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Alexander Zosel Der Volocopter-Erfinder sammelt weitere Millionen ein

Mit seinem Halfpipe-Kumpel Stephan Wolf gründete der Ettlinger vor neun Jahren eine Flugtaxi-Firma, die jetzt sogar Japan Airlines und die Bahn-Tochter Schenker als Geldgeber anlockte.
23.02.2020 - 20:09 Uhr Kommentieren
Das Fluggerät mit seiner Vielzahl an Rotoren lässt sich deutlich leichter steuern als ein konventioneller Hubschrauber. Jetzt soll es einen Volocopter für Fracht geben – die „Volo-Drone“. Quelle: Volocopter
Volocopter

Das Fluggerät mit seiner Vielzahl an Rotoren lässt sich deutlich leichter steuern als ein konventioneller Hubschrauber. Jetzt soll es einen Volocopter für Fracht geben – die „Volo-Drone“.

(Foto: Volocopter)

Düsseldorf Als 15-jähriger Schüler konstruierte er im Schrebergarten des Vaters eine Halfpipe, das Bauingenieursstudium finanzierte er mit einem eigenen Cocktail-Party-Service, 1998 gründete der passionierte DJ in Karlsruhe die Diskothek „Unterhaus“, und auch der Basketballklub der badischen Metropole geht zurück auf die Initiative Alexander Zosels. An die wilde Zeit erinnert noch heute ein großflächiges Tattoo, das dem 54-Jährigen vom Hals bis über den rechten Ellbogen reicht.

Dass es der Igelschnitt-Träger mit seinem Gründer-Gen einmal zum Multimillionär bringen würde, schien damals kaum absehbar. Dabei darf sich der gebürtige Ettlinger seit der Nacht zum Freitag als Großgesellschafter eines Start-ups bezeichnen, das binnen kürzester Zeit 122 Millionen Euro in der ersten Liga internationaler Konzerne einsammelte – darunter Daimler, Intel und der chinesische Autokonzern Geely.

Was unter ihnen wohl kaum einer ahnte: Die Firmenidee, auf der seine inzwischen üppig dotierte Konstruktionsfirma Volocopter basiert, stammte ursprünglich vom damals sechsjährigen Sohn seines Kompagnons Stephan Wolf. Wolf, der sich in den 70er-Jahren auf Zosels Halfpipe mit Rollschuhen versucht hatte, kaufte vor zehn Jahren seinem Filius eine Spielzeugdrohne und stellte rasch fest, dass sie buchstäblich kinderleicht zu bedienen war. Durch die Vielzahl von Rotoren, erkannte der heute 51-jährige Vater, ließ sich das Fluggerät weitaus einfacher steuern als ein üblicher Helikopter, der mit einer sogenannten Taumelscheibe manövriert.

Ein Anruf und eine halbe Stunde Bedenkzeit beim einstigen Skateboard-Kumpel Zosel reichten, um den Tausendsassa aus früheren Tagen zur gemeinsamen Firmengründung zu bewegen. Seither lassen die beiden ihre mit 18 Rotoren bestückten Flugtaxis über Städten wie Dubai, Helsinki, Singapur und über dem eigenen Firmensitz im badischen Bruchsal kreisen – und sammeln nebenbei Geld bei etlichen Konzernen und Risikokapitalgebern ein. In den vorherigen beiden Finanzierungsrunden kamen bereits 35 Millionen Euro zusammen, darunter auch vom Seriengründer Lukasz Gadowski. Den größten Firmenanteil halten die beiden Gründer bis heute selbst.

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    In der Nacht zum Freitag folgte der endgültige Ritterschlag: Weitere 87 Millionen Euro stellen nun unter anderem die Bahn-Speditionstochter DB Schenker, die japanische Versicherungsgruppe Mitsui Sumitomo und eine Venture-Capital-Tochter von Japan Airlines zur Verfügung.

    Prominenter Aufsichtsrat

    Ausschlaggebend für den Einstieg Schenkers sind Pläne des badischen Unternehmens, neben seinen elektrisch betriebenen – teilweise autonom fliegenden – Personenhubschraubern künftig Frachtdrohnen zu produzieren. Im Oktober 2019 stellte Volocopter ein erstes Modell dieser Art der Öffentlichkeit vor. Die Schwerlastdrohne, die künftig unter dem Namen „Volo-Drone“ produziert wird, soll in der Logistik, der Landwirtschaft und der öffentlichen Versorgung eingesetzt werden.

    Schenker-Vorstandschef Jochen Thewes setzt in das Engagement hohe Erwartungen. „Mit der Integration der Volo-Drone in unsere zukünftigen Lieferketten können wir den Wunsch unserer Kunden nach schneller, emissionsneutraler Auslieferung auch an schlecht erreichbaren Orten bedienen“, sagt er.

    Parallel zum finanziellen Einstieg sicherte sich der Schenker-Chef eine Mitsprache bei Volocopter. So erhält der 48-Jährige einen Sitz im Advisory Board, dem Aufsichtsrat des Unternehmens. Einzug in das Gremium halten nun außerdem Ex-Daimler-Chef Dieter Zetsche und Geely-Finanzvorstand Yifan „Frank“ Li.

    Mit ihrer Beteiligung wird die Bahn-Tochter erneut zur Vorreiterin in Sachen Verkehrstechnologie. Vergangenen Sommer brachte DB Schenker in Schweden bereits einen autonom fahrenden Lastwagen auf die Straße, der als erster weltweit eine Verkehrszulassung erhielt.

    Das frische Geld, das Volocopter nun in der sogenannten „C-Series“ zufließt, soll unter anderem genutzt werden, um eine zweite Generation der Volo-Drone zur Marktreife zu führen. Zudem will das Unternehmen weitere Branchenexperten einstellen, um die Expansion voranzutreiben. Sogar einen Börsengang wolle man vorbereiten, kündigte Aufsichtsratschef Stefan Klocke nach der Finanzierungsrunde an.

    Mehr: Flugtaxi-Entwickler haben große Pläne – doch die Zweifel wachsen.

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