Uhr

Düsseldorf. In der Unterhaltungsindustrie bahnt sich womöglich ein Milliardendeal an: Die Hollywood-Giganten Warner Bros Discovery und Paramount Global sondieren laut übereinstimmenden US-Medienberichten einen Zusammenschluss. 

Demnach befinden sich die Gespräche noch in einem frühen Stadium, der Ausgang sei offen. Warner-Chef David Zaslav und Paramount-Präsident Bob Bakish sollen am Dienstag mehrere Stunden lang über einen möglichen Zusammenschluss gesprochen haben. Die Unternehmen selbst wollten sich nicht dazu äußern.

Bei einer Fusion würden zwei der größten Medienunternehmen der Welt zusammenkommen. Warner Bros hat einen Marktwert von 28,4 Milliarden Dollar, Paramount kommt auf 10,3 Milliarden. Zu Warner Bros Discovery gehören das Hollywoodstudio Warner Bros sowie die Sender CNN, HBO und Discovery. Paramount betreibt das Filmstudio Paramount Pictures sowie die Sender CBS und MTV.

In Deutschland ist Paramount auch durch seinen Streamingdienst Paramount+ bekannt, den es hier seit einem Jahr gibt. Zu Warner gehört die Plattform Max, die aus den vormals getrennten Diensten HBO Max und Discovery+ hervorging. Max ist hierzulande bisher nicht verfügbar, dafür sind Themenkanäle unter der Marke Warner TV als Bezahloptionen buchbar.

Der Deal würde die laufende Konsolidierung in der US-Unterhaltungsindustrie stark vorantreiben. Das klassische TV-Geschäft war für die Branche über viele Jahrzehnte lukrativ. Doch Erlöse und Gewinne schrumpfen auch für Warner und Paramount immer weiter, weil Verbraucher ihre Kabel-TV-Verträge kündigen und zu Streamingdiensten abwandern. Zudem belasten stetig steigende Kosten für Sportübertragungsrechte etwa NFL (Football) oder NBA (Basketball) das Budget.

Filmstudios fahren seit Monaten einen Sparkurs

Mit den Zuschauern wenden sich zunehmend auch die Werbekunden ab, viele Firmen werben mittlerweile lieber im Netz. Im Streaming liegt die Zukunft, aber das Geschäft ist hart umkämpft. Die wenigsten Anbieter sind bislang profitabel. In den vergangenen Jahren waren die US-Medienriesen bereit, sich mit hohen Verlusten Marktanteile zu erkaufen.

Doch angesichts steigender Produktionskosten und von Verbrauchern, die infolge der Inflation auch an ihren Streaming-Ausgaben sparen, fahren die Filmstudios seit Monaten einen Sparkurs. Selbst die Branchenriesen Netflix und Disney wollen weniger Serien und Filme produzieren, und streichen Jobs, um rentabler zu werden. Wegen der besseren Bezahlung für Schauspieler und Drehbuchautoren infolge der monatelangen Streiks in Hollywood ist der Spardruck noch größer geworden.

Mit Blick auf die mögliche Fusion zwischen Warner und Paramount sagte US-Analyst Rich Greenfield: „Es spricht für die Panik. Die Industrie steht vor einer sehr herausfordernden Zukunft.“ Die Firmen versuchten, größer zu werden, um im Streaming wettbewerbsfähig zu bleiben. Experten prognostizieren etwa, dass die Zahl der Streaming-Anbieter wieder sinken wird. Die Branche werde sich „in den kommenden drei bis fünf Jahren neu sortieren, aber es wird schmerzhaft sein“, sagt der US-Wissenschaftler Jonathan Taplin.

Konkurrenz für Disney und Netflix

Weil sich die Geschäfte von Warner und Paramount überlappen, würde der Zusammenschluss die Kosten für beide stark reduzieren. Größere Entlassungen wären eine Folge. Beobachter mutmaßen, dass die Streamingdienste Paramount+ und Max zusammengeführt werden. Sie wären mit geringeren Ausgaben und starken Marken dann eine ernst zu nehmende Konkurrenz für die Marktführer Netflix und Disney+.

Auch in anderen Bereichen würden die Firmen Synergien heben.  Paramounts starke Filme, wie Mission Impossible oder Top Gun, würden durch den weltweiten Vertrieb von Warner eine höhere Reichweite erzielen. Warner wiederum könnte seinen Streamingdienst mit dem starken Kinder- und Jugendprogramm von Paramount und damit Serien wie Spongebob oder Paw Patrol erweitern. Die News-Sender CBS und CNN könnten kooperieren, auch die Kosten für Sportrechte könnten sich beide Firmen teilen.

Warner und Paramount sind selbst schon Teil der größten Zusammenschlüsse in der US-Unterhaltungsindustrie gewesen. Warner Bros Discovery war erst 2022 entstanden, Discovery hatte Warner Media 2022 für 43 Milliarden US-Dollar übernommen. Schon zuvor hatte CEO Zaslav sein Portfolio durch Zukäufe verstärkt.

Paramount wird durch eine Holding der Unternehmerfamilie Redstone kontrolliert, einer der mächtigsten US-Medienbesitzer. Die Familie ist offenbar bereit, Kontrolle abzugeben, wenn es zu einem guten Deal kommt, schreiben amerikanische Medien. Paramount steht demnach auch in Gesprächen mit der Filmproduktionsgesellschaft Skydance Media und dem Investor Red Bird Capital.

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Paramount verkauft verstärkt Bereiche, die nicht zum Kerngeschäft gehören. So hat der Konzern in diesem Jahr etwa den Verlag Simon & Schuster an den Investor KKR veräußert. Daran hatte auch der deutsche Medienkonzern Bertelsmann Interesse. Doch die Übernahme scheiterte an den US-Kartellbehörden.

Die Wettbewerbshüter werden auch die mögliche Fusion zwischen Warner und Paramount kritisch beäugen. Gerade unter US-Präsident Joe Biden erweisen sich die Behörden als streng. Der Zusammenschluss könnte aber gelingen, weil Warner anders als Paramount kein eigenes Broadcast-Netzwerk hat. Dennoch würden sich dann zwei große Filmstudios und Streamingdienste zusammenschließen.

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