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Carsten CoesfeldMohn-Enkel rückt in Bertelsmann-Vorstand auf

Carsten Coesfeld soll für den Gütersloher Medienriesen neue Geschäftsfelder erschließen. Der 36-Jährige könnte auch zu noch Höherem berufen sein.Michael Scheppe 09.11.2023 - 10:02 Uhr Artikel anhören

Carsten Coesfeld zieht in den Vorstand von Bertelsmann ein.

Foto: Bertelsmann

Düsseldorf. Carsten Coesfeld macht bei Bertelsmann den nächsten Karriereschritt. Der Aufsichtsrat hat den 36-Jährigen zum Jahreswechsel in den Vorstand des Medienkonzerns berufen, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Coesfeld wird das neu geschaffene Vorstandsressort Investments und Financial Solutions verantworten.

Zu Bertelsmann zählen unter anderem die TV-Gruppe RTL, der weltgrößte Publikumsverlag Penguin Random House, der Dienstleister Arvato und das weltweit viertgrößte Musikgeschäft BMG. Im vergangenen Jahr erzielte der Konzern einen Rekordumsatz von 20,2 Milliarden Euro bei einem operativen Ergebnis (Ebitda) von 3,2 Milliarden Euro.

Coesfeld ist bei Bertelsmann nicht irgendein Manager. Er ist ein Enkel des 2009 verstorbenen Firmenpatriarchen Reinhard Mohn. Unter diesem hatte sich Bertelsmann nach dem Zweiten Weltkrieg durch Zukäufe und Beteiligungen von einem mittelständischen Druck- und Verlagshaus zu einem international tätigen Medienkonzern entwickelt. Coesfeld hat nun die Aufgabe, Bertelsmann in der Neuzeit ähnlich weiterzuentwickeln.

Carsten Coesfeld leitet Investmentsparte seit 2022

Mit Coesfeld ist erstmals seit vielen Jahren wieder ein Mitglied der Inhaberfamilie im Konzernvorstand. Er gehört zur siebten Generation der Bertelsmann-Dynastie. Weil er einen anderen Nachnamen trägt, weiß selbst im Konzern nicht jeder, dass er Teil des Mohn-Clans ist.

Im Juni 2022 stieg Coesfeld zum Spartenchef von Bertelsmann Investments (BI) auf, dem globalen Wagniskapitalarm des Konzerns. Dort ist auch der Bereich Bertelsmann Next angesiedelt, mit dem Coesfeld neue Geschäftsfelder für den Konzern erschließen soll.

Diese Aufgabe soll er auch künftig wahrnehmen. „Als Mitglied des Vorstands wird Carsten Coesfeld den Konzern in Zukunft ganzheitlich mitentwickeln“, sagte Bertelsmann-Aufsichtsratschef und Familiensprecher Christoph Mohn.

Zusätzlich übernimmt Coesfeld auch die Verantwortung auf Vorstandsebene für den Bertelsmann-Finanzdienstleister Riverty, der früher unter dem Namen Arvato Financial Solutions firmierte. Riverty bietet etwa Online-Bezahlmöglichkeiten für Kunden und hilft Händlern bei der Verwaltung von Rechnungen.

Mohn-Enkel gilt auch als Kandidat für den Chefposten

Coesfeld hat sich offenbar in den anderthalb Jahren als BI-Chef bewährt. In der Gütersloher Zentrale gilt er als ein möglicher Kandidat für die Konzernspitze. An derartigen Spekulationen wollte er sich Anfang des Jahres im Handelsblatt-Gespräch aber nicht beteiligen. „Ich schaue am liebsten, welche Aufgaben gerade für mich auf dem Tisch liegen“, sagte er damals.

Für den Auf- und Ausbau von Zukunftsgeschäften stellt Bertelsmann gerade viel Geld bereit. Der Konzern will die Abhängigkeit von seiner wichtigsten Tochter, der TV-Gruppe RTL, und dessen konjunkturell schwankendem Werbe- und Anzeigengeschäft reduzieren. Bertelsmann plant zwischen 2021 und 2026 mit Investitionen von fünf bis sieben Milliarden Euro. Bislang hat der Konzern 3,6 Milliarden Euro in die Hand genommen.

