Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Anya Schmidt Warum die ehemalige Outbank-Chefin jetzt Food-Bloggerin ist

Ihren Job bei einem Finanz-Start-up hat Anya Schmidt gekündigt, um sich ganz den Themen Kochen und Ernährung zu widmen. Nun baut sie ihr eigenes Unternehmen auf.
27.12.2019 - 04:03 Uhr Kommentieren
Die Food-Bloggerin bezeichnet sich als „Stehaufmännchen“. Quelle: Outbank
Anya Schmidt

Die Food-Bloggerin bezeichnet sich als „Stehaufmännchen“.

(Foto: Outbank)

Frankfurt Alles begann mit einer „Challenge“, einer persönlichen Herausforderung. Anya Schmidt, wollte sich in ihrer Freizeit mit etwas Kreativem beschäftigen, bei dem sie täglich ein Ergebnis sieht und – das war ihm am wichtigsten – einfach Spaß hat. Das war im April 2018. Damals fing sie an zu kochen, das Essen zu fotografieren und die Bilder auf der Foto-App Instagram einzustellen. Heute hat sie unter dem Namen „Tegernsee_Kitchen“ bei dem sozialen Netzwerk mehr als 14.500 Abonnenten, und aus der Freizeitbeschäftigung entwickelt sich gerade ein neues Unternehmen.

Ihren Job beim Finanz-Start-up Outbank hat die 45-Jährige längst gekündigt und das Unternehmen bereits Ende Juli verlassen. Die Münchener Firma bietet eine Finanz-App, mit der Nutzer ihre verschiedenen Bankkonten auf einen Blick verwalten können. Angefangen hatte Schmidt dort Mitte 2016 als freie Mitarbeiterin, ein Jahr später wurde sie Geschäftsführerin.

„Als ich zu Outbank kam, war das Unternehmen in einer schwierigen Phase“, erläutert sie. „Meine Rolle wurde es, das Ruder herumzureißen, das Geschäftsmodell anzupassen und neue Investoren zu finden, aber es war zu spät.“ Das Unternehmen musste Insolvenz anmelden und wurde Ende 2017 von der Vergleichsplattform Verivox gekauft.

Als Scheitern sieht Schmidt das nicht. „Letztlich habe ich die Erfahrung als Erfolg verbucht, weil wir das Unternehmen gut verkauft und Team und Produkt erhalten haben“, sagt sie. Auch nach Ansicht von Fintech-Experte Maik Klotz hat Schmidt Outbank „maßgeblich vorangetrieben, da sie die Kunden in den Fokus gestellt hat“. Dabei habe sie „viel Herzblut“ in das Unternehmen gesteckt.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Dass es am Ende nicht gereicht hat, sei nicht ihr anzulasten. Das bestätigt auch Melanie Goel, eine ehemalige Mitarbeiterin von Schmidt: „Sie war eine gute Mentorin, hat ihr Wissen geteilt und selbst hart gearbeitet, statt nur zu delegieren.“ Sowohl Klotz als auch Goel beschreiben Schmidt als sehr offenen und sympathischen Menschen.

    Anya Schmidt selbst bezeichnet sich auch als „Stehaufmännchen“. Sie habe ihren Kopf nie lange in den Sand gesteckt. Dabei hätte es dafür in den vergangenen anderthalb Jahren durchaus Gründe gegeben. Anfang dieses Jahres erlitt sie einen Bandscheibenvorfall. „Schon vorher hatte ich lange Rückenschmerzen und Schlafstörungen, insgesamt so etwas wie einen Burn-out“, sagt sie. Die Taktung in der Start-up-Branche ist hoch, „und ich bin ein Mensch, der sich voll reinhängt“. Ihren Körper habe sie lange Zeit „wegpriorisiert“, dafür habe sie dann „gesundheitlich die Quittung bekommen“.

    Sprung in die Start-up-Welt

    Solche Gedanken teilt sie auch mit ihren Anhängern auf Instagram – und bekommt dafür viel Zuspruch und Anerkennung. „Es ist inspirierend und einfach schön, dass du uns auf deinen Weg mitnimmst“, schreibt eine. „Schön, dass wir uns hier kennen gelernt haben“, meinen andere. Auch über Fotos, die sie mit ihrem Mann oder ihrem Sohn zeigen, gibt sie Persönliches von sich preis.

    Die Tochter eines deutschen Diplomaten und einer Schottin ist in New York geboren und wuchs in den USA und Kenia auf. Nachdem sie Lebensmitteltechnologie und Volkswirtschaftslehre studiert hatte, begann sie ihre Karriere 2003 als Regionalleiterin bei Aldi und arbeitete danach anderthalb Jahre in der lokalen Wirtschaftsförderung in Ghana.

