Cheplapharm: „Im Alltag kämpfen wir weiter mit ausufernder Bürokratie“
Frankfurt. Cheplapharm ist das größte ostdeutsche Pharmaunternehmen. Firmenchef Sebastian Braun hat das Unternehmen im Alter von 23 Jahren erworben und aus der kleinen Firma in zwei Jahrzehnten einen Konzern mit Milliardenumsatz geformt. „Ich wollte immer etwas Eigenes aufbauen“, sagt Braun, der aus einer Unternehmerfamilie kommt.
In Greifswald ist Cheplapharm der größte industrielle Arbeitgeber und Gewerbesteuerzahler. Von der neuen Bundesregierung hätte sich der 45-jährige Firmeninhaber eine frühere und größere Absenkung der Körperschaftsteuer gewünscht.
„Wir müssen mit Wettbewerbern konkurrieren, die aus Steueroasen heraus agieren und eine Steuerbelastung von 15 Prozent haben. Das wäre meine Wunschgröße“, sagt er. Die fast doppelt so hohe Steuerlast in Deutschland sei ein echter Wettbewerbsnachteil, konstatiert Braun.
Cheplapharm wächst mit etablierten Medikamenten, die es von großen Pharmaunternehmen kauft, bei denen die patentfreien Mittel nicht mehr im Fokus stehen. Patienten in mehr als 145 Ländern weltweit werden damit versorgt. Unter anderem in den USA.
Die neuen Zolldrohungen von US-Präsident Trump beunruhigen den Firmenchef derzeit nicht besonders. Cheplapharm macht weniger als fünf Prozent seines Umsatzes in den USA. Die meisten Produkte dort werden vor Ort von Lohnherstellern produziert.
Für mehr als sechs Milliarden Euro hat das Unternehmen seit seiner Gründung Medikamente zugekauft und ist dabei so schnell gewachsen, dass Braun jetzt erst einmal eine Pause bei den Zukäufen einlegen will. „Wir mussten feststellen, dass unsere Systeme mit diesem Wachstum nicht mithalten konnten“, sagt er mit Blick in die jüngere Vergangenheit.
Für die Zukunft kann sich Braun einen neuen Anlauf für einen Börsengang vorstellen. Ursprünglich sollte der schon 2022 erfolgen, wurde aber wegen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine aufgegeben.