Cedrik Mayer-Klenk: Eine schwäbische Firma rüstet Deutschlands Privat-Pools aus – und strebt jetzt an die Spitze Europas
Mit Wärmepumpen, Solarthermie und Spezialabdeckungen werden Schwimmbäder energieautark.
Foto: CF Group BeneluxStuttgart. Die Schwimmbadbauer haben gut zu tun: Über 30 Grad im Schatten und dauerhaft steigende hohe Temperaturen in Deutschland sowie in ganz Mittel- und Südeuropa beflügeln das Geschäft. Auch die beiden Coronajahre, in denen viele Strandurlaube ausfielen, haben die Nachfrage nach großen Aufstellbecken im eigenen Garten kräftig steigen lassen.
Ein deutsches Familienunternehmen schickt sich dabei an, eine immer bedeutendere Rolle zu spielen. Die CF Group, der zweitgrößte Schwimmbecken-Ausrüster in Europa, übernimmt jetzt die niederländische Starline Group. Auf einen Schlag kommen zwölf Prozent Umsatz hinzu, teilte das in Wendlingen nahe Stuttgart ansässige Unternehmen mit.
„Zusammen mit Starline stoßen wir in eine neue Größenordnung vor“, sagte Cedrik Mayer-Klenk, CEO der CF Group. Der Mittelständler erwartet in diesem Jahr mehr als 400 Millionen Euro Umsatz.
Nur die spanische Fluidra-Gruppe ist mit über zwei Milliarden Euro Umsatz noch deutlich größer. Aber auch die Spanier sind erst durch Übernahmen so groß geworden. Die Branche befindet sich in einem Konzentrationsprozess.
Eindrucksvolle Wachstumsstory eines deutschen Familienunternehmens
„Starline ist eine geografische Erweiterung, und wir bekommen eine Technologie hinzu, die wir zuvor zukaufen mussten“, betont Mayer-Klenk. Mit Starline baut die CF Group ihre Position auf dem belgischen, niederländischen und britischen Markt aus.
Die im niederländischen Valkenswaard ansässige Gruppe mit acht Marken ist spezialisiert auf das Luxussegment. Sie entwickelt, entwirft, produziert und vertreibt seit1973 Privatschwimmbäder, Schwimmbadabdeckungen und verschiedene Produkte für die Schwimmbadtechnik. Mit mehr als 130 Mitarbeitern und fünf Produktionsstätten in den Niederlanden, Belgien und Großbritannien hat Starline 2021 einen Umsatz von fast 50 Millionen Euro erlöst.
Hinter der deutschen Wachstumsstory verbirgt sich eine nicht alltägliche Unternehmergeschichte: Cedrik Mayer-Klenk hat vor 25 Jahren das Unternehmen zurückgekauft, das sein Vater im Jahr 1989 verkauft hatte.
„Ich hatte schon als Schüler in der Firma gearbeitet und immer einen Bezug zum Unternehmen gehabt“, sagt Mayer-Klenk. Er studierte Technische Betriebswirtschaft, arbeitete zwei Jahre bei einem Berater, bis er 1997 ins Unternehmen einstieg, das damals einem familienfremden Unternehmer gehörte.
Der CEO der CF Group treibt das Wachstums des Unternehmens weiter an.
Foto: CF GroupKurz danach kam es zur Übernahme der Firma, die damals knapp sechs Millionen D-Mark Umsatz erwirtschaftete. Einfach war der Einstieg jedoch nicht: „Beim ersten Besuch beim damals größten Kunden ging es gleich zur Sache“, erinnert sich der heute 51-jährige Unternehmer. „Ihr Vorgänger hat uns über Jahre übervorteilt. Reduzieren Sie die Preise um 21 Prozent, oder Sie sind aus dem Geschäft“, fuhr es ihm entgegen.
Ehe er sich versah, hatte er den Großkunden und damit 15 Prozent seines Umsatzes verloren. Dabei brauchte er das Geld, um seine damals 14 Beschäftigten auch bezahlen zu können.
Aber es ging – damals noch unter dem Namen Chemoform – nach der schwierigen Anfangsphase langsam, aber stetig aufwärts.