    Zurück in Deutschland, folgte der Sprung in die Start-up-Welt. „Frank Thelen suchte in seinem damaligen Start-up IP Labs jemanden, der das Team dabei unterstützt, international zu expandieren“, berichtet Schmidt. Den Tech-Investor kenne sie schon lange über gemeinsame Freunde. Bei IP Labs habe sie ihre „Begeisterung und Fähigkeiten dafür entdeckt, im Unternehmensaufbau mitzuwirken – möglichst mit flachen Hierarchien und viel Handlungsspielraum“.

    Es folgten Stationen bei der Tierfutterplattform Futterland, die sie bei der Fusion mit Zoo Royal begleitete, dem Onlinehändler Amazon und dem Kreditmarktplatz Lendico. Zu Outbank gelangte sie wieder über Thelen, der in die Firma investiert hatte. Nach der Übernahme durch Verivox blieb sie als „Chief Mobile Officer“ für das Outbank-Produkt und das Outbank-Team zuständig.

    Doch Aufgaben und Verantwortung wurden weniger, und damit verlor der Job schon einen Teil seines Reizes. Gekündigt habe sie aber erst nach ihrem Bandscheibenvorfall. Im Frühjahr dann bekam ihr vierjähriger Sohn die Diagnose Diabetes Typ I. „Das hat mich darin bestärkt, meinen eigenen Weg zu gehen“, sagt sie.

    Auf diesem Weg macht sie nun bereits große Schritte. Seit September ist ihre Internetseite Tegernsee Kitchen online. Dort veröffentlicht sie ihre neuesten Rezepte – wie etwa ihre aktuellen Lieblingsgerichte „Cremiges Pilzrisotto“ oder die „Tegernseer Poke Bowl“. Sie berichtet von ihren Besuchen bei Lebensmittelproduzenten am Tegernsee, Ausflugszielen rund um das Gewässer und Kochkursen bei lokalen Sterneköchen wie Thomas Kellermann.

    Kochbuch vor dem Osterfest

    Geld verdient sie mit ihrem Unternehmen nach eigener Aussage auch schon, indem sie auf der Website lokale Produkte wie Geschirr und Stoffwaren weiterverkauft oder für andere Unternehmen „Koch-Content“ in Form von Fotos selbst gekochter Gerichte anfertigt.

    Mit gesunder Küche sowie dem Fokus auf regionalen Produkten und Berichten rund um ihre idyllische Wahlheimat, das Tegernseer Tal, liegt sie im Trend. Nicht von ungefähr zählt auch das Magazin „Landlust“ mit einer Auflage in Höhe von rund 780.000 Exemplaren zu den zehn größten Zeitschriften in Deutschland, und im Fernsehen boomen Kochsendungen geradezu.

    Noch vor dem nächsten Osterfest möchte sie ein Kochbuch herausbringen. Und ab Januar hat sie sich für den Bachelorstudiengang Ernährungswissenschaft an der Fernuniversität IUBH eingeschrieben.

    Der Grund: Im Laufe des kommenden Jahres möchte sie eine digitale Plattform für Ernährungsberatung anbieten. „Dort sollen die Nutzer einen sechs- bis achtwöchigen Kurs machen können, ihre Essgewohnheiten verstehen, langsam ändern und auch an mehr Bewegung und Ruhephasen herangeführt werden.“ Auch ohne Fachabschluss könnte sie das anbieten. Aber mit offizieller Qualifizierung würden solche Kurse auch von der Krankenversicherung bezuschusst. „Anya ist eine gute Strategin, die genau weiß, was auf ein Ziel einzahlt“, beschreibt Goel ihre ehemalige Chefin.

    Zudem plant Schmidt eine Stiftung, die Kindern und Jugendlichen eine Grundbildung in Sachen gesunde Ernährung bietet. Ob bei alldem noch Zeit für die eigene Gesundheit bleibt? „Im Gegensatz zu früher nehme ich mir heute mehr Zeit für mich“, sagt sie. Das Alpenpanorama vor der Haustür lade zu Spaziergängen und Wanderungen ein – und vor allem ihre Ernährung sei nun ausgewogener denn je.

    Mehr: Sechs Jahre war Frank Thelen einer der wichtigsten TV-Investoren – ein Löwe. Im Handelsblatt-Podcast Disrupt berichtet er, auf welche Deals er sich nun konzentrieren will.

    Startseite
    Mehr zu: Anya Schmidt - Warum die ehemalige Outbank-Chefin jetzt Food-Bloggerin ist
    0 Kommentare zu "Anya Schmidt: Warum die ehemalige Outbank-Chefin jetzt Food-Bloggerin ist"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%