1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Kreuzfahrtschiffe: Rettungsplan für Meyer Werft steht

KreuzfahrtschiffeRettungsplan für Meyer Werft steht

Bund und das Land Niedersachsen wollen das Überleben der angeschlagenen Meyer Werft sichern. Für den Rettungsplan steht jetzt die Einigung – bloß eine Zustimmung fehlt noch.Julian Olk 06.09.2024 - 14:06 Uhr Artikel anhören
Meyer Werft in Papenburg: Bei dem kriselnden Schiffsbauer ist eine Lösung in Sicht. Foto: dpa

Berlin. Die kriselnde Meyer-Werftengruppe wird vom Staat gerettet. Der Bund und das Land Niedersachsen wollen sich mit jeweils 40,363 Prozent an dem Unternehmen beteiligen. Das verlautete am Freitag aus Kreisen des Bundeswirtschaftsministeriums. 200 Millionen Euro kosten die Anteile jeweils. Die Finanzierung auf Bundesseite sei gesichert.

Bund und Land bürgen zudem zu 80 Prozent für neue Kredite in Höhe von 2,6 Milliarden Euro. Die übrigen 20 Prozent übernehmen die Banken im eigenen Risiko.

Das Wirtschaftsministerium hat sich mit dem Kanzleramt und dem Finanzministerium auf diesen Plan geeinigt. Dieser wurde dem Haushaltsausschuss des Bundestags vorgelegt, der noch seine Zustimmung beschließen muss.

Niedersachsens Landesregierung hatte ihren Einstieg bereits am Mittwoch beschlossen. „Mit unserem Engagement schaffen wir die Voraussetzung für den Erhalt und die zukunftsfähige Neuausrichtung der Werft“, hatte Niedersachsens Finanzminister Gerald Heere (Grüne) gesagt. Der Haushaltsausschuss im niedersächsischen Landtag muss ebenfalls noch zustimmen.

In Kreisen des Bundeswirtschaftsministeriums wird die Rettungsaktion damit begründet, dass die Werft eine Zukunftsperspektive habe: „Nach einer konsequenten und erfolgreichen Umsetzung kann das Unternehmen laut einem vertieften unabhängigen Sanierungsgutachten die Rentabilität der unternehmerischen Tätigkeit wiederherstellen.“

Auch die weiterhin hohe Nachfrage nach Kreuzfahrtschiffen bei wenigen Anbietern spreche für die Sanierungsfähigkeit. Mit einer Insolvenz wäre „der Verlust der in Deutschland vorhandenen Kompetenzen im Kreuzfahrtschiffbau“ einhergegangen.

Kommentar

Die Politik kümmert sich zu oft um die Falschen

Sebastian Matthes

Nach Handelsblatt-Informationen wollen Bund und Land keinen Einfluss auf unternehmerische Entscheidungen nehmen, da beide mit dem Sanierungsplan einverstanden sind.

Im Zuge der Sanierung soll es auch neue Vereinbarungen mit den Kunden geben. Bei künftigen Aufträgen werde die Finanzierung verbessert und die notwendigen Garantien würden reduziert. So steht es in einer internen Präsentation der Werftengruppe, die dem Handelsblatt vorliegt. „Die Käufer der Kreuzfahrtschiffe, Aida und Co., müssen auch mal verstehen, dass sie den Herstellern Margen erlauben müssen, sonst baut ihnen die Schiffe bald keiner mehr“, sagte ein Regierungsinsider.

Meyer Werft in der Krise

Bis zum 15. September mussten die Beteiligten eine Lösung finden, ansonsten wäre die Meyer Werft nicht mehr zu retten gewesen. Bei Zustimmung des Haushaltsauschusses könne man diese Frist einhalten, heißt es.

Dem Unternehmen fehlt für den Bau von Kreuzfahrtschiffen – das wichtigste Geschäft – die nötige Finanzierung über Kreditlinien. Erst bei Übergabe eines Schiffes werden 80 Prozent des Kaufpreises beglichen. Der kann bei 1,5 Milliarden Euro und mehr liegen. So ist das 229 Jahre alte Familienunternehmen in eine bedrohlichere Situation geraten als je zuvor.