Bankentochter mit an Bord
2019 hat Cedrik Mayer-Klenk das Tempo noch einmal deutlich erhöht. Der dank seiner französischen Mutter zweisprachig aufgewachsene Manager schloss sich mit dem französischen Familienunternehmen FIJA, einem Hersteller und B2B-Vertrieb von Pool-Ausrüstungen, zusammen. So entstand die CF Group, eines der führenden Unternehmen in dem Bereich sowie für Verbrauchsmaterialien zur Wasseraufbereitung.
Die Unternehmensgruppe ist heute in mehr als 40 Ländern mit 15 Marken und zwölf Produktions- und Logistikstandorten vertreten.
Für einen Mittelständler ging der CEO bei der Expansion eher ungewöhnlich vor. Bei 45 Prozent Eigenkapitalquote hätte er den Deal auch über Banken finanzieren können. „Aber das war mir zu riskant“, sagt der CF-Chef.
Er nahm lieber Crédit Mutuel Equity an Bord, Beteiligungstochter der Bankgruppe Crédit Mutuel Alliance Fédérale. „Crédit Mutuel Equity hat Eigenkapital, Marktkenntnis und professionelle Beratung bei M&A-Prozessen beigesteuert“, sagt Mayer-Klenk.
Jetzt ist der nächste Schritt in die Benelux-Staaten gefolgt – und es soll nicht der letzte Zukauf sein. Auch diesmal kommt Kapital von der französischen Direktbeteiligungsgesellschaft. „Seit unserem Einstieg vor knapp drei Jahren ist die CF Group organisch um rund 30 Prozent gewachsen und hat ihre Position in den Top drei der Schwimmbecken-Ausrüster in Europa deutlich gefestigt“, sagt Sébastien Neiss, Managing Director von Crédit Mutuel Equity in Deutschland.
Ungewöhnliche Anteilsvergabe
Diesen Weg will die Banktochter begleiten, die an 350 Unternehmen mit einem Gesamtkapitalvolumen von 3,8 Milliarden Euro beteiligt ist. Davon befinden sich zwar erst sieben Unternehmen in Deutschland, aber die Franzosen wollen das Deutschlandgeschäft „deutlich ausbauen“, wie Neiss betont.
Die Beteiligungsgesellschaft wird künftig zwölf Prozent an der CF Group halten. Den schnellen Euro wollen die Franzosen nicht machen, aber eben am Ende durch die Teilnahme am Unternehmenswachstum mehr verdienen, als wenn die Bank nur einen Kredit gegeben hätte.
„Als Investor, der ausschließlich Eigenkapital unserer Bankgruppe investiert, haben wir die Möglichkeit, unsere Portfoliounternehmen über beliebig lange Zeit zu begleiten und unser Investment mit dem Unternehmen mitwachsen zu lassen“, versichert Neiss.
Zwei Drittel der Anteile der CF Group hält weiterhin Mayer-Klenk. Weitere zehn Prozent gehören zwei privaten Investoren. Die restlichen elf Prozent hält Christoph Mayer-Klenk, der aber nicht im Unternehmen arbeitet: Der Bruder von Cedric Mayer-Klenk ist CEO von Sandmaster, einem Hersteller von Sandreinigungsmaschinen.
An Sandmaster ist wiederum Cedrik Mayer-Klenk mit einem Minderheitsanteil beteiligt. So sind die Unternehmen der beiden Brüder über Kreuz beteiligt. Aber jeder macht sein eigenes Geschäft.
Vorbereitung auf die Schattenseiten
Sosehr schönes Wetter und hohe Temperaturen die Pool-Nachfrage gerade auch anheizen, so stark wirft der fortschreitende Klimawandel seine Schattenseiten auf die Branche. Extrem gestiegene Energiepreise und Wassermangel in Südeuropa fordern ihren Tribut.
Sie könnten das Geschäft mit den Swimmingpools nicht nur bremsen, sondern sogar in Verruf bringen. CF-Chef Mayer-Klenk weiß um das Problem und will die Akzeptanz daher mit seinen Mitteln sichern.
„Wir entwickeln energieautarke Schwimmbäder mit Wärmepumpen, Solarthermie, Solarstrom und Spezialabdeckungen“, betont der CEO. Allerdings: In Südeuropa müssten bei Pools die Abdeckungen im Sommer nachts entfernt werden – damit das Wasser abkühlt.