Carsten Coesfeld, Liz Mohn, Thomas Coesfeld (v. l.): Die Brüder zählten zur siebten Generation der Eigentümerfamilie.

Foto: Bertelsmann

Von dem Geld profitieren auch die Projekte von Coesfeld. In diesem Jahr hat er vor allem in den USA mehrere Zukäufe und Beteiligungen im Bereich digitaler Gesundheitsanwendungen getätigt. Bertelsmann rechnet in diesem Bereich mit einem jährlichen Marktwachstum von acht Prozent.

Ein großer Schmerzpunkt im Gesundheitswesen seien Verwaltungsaufgaben, erklärte Coesfeld damals im Handelsblatt. Bertelsmann will Ärzten und Krankenpflegern mit digitalen Angeboten etwa ermöglichen, schneller Termine zu vereinbaren, Operationssäle besser zu belegen oder Abrechnungen einfacher zu erledigen, um mehr Zeit für die Patienten zu haben.

Coesfeld hatte das Geschäft mit Krankenhausabrechnungen beim Bertelsmann-Dienstleister Arvato zwischen 2012 und 2015 neu aufgebaut. Konzernchef Thomas Rabe schlug er später Investitionen in den Bereich digitale Gesundheit vor. Rabe soll schnell überzeugt gewesen sein – und beförderte Coesfeld zum BI-Chef.

Vertrauter von Thomas Rabe

Rabe und Coesfeld gelten als Vertraute. 2011, mit Mitte 20, begann Coesfeld seine Tätigkeit bei Bertelsmann als Rabes Assistent in dessen Anfangszeit als CEO. Heute sagt der Konzernchef über Coesfeld: „Er kennt Bertelsmann in seinen vielen Facetten, hat mehrere Geschäfte zu Wachstum und Profitabilität geführt und stellt bei Bertelsmann Investments wichtige Weichen für die Zukunft des Unternehmens.“

2020 wurde Coesfeld Chef des Londoner Sachbuchverlags Dorling Kindersley. Diesen stellte er digitaler auf und sorgte für Rekordergebnisse.

In seiner Zeit als BI-Chef hat der Mohn-Enkel auch den Bereich Personalwesen ausgedehnt. Er übernahm im Sommer die Karriereplattform Studyflix. Diese gehört nun zur Bertelsmann-Firma Embrace, die etwa Marken wie die Recruiting-Plattform Ausbildung.de im Portfolio hat. „In seinen vielfältigen Führungsaufgaben hat er Geschäfte in unseren drei Säulen Medien, Dienstleistungen und Bildung vorangetrieben“, erklärte Aufsichtsratschef Mohn.

Carsten Coesfeld gilt als Vertrauter von Bertelsmann-Chef Thomas Rabe..

Foto: Bertelsmann

Vor seiner Zeit bei Bertelsmann arbeitete Coesfeld zwei Jahre bei der Investmentbank Goldman Sachs in London. Er studierte Betriebswirtschaftslehre an der privaten WHU-Universität und der London School of Economics. Das Handelsblatt zeichnete ihn 2022 als einen von 30 Top-Nachwuchsführungskräften der deutschen Wirtschaft aus.

Carsten Coesfelds drei Jahre jüngerer Bruder Thomas ist als Chef der Musiksparte BMG ebenfalls im operativen Geschäft von Bertelsmann tätig.

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Ihr Großvater Reinhard Mohn hatte sich einst skeptisch gegenüber Führungsrollen von Familienmitgliedern gezeigt. In seinem im Jahr 2000 erschienenen Buch schrieb er, dass Aufstiegsmöglichkeiten für Familienmitglieder „den in unserem Hause gültigen Regeln“ entsprechen müssen. So dürfte der Posten als Bereichsvorstand die nächste Bewährungsprobe für Coesfeld werden.

Er freue sich „auf die Chance, Neugeschäft unternehmerisch aufzubauen“, erklärte er nun. Coesfeld lebt in Gütersloh, ist verheiratet und hat eine Tochter. Mit seinem Einzug in den Vorstand besteht das Führungsgremium nun aus vier Personen – ausschließlich Männer. Neben Vorstandschef Rabe sind das Finanzchef Rolf Hellermann und Personalvorstand Immanuel Hermreck.

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