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Start-up Tokopedia William Tanuwijaya hat Indonesiens größten Onlinehändler aufgebaut

Mit Tokopedia hat der Sohn eines Fabrikarbeiters eines der wertvollsten Start-ups des Landes geschaffen. Nun braucht er Milliarden zur Abwehr der Konkurrenz.
23.07.2020 - 15:07 Uhr Kommentieren
Der Gründer aus Indonesien sammelt für sein Start-up Tokopedia bei Investoren Milliarden ein. Quelle: Reuters
William Tanuwijaya

Der Gründer aus Indonesien sammelt für sein Start-up Tokopedia bei Investoren Milliarden ein.

(Foto: Reuters)

Bangkok Wenn es darum geht, die Konkurrenz auf Abstand zu halten, reagiert Indonesiens E-Commerce-Pionier William Tanuwijaya schnell: Als im vergangenen Jahr sein stärkster Wettbewerber, der aus Singapur stammende Onlinehändler Shopee, mit der Verpflichtung des fünffachen Weltfußballers Cristiano Ronaldo als Werbefigur einen PR-Coup landete, zog Tanuwijaya nur ein paar Wochen später nach.

Er nahm die koreanische Kultband BTS, die in Asien zu den gefragtesten Pop-Phänomenen der Gegenwart zählt, als Markenbotschafter unter Vertrag. Seither tanzen die Superstars aus Seoul durch das indonesische Werbefernsehen und singen auf Indonesisch: „Nur bei Tokopedia!“

Tokopedia ist Indonesiens größter Onlinehändler und unter Tanuwijayas Führung zu einem der wertvollsten Start-ups des Landes aufgestiegen. Der 38-jährige Entrepreneur gründete das Unternehmen vor einem Jahrzehnt und konnte sich lange mit Minibudget und einer Handvoll Mitarbeitern behaupten.

Doch die hohen E-Commerce-Wachstumsraten in Südostasiens größter Volkswirtschaft haben den Markt ins Visier zahlungskräftiger Wettbewerber aus dem Ausland gerückt. Um seine Position halten zu können, braucht auch Tanuwijaya mehr Geld.

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    Insgesamt wirbt das Unternehmen Medienberichten zufolge um 1,5 Milliarden Dollar von neuen Investoren, die dazu beitragen sollen, einen Börsengang in zwei bis drei Jahren vorzubereiten. Es wäre die bisher umfangreichste Investitionsrunde in der Firmengeschichte und könnte das finanzielle Wettrüsten im Kampf um einen der vielversprechendsten E-Commerce-Märkte Asiens weiter befeuern.

    Einen ersten wichtigen Erfolg hat Tanuwijaya nun bereits zu vermelden: Ende Juni sagte Singapurs Staatsfonds Temasek zu, eine halbe Milliarde Dollar in Tokopedia zu investieren. Erwartet wird, dass bisherige Anteilseigner wie der japanische Technologiekonzern Softbank in einer ähnlichen Größenordnung nachlegen werden.

    Bewertet wird Tokopedia nun mit 7,5 Milliarden Dollar. Damit ist der Online-Marktplatz, der nach eigenen Angaben rund 100 Millionen aktive Nutzer im Monat hat, das zweitgrößte Start-up Indonesiens hinter dem Mobilitätsdienstleister Gojek, der kürzlich Facebook als Investor gewann.

    Vier Tage lange Reise in die Hauptstadt

    Dass er als Unternehmer einmal in dieser Liga spielen würde, hat Tanuwijaya noch vor ein paar Jahren kaum jemand zugetraut. Der Tokopedia-Chef kommt aus einer einfachen Familie aus der Provinz Nordsumatra. Sein Vater arbeitete in einer Fabrik und kratzte alle Familienersparnisse zusammen, damit sein Sohn in die Hauptstadt Jakarta ziehen konnte, um zu studieren. Das war Ende der 1990er-Jahre – in einer Zeit, in der Billigfluglinien in dem Inselstaat noch keine Rolle spielten. Tanuwijaya machte sich deshalb mit öffentlichen Fähren auf den Weg in die mehr als 1300 Kilometer entfernte Metropole. Die Reise dauerte vier Tage und drei Nächte – und führte ihn in ein neues Leben.

    Heute gilt Tanuwijaya als einer der erfolgreichsten Unternehmer des 270 Millionen Einwohner großen Landes. Präsident Joko Widodo nimmt ihn auf internationale Reisen mit. Das Weltwirtschaftsforum nahm ihn in den elitären Kreis der „Young Global Leaders“ auf. Auf der Liste der reichsten Indonesier steht der Gründer aber trotz des Höhenflugs seines Unternehmens noch weit unten. Der Grund dafür ist, dass ihn schon zu Beginn seiner Unternehmerkarriere Kapitalnöte plagten.

