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Tata-GruppeIndien trauert um Ratan Tata – eine neue Ära beginnt

Der indische Großindustrielle kontrollierte ein Firmenimperium mit mehr als einer Million Mitarbeitern. Doch wer tritt seine Nachfolge an? Einen Favoriten gibt es bereits.Mathias Peer 10.10.2024 - 16:31 Uhr Artikel anhören
Ragan Tata im Jahr 2015. Tata ist einer der mächtigsten Konzerne Indiens. Foto: Reuters

Bangkok. Den Großindustriellen Ratan Tata hat Indien wie einen Staatsmann verabschiedet. In seiner Heimatstadt Mumbai wehten am Donnerstag die Flaggen an öffentlichen Gebäuden auf Halbmast.

Im Süden der Finanzmetropole strömten Tausende Menschen zu seinem aufgebahrten Leichnam, um dem Mann hinter dem gleichnamigen Konzern die letzte Ehre zu erweisen; darunter prominente Politiker und Indiens Zentralbankchef Shaktikanta Das. Tata ist einer der mächtigsten Konzerne Indiens.

Indiens Regierungschef Narendra Modi teilte mit, dass der Tod des „visionären Wirtschaftsführers“ ihn zutiefst schmerze. Er bezeichnete ihn als „mitfühlende Seele und außergewöhnlichen Menschen“.

Tata war in der Nacht auf Donnerstag im Alter von 86 Jahren gestorben. Unter seiner Führung war das von seinem Urgroßvater gegründete Familienunternehmen Tata zu einem Weltkonzern gewachsen. Zum Konglomerat zählen inzwischen mehr als 100 Firmen, in denen über eine Million Menschen arbeiten.

Zum indischen Konzern gehören unter anderem der Stahlproduzent Tata Steel, die ehemalige Staatsfluglinie Air India sowie der global tätige IT-Dienstleister Tata Consultancy Services (TCS) und Indiens größter Automobilhersteller Tata Motors. Auch die Premiumautomarke Jaguar Land Rover, die Ratan Tata im Jahr 2008 erworben hatte, ist Teil des Tata-Reichs. Das Konglomerat erwirtschaftete zuletzt einen Jahresumsatz von 165 Milliarden Dollar.

Es gibt keinen Wunschnachfolger

Mit dem Tod des Patriarchen, der in Indien auch für seine Wohltätigkeitsarbeit bekannt ist, steht das Firmenimperium nun vor einem Neuanfang.

Zwar hatte sich der Unternehmer aus der operativen Führung der Tata-Gruppe bereits 2012, nach über zwei Jahrzehnten auf dem Chefposten, zurückgezogen. Doch bis zu seinem Tod blieb er Vorsitzender der Treuhandgesellschaften, der Tata Trusts. Von dort aus kontrollierte er die Mehrheit der Firmenanteile an der Konzernmutter Tata Sons.

Dass sein Einfluss weiterhin maßgeblich war, belegt auch der Fall Cyrus Mistry. Der Patriarch sorgte dafür, dass sein in Ungnade gefallener Nachfolger Mistry bereits nach vier Jahren wieder von der Konzernspitze entfernt wurde. Im Zuge der firmeninternen Auseinandersetzung kehrte Tata damals selbst für wenige Monate aus dem Ruhestand zurück, um den Konzern erneut zu leiten.

Im Anschluss an die Querelen übernahm Natarajan Chandrasekaran im Jahr 2017 den Chefposten. Bereits zuvor war er Mitglied des Vorstands gewesen. Die Ruhestandsregeln des Unternehmens sorgen nun jedoch dafür, dass er nur noch vier Jahre als CEO tätig sein darf.

Wer demnach künftig auf der Eigentümerseite an der Spitze der Tata Trusts stehen wird, ist noch nicht bekannt. Ratan Tata war unverheiratet und hat keine Kinder, die sein Erbe antreten könnten. Vorkehrungen für eine Wunschnachfolge hat er indischen Medienberichten zufolge ebenfalls nicht getroffen.

Tatas Halbbruder könnte an die Spitze rücken

Die besten Chancen, den Vorsitz der Treuhandgesellschaften zu übernehmen und damit in eine der einflussreichsten Positionen der indischen Wirtschaft aufzusteigen, werden nun Noel Tata zugeschrieben. Er ist Ratan Tatas Halbbruder.

Der 67-jährige Manager mit irischer Staatsbürgerschaft rückte bereits in den vergangenen Jahren in den Vorstand der Tata Trusts auf. Seinen Karriereverlauf werten viele Kenner des Unternehmens als Signal dafür, dass er innerhalb des Firmenimperiums an Bedeutung gewonnen hat. Am Donnerstag erhielt er zudem einen Kondolenzanruf von Regierungschef Modi.

Die neue Führung des Unternehmensgeflechts steht vor einer Reihe von Herausforderungen: Minderheitseigentümer machten zuletzt Druck, angesichts des Aktienbooms in Indien die Holdinggesellschaft der Tata-Firmen an die Börse zu bringen – offenbar gegen den Willen der Konzernführung.

Krankenhaus in Indien: Eines von Tatas Sozialprojekten ermöglicht es, dass Bedürftige eine kostenlose Krebsbehandlung erhalten. Foto: dpa

Auch einzelne Firmen des Konglomerats stehen vor gravierenden Veränderungen: Die Fluglinie Air India, die Tata 2022 für knapp zweieinhalb Milliarden Dollar übernahm, steckt mitten in einem aufwendigen Modernisierungsprozess. Und Tata Steel restrukturiert sein Geschäft in Großbritannien. Tausende von Mitarbeitern befürchten dort, dass sie ihren Arbeitsplatz verlieren könnten.

Neben diesen Entwicklungen geht Tata zeitgleich eine Elf-Milliarden-Dollar-Wette ein, um ein neues Geschäftsfeld zu erschließen: Im Bundesstaat Gujarat will Tata Indiens erste Halbleiterfabrik errichten. Konzernchef Chandrasekaran sprach Anfang des Jahres mit Blick darauf von einer der „mutigen Entscheidungen“, die sein Unternehmen in der Vergangenheit schon öfter getroffen habe.

Nicht immer wurde dieser Mut belohnt. So wurde das Billigauto Tata Nano ein Flop. Es war ein Herzensprojekt von Ratan Tata und kam 2008 auf den Markt. Er habe mit dem Fahrzeug den Verkehr sicherer machen wollen für indische Familien, die sich bislang nur ein Moped leisten konnten, sagte Tata Jahre später über das Projekt. Doch bereits zehn Jahre nach seinem Start wurde die Produktion des Tata Nano endgültig eingestellt.

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Tata engagierte sich auch für zahlreiche Sozialprojekte. Eines davon ermöglicht es Bedürftigen, eine kostenlose Krebsbehandlung zu erhalten. Zuletzt eröffnete er eine Veterinärklinik in Mumbai, um die Versorgung von Haustieren zu verbessern. Der Tierliebhaber hielt die Lobby seiner Mumbaier Konzernzentrale seit Jahrzehnten ausdrücklich auch für Straßenhunde offen.

Den gesellschaftlichen Einsatz des Großindustriellen würdigen auch seine Konkurrenten. So äußerte sich Mukesh Ambani, der Chef des Mischkonzerns Reliance: Tatas Tod sei ein Verlust nicht nur für dessen Unternehmen, sondern für jeden Inder.

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