Bis 2019 halfen hier die Anzahlungen für die neuen Bestellungen. Doch die blieben wegen der Pandemie zunächst aus. So wuchs die Finanzierungslücke auf 2,6 Milliarden Euro, die jetzt mit Krediten geschlossen wird.

Zu der Gruppe gehört neben dem Stammwerk in Papenburg auch die Neptunwerft in Rostock-Warnemünde. Die Werft ist ein Familienunternehmen in sechster Generation mit 3800 Beschäftigten in Deutschland und damit rund 23 Prozent aller deutschen Werftbeschäftigten. Weil von einer Insolvenz auch die Zulieferer der Werft betroffen gewesen wären, hätten bis zu 6000 Arbeitsplätze verloren gehen können, hieß es in Berlin.

Arbeit an einem Kreuzfahrtschiff bei der Meyer Werft in Papenburg: DIe Corona-Pandemie hatte die Nachfrage einbrechen lassen. Foto: dpa

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) war Ende August nach Papenburg gereist. „Die Meyer Werft ist ein Trumpf, den wir nicht aufgeben dürfen und den wir nicht aufgeben werden“, hatte er vor der Belegschaft erklärt.

In der Bundesregierung hat die Werft vor allem energie- und industriepolitisch einen hohen Stellenwert. So ist die Gruppe mit Neptun Smulders in das Geschäft mit Konverterplattformen eingestiegen. Diese sind maßgeblich für die enormen Ausbaupläne der Bundesregierung für Offshore-Windenergie. Die Plattformen machen den auf dem Meer erzeugten Strom transportfähig.

Meyer Senior hat den Plänen offenbar zugestimmt

Mittlerweile soll auch Seniorchef Bernhard Meyer den Plänen zugestimmt haben – schweren Herzens. Er behält circa 19 Prozent an der Werft. Der Familie Meyer wird ein Rückkaufsrecht eingeräumt. Bund und Land können ab Anfang 2027 ihre Beteiligung an der Werft veräußern.

Doch ein Rückkauf ist an Bedingungen geknüpft. Zum einen erwartet die öffentliche Hand eine auskömmliche Verzinsung ihres Engagements. Ähnliche Vereinbarungen gab es bei der Rettung von Lufthansa oder Tui in der Pandemie. In beiden Fällen hat sich die Staatshilfe für den Steuerzahler gelohnt.

Schwieriger dürfte für die Familie Meyer eine andere Bedingung sein. Sie muss die Bürgschaften ablösen oder zumindest um 400 Millionen Euro reduzieren – ein finanzieller Kraftakt, bei dem wahrscheinlich externe Partner eingebunden werden müssen. Gelingt das nicht, wird es für die Meyers richtig bitter: Es ist vorgesehen, dass die Familie ihre Restanteile mit verkaufen muss, wenn Bund und Land einen externen Investor finden.

Der Rettungsplan war vor allem wegen der vielen Detailfragen kompliziert, etwa zum künftigen Verhältnis zur Tochtergesellschaft im finnischen Turku.

Verwandte Themen
Schifffahrt
Deutschland

Durch den Einstieg der öffentlichen Hand entsteht eine spezielle Situation: Die Werft in Papenburg gehört dann mehrheitlich Bund und Land, die in Turku der Familie Meyer. Kartellrechtlich handelt es sich damit um konkurrierende Unternehmen, die im Grunde nur zeitlich begrenzt zusammenarbeiten dürften.

In der Präsentation war eine „europäische Holding als Option“ genannt worden. Demnach würden die Werften in Papenburg und Turku unter einem Dach zusammengefasst. Auch wird dort eine sogenannte Non-Compete-Regelung erwähnt, also ein Wettbewerbsverbot, die die weitere Zusammenarbeit regelt. Im finalen Rettungsplan hat sich das Unternehmen mit Bund und Land nun genau auf dieses Vorgehen verständigt, heißt es aus Regierungskreisen.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt