Lebensmittel-Lieferdienste: Wie Lebensmittel superschnell aus dem Supermarkt nach Hause kommen
Der Lieferdienst hebt sich mit seinem Versprechen ab, schneller als die Konkurrenz zu sein.
Foto: GorillasHamburg. Zugegeben, die Idee stammt nicht aus Deutschland. Die schnelle Lieferung von online bestellten Supermarktartikeln in weniger als einer halben Stunde ist in China schon lange Standard. Doch bei der Verbreitung in Europa und darüber hinaus könnten deutsche Anbieter vorn dabei sein. Innerhalb weniger Monate haben die Neugründungen Gorillas und Flink in etlichen europäischen Städten kleine Lager angemietet, um per Elektrorad die unmittelbare Nachbarschaft zu beliefern.
Investoren glauben an die wirtschaftliche Perspektive: So schnell wie Gorillas hat noch kein anderes europäisches Start-up die Bewertung von einer Milliarde Dollar erreicht, den sogenannten Einhorn-Status. 245 Millionen Euro sammelte der türkischstämmige Gründer Kagan Sümer in der jüngsten Runde vor wenigen Wochen bei internationalen Investoren ein.
Deutschland wird zu einem Schauplatz der verschiedenen E-Commerce-Konzepte für die Lebensmittel aus dem Netz. Während Flink und Gorillas die Kunden mit Blitzesschnelle begeistern wollen, versuchen andere Konzepte, die Kosten im Griff zu halten. Allen voran ist dabei der von Edeka unterstützte niederländische Anbieter Picnic, der Westdeutschland zu seinem Testfeld erkoren hat. Die Lieferwagen des Anbieters fahren wöchentlich feste Routen. Vorbild ist der Milchmann vergangener Tage.
Das Konzept stieß vor allem bei E-Commerce-Experten wegen seiner Wirtschaftlichkeit auf Zuspruch – könnte aber Kunden an die flexiblere Konkurrenz verlieren. Im zeitlichen Mittelfeld positioniert sich ein Anbieter, der in München startet, perspektivisch aber an die Frankfurter Börse drängt: Rohlik aus Prag. Unter der Marke Knuspr liefert er innerhalb von drei Stunden – oder auf Vorbestellung. Damit will er eher den lukrativen Familieneinkauf abdecken als die Chipslieferung für den Fernsehabend.
Dazu kommen viele kleine Anbieter, die regional unterwegs sind – oder spezielle Angebote abdecken. Einer von ihnen ist der Hamburger Anbieter Frischepost, der ein digitaler Hofladen sein will – also vor allem regionale Frischeprodukte im Sortiment hat.
Systemoptimierung im laufenden Betrieb
Gemeinsam haben alle Konzepte: Die Innovation liegt nicht in einer völlig neuen Technologie. Vielmehr geht es darum, vorhandene Technik von Shopping-App über Routenplanung bis hin zum idealen E-Bike so zu kombinieren, dass operative Exzellenz entsteht. Dafür optimieren die Anbieter ihr System im laufenden Betrieb.