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Bastian Behrens Blackwave fühlt sich in der Carbon-Nische wohl – und ist dabei auch erfolgreich

Der Carbon-Hype ist vorüber, der Werkstoff verharrt in einer Nische. Dennoch gelingt dem Gründer von Blackwave eine millionenschwere Finanzierungsrunde.
29.03.2020 - 15:10 Uhr Kommentieren
Der Blackwave-Gründer arbeitet seit Vorstudendenzeiten mit dem Werkstoff Carbon. Quelle: Blackwave
Bastian Behrens

Der Blackwave-Gründer arbeitet seit Vorstudendenzeiten mit dem Werkstoff Carbon.

(Foto: Blackwave)

München Der Werkstoff Carbon hat Bastian Behrens schon früh fasziniert. Der Jungunternehmer laminierte schon während seines Grundwehrdiensts die Verkleidung seiner Ducati mit Carbon. Dabei nutzte er das eher altertümliche und aufwendige Verfahren mit Harz und Pinsel.

Günstig war das nicht, die Laminatmatten kosteten viel Geld. Als er beim Luft- und Raumfahrtstudium von der Formula Student erfuhr, stellte er begeistert fest: „An der Uni ist alles Werkzeug und Material da, und ich muss nicht einmal mein Taschengeld ausgeben.“

Jahrelang machte er bei dem Konstruktionswettbewerb für Studenten mit. Der Rennwagen war erfolgreich auf Rennstrecken wie Hockenheim und Silverstone unterwegs, das Team (TUfast) arbeitete sich bis auf Platz drei der Weltrangliste hoch.

Wichtiger noch: Gemeinsam mit Raphael Setz gründete er das Start-up Blackwave. Im vergangenen Jahr lieferte das Unternehmen aus Taufkirchen erstmals 8000 Zierleisten und Abdeckungen aus Carbon für den Porsche Speedster, für 2019 werden erstmals laut Branchenkreisen siebenstellige Umsätze erwartet.

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    Für die weitere Expansion steht nun auch frisches Kapital zur Verfügung. Blackwave gelang die erste Finanzierungsrunde im siebenstelligen Bereich. Mit dabei sind der Unternehmer Rudolf Schwarz (IABG) sowie Business-Angel Katja Ruhnke.

    Mit dem Erlös will Blackwave unter anderem größere Maschinen kaufen und die Produktion weiter automatisieren. Aktuell stehe das Unternehmen an der Schwelle zur Profitabilität.

    Carbon galt zeitweise als eine Art Zauberstoff. BMW setzte es intensiv beim Elektroauto i3 ein, Susanne Klatten stieg im großen Stil bei SGL Carbon ein. Inzwischen hat sich die Euphorie gelegt.

    Zu teuer für das Massengeschäft

    „Das Material ist für den Einsatz als Strukturteil im Massengeschäft immer noch zu teuer“, sagte Andreas Jentzsch, Partner und Automobilexperte bei der Beratung BCG dem Handelsblatt. Es kämen eher Mixkonstruktionen aus hochfestem Stahl und Aluminium zum Einsatz. Der Carbonboom der letzten Zeit sei eher vom Luxussegment ausgegangen, vor allem für Struktur- und Dekorteile.

    Blackwave-Gründer Behrens sieht das gar nicht anders. „Der große Hype hatte seinen Höhepunkt 2013. Uns war aber schon als Studenten klar, dass sich viele Hoffnungen nicht erfüllen.“ Die Rohstoffkosten seien bei Carbon noch immer fast zehnmal so hoch wie bei Plastik und Aluminium.

    Selbst wenn es da Fortschritte gäbe, wären konventionelle Werkstoffe bei Standardteilen noch lange Zeit deutlich billiger. Zudem werde das Thema Gewicht bei Elektrofahrzeugen überschätzt. Durch die Rekuperation ist bei Elektroautos das höhere Gewicht ein geringeres Problem als bei konventionellen Fahrzeugen.

    Für Blackwave muss das aber nichts Schlechtes heißen. Das Team setzt auf ein günstiges, effizientes Verfahren, mit dem auch komplexeste Bauteile hergestellt werden können: das sogenannte SMC-Verfahren (Sheet Moulding Compund), das mit kürzeren Faserschnipseln und hohem Druck arbeitet.

    Die dabei hergestellten Teile sind zwar zuweilen einen Tick schwerer, doch lassen sich komplexere Bauteile zu niedrigeren Preisen mit höherer Automatisierung produzieren, die von Hand nicht möglich wären. Vor allem mit den Carbon-SMC-Felgen sorgte das Formula-Student-Team unter anderem bei SpaceX für Aufsehen.

    Carbon sei heute daher wieder da, wo man angefangen habe, sagt Behrens: im Highend-Bereich. „Es wird eine Nische bleiben.“ Er glaube nicht, dass es einmal so wirtschaftlich sein werde, dass Blackwave zum Beispiel für den Serien-3er-BMW zuliefere.

    Fokus auf Luft- und Raumfahrt

    Bei kleineren Stückzahlen von Edelkarossen könne Carbon seine Vorteile voll ausspielen, weil hier oft Blechteile nicht wirtschaftlich seien und man den Leichtbauvorteil noch obendrauf bekomme. Blackwave fühle sich in der Nische wohl und sei mit seinen Fähigkeiten bei kleinen Teilen derzeit allein am Markt. „Wir sind wirklich gut in dem, was wir machen.“

    Doch will Blackwave den Autoanteil in den kommenden Jahren unter 50 Prozent verringern und vor allem das Geschäft mit der Luft- und Raumfahrt weiter ausbauen. Behrens und Setz hatten ab 2012 bereits in einem Innovationsteam von Airbus geforscht. Da damals das SMC-Verfahren noch nicht am Markt etabliert war, machten sich die beiden 2016 mithilfe des öffentlichen Exist-Programms selbstständig.

    2017 gelang die erste Seed-Finanzierung, mit dabei Ex-Schaeffler-CFO Thomas Hetmann, die ATU-Ungers und Ceravis, das zur Hirschvogel-Gruppe gehört. Laut Branchenschätzungen dürften sie dabei knapp eine Million Euro eingesammelt haben.

    In diesem Jahr soll nun Space bereits auf einen Umsatzanteil von 35 Prozent kommen. Auch für Fahrräder liefert Blackwave Teile. Gerade Rennradler sind bereit, für Carbon-Teile vergleichsweise viel Geld zu zahlen, auch wenn diese ihr Gefährt nur ein paar Gramm leichter machen. Gerade produziert Blackwave Bremshebel aus Carbon. Zudem entwickelt das Start-up Produkte für die Medizintechnik.

    Bei der jüngsten Finanzierungsrunde hat im Hintergrund das Investoren-Netzwerk BayStartup geholfen. „Blackwave ist ein schönes Beispiel dafür, dass Deep Tech und Hardware-Themen gut finanzierbar sind, wenn sie die entsprechende technologische Alleinstellung haben“, sagt BayStartup-Geschäftsführer Carsten Rudolph.

    Mehr: Neuer Werkstoff – Kommen bald Autos aus Papier?

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