    Nach seinem Informatik-Studium, das er mit Zwölf-Stunden-Nachtschichten an der Kasse in einem Internetcafé finanzierte, arbeitete Tanuwijaya für einen indonesischen IT-Konzern. In seiner Freizeit betreute er als Moderator ein Onlineforum, in dem kleine indonesische Unternehmen ihre Waren anboten. Tanuwijaya hielt das Vorgehen für ineffizient – auch weil es für Kunden schwer war, zu beurteilen, wie seriös die Verkäufer sind. 2007 entwickelte er die Idee für einen zentralen Online-Marktplatz, der sich zwischen Käufer und Verkäufer schaltet und so Vertrauen schafft. Vorbild war die chinesische Handelsplattform Taobao von Alibaba-Gründer Jack Ma.

    Viele Barrieren für den Gründer

    Zwei Jahre verbrachte Tanuwijaya damit, Investoren für die Idee zu suchen. Doch jeder Besuch bei einem der wohlhabenden Financiers endete mit einer Absage. Beispiele erfolgreicher lokaler Onlinegründer gab es damals in Indonesien noch nicht. Dass auch in einem Schwellenland fernab des Silicon Valleys in Kalifornien sogenannte Unicorns – also Start-ups mit einem Wert von mehr als einer Milliarde Dollar – entstehen könnten, erschien ihnen als höchst unwahrscheinlich.

    Auch dass er weder aus einer bekannten Familie stammte, noch an einer der Tophochschulen studiert habe, sei für ihn eine Barriere gewesen, erinnert sich Tanuwijaya. „Die Leute, die mich zurückgewiesen haben, sahen nur auf meine Vergangenheit“, sagte er in einem Interview. „Aber diese konnte ich nicht ändern.“

    Einer der Ersten, die an Tanuwijayas Zukunft glaubten, war sein damaliger Chef – der Familienunternehmer Victor Fungkong. Er finanzierte 2009 den Start von Tokopedia – Toko ist das indonesische Wort für Geschäft – mit umgerechnet rund 250.000 Dollar und stellte Tanuwijaya einen Co-Gründer zur Seite. Weil er selbst kein Kapital in das Unternehmen einbringen konnte, war der Tokopedia-Erfinder damit vom ersten Tag an Minderheitsgesellschafter mit einem Anteil von damals zehn Prozent. In zentralen Fragen hat er aber ein Vetorecht – etwa, wenn es um den Verkauf des Unternehmens geht.

    Seit Tanuwijaya für Tokopedia 2014 von den Technologieinvestoren Softbank und Sequoia 100 Millionen Dollar einwerben konnte – die damals größte Investition in ein indonesisches Start-up –, muss sich der Firmenchef keine Sorge mehr machen, von potenziellen Investoren nicht ernst genommen zu werden. Die Risikokapitalgeber standen seither Schlange.

    Tanuwijaya beschreibt das gerne als Wendepunkt für sein Unternehmen: „Wir fühlten uns wie Bergsteiger, die plötzlich das richtige Werkzeug hatten, um den Gipfel zu erklimmen.“

    Der Gipfel ist aber immer noch weit entfernt: Eine gemeinsame Studie von Temasek und Google geht davon aus, dass sich Indonesiens E-Commerce-Markt bis 2025 vervierfachen wird – auf ein Geschäftsvolumen von dann mehr als 80 Milliarden Dollar. Neben Shopee bemühen sich aber auch das von Alibaba kontrollierte Einkaufsportal Lazada und der indonesische Mitbewerber Bukalapak, Tokopedia Marktanteile abzujagen.

    Weiteres Kapital für das Wachstum der Branche könnte aus China kommen: Investoren aus der Volksrepublik hätten steigendes Interesse am indonesischen E-Commerce-Sektor, weil ihnen Zukäufe in anderen Schwellenländern wie Indien zu teuer würden, hieß es Anfang des Jahres in einem Kommentar des Investors Insignia Ventures Partners. Die zunehmenden politischen Feindseligkeiten zwischen Indien und China könnten diesen Trend noch weiter verstärken.

    Tanuwijaya ist sich aber im Klaren, dass es nicht reicht, nur Kapital einzusammeln: „Es gibt eine Ressource, die uns kein Investor geben kann: Zeit“, sagte er in einem Interview. Jeder habe pro Tag nur 24 Stunden zur Verfügung. Seine oberste Priorität sei nun, diese Zeit so effizient wie möglich zu nutzen. Sein Ziel dabei: mit Tokopedia ein Unternehmen zu schaffen, das über Generationen Bestand hat.

    Mehr: Google entwickelt mit Indiens reichstem Mann ein neues Billig-Smartphone.

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