Gefahr in den Bilanzen: Das 70-Billionen-Risiko: Wie Schulden die Weltwirtschaft gefährden
Alle Lehren aus der Finanzkrise scheinen vergessen.
Foto: Luca D‘Urbino- Viele Staaten und Unternehmen nutzen derzeit die Niedrigzinsen, um günstig an Fremdkapital zu kommen. Dadurch ist der Wert der Schulden auf der ganzen Welt enorm gestiegen: Bis Jahresende werden die Verbindlichkeiten auf den neuen Rekordwert von 255 Billionen Dollar steigen.
- Immer mehr Konzerne nehmen Kredite auf, um eigene Aktien zurückzukaufen. Auch deutsche Firmen mischen mit. Dabei sollten sie eigentlich gewarnt sein.
- Der renommierte Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff spricht im Interview mit dem Handelsblatt über die Risiken von globaler Verschuldung und Handelskriegen und darüber, wie realistisch die Wiederwahl Donald Trumps ist.
- Kaufen und halten gilt bei Firmenbonds als eine bewährte Strategie. In Zeiten der weltweiten Niedrigzinsen gilt diese Faustregel jedoch nicht mehr.
Düsseldorf. Der Hohepriester des Schuldenmachens erscheint zum Interview mit einem dicken Stapel ausgedruckter Präsentationen unter dem Arm. „Die hier habe ich im April bei der Europäischen Zentralbank vorgetragen“, sagt Richard Koo zu einem 50-Seiten-Konvolut aus Grafiken und steilen Thesen. „Sie können die Präsentation gern behalten.“
Dem Chef des Research Institute der japanischen Investmentbank Nomura fehlt es nicht an Sendungsbewusstsein. Vor allem nicht, wenn es um sein Lieblingsthema geht: das Loblied auf das Leben auf Pump. Die überlieferten Vorstellungen der Volkswirtschaft zählten nicht mehr, sagt der ehemalige US-Notenbanker. Selbst für Japan, den mit fast 240 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung am höchsten verschuldeten Industriestaat der Welt, fordert er weitere kreditfinanzierte Konjunkturprogramme.
Erst in der vergangenen Woche kündigte Japans Ministerpräsident Shinzo Abe an, weitere 110 Milliarden Euro in die Wirtschaft injizieren zu wollen. Zu Recht, meint Koo: „Die japanische Regierung hat es verstanden.“ In entwickelten Ländern sei die Kapitalrendite schlicht niedriger als in Schwellenländern.