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Hanns-Peter Knaebel Röchling spürt die Folgen der Krise – vor allem in der Automobilsparte

Hanns-Peter Knaebel, Chef des Kunststoffspezialisten, stemmt sich gegen die Auswirkungen der Coronakrise. Der promovierte Mediziner sieht aber auch Chancen für Röchling.
19.05.2020 - 18:17 Uhr Kommentieren
Der Röchling-Chef betrachtet die Pandemie aus naturwissenschaftlicher Perspektive.
Hanns-Peter Knaebel

Der Röchling-Chef betrachtet die Pandemie aus naturwissenschaftlicher Perspektive.

Frankfurt Hanns-Peter Knaebel ist ein Manager, der Herausforderungen mit Ruhe und analytisch angeht. Doch an diesem Dienstag merkt man dem Chef des Familienunternehmens Röchling an, dass ihm die aktuelle Krise wirklich Sorgen bereitet. „Überall dort, wo es Hotspots in der Coronakrise gibt, sind auch wir mit der Fertigung aktiv“, sagt der Manager in der Mannheimer Zentrale via Videokonferenz zum abgelaufenen Geschäftsjahr.

Vielleicht ist es ja seine eigene „Historie“, die Knaebel dazu führt, die Zukunft eher zurückhaltend zu sehen. Der promovierter Mediziner hat mehrere Jahre als Oberarzt an der Heidelberger Universitätsklinik gearbeitet.

Vor seinem Wechsel zu Röchling war er zudem Chef von Aesculap, einer Firma aus dem Reich von B. Braun Melsungen. Knaebel betrachtet die Corona-Pandemie daher aus der naturwissenschaftlichen Perspektive: „Normalität wird es erst dann wieder geben, wenn der sogenannte Reproduktionsfaktor unter den Wert von 0,3 sinkt oder es einen Impfstoff gibt.“

Bis dahin heißt es, mit der Situation zu leben und die Folgen zu bewältigen – auch bei Röchling. Das Familienunternehmen ist ein Kunststoffspezialist, der Kunden in den Bereichen Automobil, Industrie und Medizin mit Komponenten und Produkten beliefert. Und wie bei vielen Unternehmen ist das Bild zweigeteilt. Im vergangenen Jahr konnte die Unternehmensgruppe ein Umsatzplus von fast zehn Prozent auf knapp 2,4 Milliarden Euro erwirtschaften.

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    Doch das hat sich mit Corona in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres komplett gedreht. Der Umsatz sank um 8,8 Prozent. Vor allem in der Automobilsparte spürt Röchling die Folgen der Krise. Schon 2019 herrschte hier eine Nachfrageschwäche. „Wir hatten Aufträge, die von den Kunden nicht abgerufen wurden“, so Knaebel. Das Wachstum fiel in der Sparte 2019 deshalb nur halb so stark aus wie geplant.

    2019 geht nahezu der gesamte Ergebnisrückgang auf Gruppenseite – das Ergebnis vor Ertragssteuern sank um 24 auf 81,9 Millionen Euro – auf das Konto des Geschäfts mit den Auto-Herstellern.
    Die Coronakrise hat die Situation weiter verschärft. Zwischenzeitlich wurden mehrere Werke kurzzeitig geschlossen. Im Mai werde die Produktion aber überall wieder anfahren, sagt Knaebel.

    Kunststoff-Spezialist aus einstiger Stahldynastie

    Gleichzeitig hat er der Automobilsparte, unabhängig von Corona, ein Restrukturierungsprogramm verordnet. In der regionalen Verantwortung, der Entwicklung und der Vermarktung wurden Einheiten zusammengelegt. Es gab auch ein freiwilliges Abfindungsprogramm, das etwa 100 Personen wahrgenommen haben. Ziel ist es, die Profitabilität zu steigern.

    Knaebel, 1968 in Stuttgart geboren, hat die Führung der Röchling-Gruppe Anfang 2018 übernommen. Es ist ein Unternehmen mit wechselvoller Geschichte. Aus der einstigen Stahldynastie wurde nach 2004 ein reiner Kunststoff-Spezialist.

    Für den will Knaebel neue Märkte finden – etwa im Medizinbereich, neben der Auto- und der Industriesparte die dritte und jüngste Säule des Unternehmens. Dass er selbst Mediziner ist, hat damit nichts zu tun. Es ist eine Strategie, die ganz im Sinne von Johannes Freiherr von Salmuth ist, dem Nachkommen des Firmengründers Friedrich Röchling, der seit 2011 Vorsitzender des Beirats ist.

    Knaebel selbst schaut unvoreingenommen auf die kleinste Sparte. „Medizin alleine ist noch kein Erfolgsgeheimnis in der Coronakrise“, warnt er vor überzogenen Erwartungen. Röchling habe auch Produkte für den OP-Bereich im Angebot, wo Kapazitäten zurückgefahren worden seien. „Aber wir haben auch Produkte etwa für die Labortechnik, wo die Coronatests vorgenommen werden.“

    Überhaupt will Knaebel nicht schwarzmalen. Im Automobilmarkt habe das Unternehmen kaum Produkte, die nicht auch für alternative Antriebe geeignet seien. „Wir sehen in der Transformation der Automobilindustrie also eine große Chance.“

    Auch hofft er, dass die Gruppe ohne Hilfe etwa der Staatsbank KfW durch die Krise kommen wird. Jetzt allerdings sei es für eine Prognose, wie das Jahr 2020 ausgehen werde, zu früh. Und noch etwas steht für ihn fest: „Wir glauben, dass Globalisierung immer noch mehr Vorteile bietet, auch wenn sich in der aktuellen Krise natürlich die Schwächen zeigen.“

    Mehr: Ein Mediziner baut den Kunststoffspezialisten Röchling um.

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