Jutta Stolle: Haniels Familienbetreuerin
Der Aufsichtsratsvorsitzende Franz Markus Haniel schätzt ihre Integrität.
Foto: HandelsblattDuisburg. Ab und an bekommt Jutta Stolle einen dieser unerwarteten Anrufe. Vor ein paar Wochen war ein Mann aus Amerika am Telefon. Sein Urgroßvater habe einst seine Haniel-Anteile verkauft – und er wolle sie nun wieder zurückhaben. Was er denn da tun müsse?
Stolle kennt die Familie Haniel wie kaum jemand anderes. Aber selbst sie hat keine Übersicht über alle Abkömmlinge des 1779 geborenen Franz Haniel. Die Duisburger Industriellendynastie ist eine der ältesten und größten Deutschlands. Wenigstens gibt es heutzutage den elektronischen Stammbaum im „Family-Net“, dem familieneigenen Intranet. Dort kann jeder mit wenigen Klicks seinen Verwandtschaftsgrad feststellen – bis zurück zum Gründer. Nur Nachfahren vom „alten Franz“ und ihnen Gleichgestellte, Ehepartner und adoptierte Kinder etwa, dürfen Gesellschafter werden.
Und tatsächlich: Der Anrufer aus Übersee gehört zur Familie und durfte seine Anteile zurückkaufen. Auch dabei hilft das Family-Net: Dort treffen Angebot und Nachfrage aufeinander, wird der Preis eingetragen. Nun kümmern sich Stolle und ihr vierköpfiges Team um den Neuzugang. Die 58-Jährige trägt bei Haniel den Titel „Direktorin Gesellschafter“, man könnte aber auch einfach sagen: Sie ist die Familienbetreuerin. Und die Haniels sind „sehr entwicklungsfreudig“, wie Stolle es nennt. Während Deutschland über Babymangel klagt, wächst die Zahl der derzeit 672 Gesellschafter allein durch Geburten im Schnitt um drei Prozent pro Jahr. Viele heißen Franz. Den Durchblick behält nur Stolle.