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Matthias Ackermann Mit einem Gentest will dieser Unternehmer die Behandlung von Hautkrebs verbessern

Trotz Krise will das Medizin-Start-up von Ackermann bald mit der ersten klinischen Studie losgehen. Pharmakonzerne wie Novartis dürften Neracare genau beobachten.
04.05.2020 - 15:31 Uhr Kommentieren
Bei Neracare ist er der Mann für die Zahlen. Quelle: Privat
Matthias Ackermann

Bei Neracare ist er der Mann für die Zahlen.

(Foto: Privat)

Köln Wie können wir die Therapie für Patienten mit schwarzem Hautkrebs verbessern? Diese Frage beschäftigte die beiden Wissenschaftler Georg Brunner und Jens Atzpodien. Die These: Wenn Hautzellen entarten, muss das genetisch lesbar sein. Wenn man mit einem Gentest also diese krebsauslösenden Gene identifiziert, wird die Therapie verbessert.

Als die beiden Forscher Matthias Ackermann Anfang 2014 von ihrem Gentest für Hautkrebspatienten erzählten, sah dieser sofort Potenzial. Nicht nur, weil es in Deutschland immer mehr Menschen gibt, die an schwarzem Hautkrebs erkranken, sondern auch, weil er den US-Pharmamarkt gut kennt und gesehen hatte, dass einige Unternehmen mit der Gentestung von Krebs ein großes Wachstum verzeichneten. Ein Jahr später gründeten Brunner, Atzpodien und Ackermann zusammen das Unternehmen Neracare.

Der 56-jährige Ackermann ist bei Neracare der Mann für Zahlen und Strategie. Eigentlich ist er promovierter Molekularbiologe, aber bei seinem Karrierestart Ende der 1980er-Jahre gab es in Deutschland keine Verwendung für Männer seines Fachs. „Gentechnologie war damals ein Schimpfwort“, so Ackermann.

Er begann, als Projektmanager für das große US-amerikanische Biotechnologieunternehmen Amgen zu arbeiten, gründete danach – im Alter von 30 Jahren – als geschäftsführender Gesellschafter Megapharm, einen Spezialgroßhändler für onkologische Produkte, der inzwischen aufgekauft wurde.

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    Ackermann merkte, dass ihm die Beratung im Biotechsektor lag und dass ihn das Geschäftsfeld auch als Investor interessierte. Als 34-Jähriger gründete er deshalb das Venture-‧Capital-Unternehmen Dr. Ackermann GmbH, zwei Jahre später die auf Biotech und Pharma spezialisierte Beraterfirma Biocap. Beide Unternehmen leitet er auch heute noch.

    Als er sich vor rund sechs Jahren dazu entschloss, bei Neracare einzusteigen, hatte er also jahrzehntelange Erfahrung im onkologischen Forschungsbereich und konnte den Wert der Arbeit von Brunner und Atzpodien gut einschätzen.

    Erste Finanzierungsrunde gestartet

    Die beiden Forscher sind älter als Ackermann. Sie haben zusammen an der Fachklinik Hornheide in Münster gearbeitet, einer der größten Kliniken für schwarzen Hautkrebs in Deutschland.

    Atzpodien war leitender Arzt der Internistischen Onkologie, der Biologe Brunner war Forschungsleiter des Hautkrebszentrums der Klinik. Zehn Jahre lang, von 2005 bis 2015, haben sie herausgeschnittene Melanome untersucht, um die genetische Handschrift des Tumors zu finden und damit eine Auswahl für den Gentest zu erhalten.

    Erst analysierten sie alle 30.000 Gene, nach und nach schränkten sie die Anzahl immer weiter ein, auf 180, auf elf, schließlich auf acht Gene. Wenn in der Gewebeprobe eines Patienten mit schwarzem Hautkrebs eines dieser acht Gene nachgewiesen wird, kann nun mit 91-prozentiger Sicherheit gesagt werden, ob ein Rückfallrisiko besteht, so das Resultat der Laborarbeit.

    Das Produkt von Neracare, der Genexpressionstest Melagenix, ist aber nicht nur eine Fleißarbeit. „Es gehört auch immer Glück dazu, solche Gene zu finden“, so Carola Berking, Direktorin der Hautklinik an der Uniklinik Erlangen, die Neracare Forschungsdaten zur Verfügung gestellt hat.

    Um wachsen zu können, hat Neracare eine erste Finanzierungsrunde gestartet. Mit der MIG Verwaltungs AG, der Bayerischen Beteiligungsgesellschaft (BayBG) und der Synvie GmbH haben drei Investoren fünf Millionen Euro zugesagt.

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    Acht Millionen Euro sollen insgesamt eingesammelt werden. Ackermann will Mitte Mai beginnen, bei jenen Investoren nachzufragen, die sich bislang noch nicht zu einem Investment durchringen konnten. Zukünftige Kapitalrunden werden wahrscheinlich in USA stattfinden, da dort Risikobereitschaft und Bewertungen höher seien.

    Die deutschen Investoren hadern, weil das Investment spekulativ ist. Bislang wurden erst wenige Patienten mit Melagenix getestet. Zudem erstattet die gesetzliche Krankenkasse den 10.000 Euro teuren Test derzeit nicht, bei privaten Kassen ist es eine Einzelfallentscheidung.

    Auch ist Neracare im Vergleich zur Konkurrenz ein Zwerg. Der wichtigste Konkurrent, das texanische Unternehmen Castle Biosciences, hat einen Börsenwert von 414 Millionen US-Dollar.

    Pharmaunternehmen wie Novartis und Merck dürften das sechs Mann starke Start-up in den nächsten Jahren ebenfalls im Auge behalten. Sie haben in großen Studien die Effektivität der rund 100.000 Euro teuren Immuntherapie nachgewiesen, die derzeit bei Risikopatienten mit schwarzem Hautkrebs der Goldstandard ist. Wenn sich der viel günstigere Gentest von Neracare als wirksam erweist, verändert sich nicht nur die Patientenbehandlung, sondern auch ein Geschäftsfeld.

    Neracare muss jetzt den Beweis antreten, dass die Laborergebnisse halten, was sie versprechen. „Wenn Sie klinische Studien von großen Pharmaunternehmen in Teilen außer Kraft setzen wollen, weil Sie sagen, bei dieser Patientengruppe ist es ratsam, nicht zu behandeln, dann brauchen Sie hohe Patientenzahlen mit vergleichbarer statistischer Power, um die Ärzte zu überzeugen“, so Ackermann.

    Auch Uni-Direktorin Berking ist der Meinung, dass eine solche vergleichende Studie noch fehlt, „die zeigt, dass man aufgrund der Testergebnisse eine Therapie geändert hat und dass der Patient davon profitiert“.

    Diesen Beweis will Ackermann nun antreten. Trotz Coronakrise soll es bald mit der ersten klinischen Studie losgehen, die Genehmigung hat er letzte Woche erhalten.

    Mehr: Die Software von Smart Reporting soll Radiologen im Kampf gegen Corona unterstützen.

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