Wechsel: Hoffen auf „Kuka-2.0-Effekt“: Darum geht Till Reuter in die Schweiz
München. Der dritte Wechsel in drei Jahren an der Spitze des Schweizer Dormakaba-Konzerns soll vorerst der letzte bleiben. Ex-Siemens-Managerin Sabrina Soussan blieb ebenso nur kurz CEO wie der aus Singapur stammende Jim-Heng Lee.
Nun soll der frühere Kuka-Chef Till Reuter den Türschließtechnik-Anbieter „auf seinem Wachstumspfad weiterentwickeln und die Strategie und das Transformationsprogramm wirksam umsetzen“, wie das Unternehmen mitteilt. Zum 1. Januar schon wechselt Reuter aus dem Verwaltungsrat an die operative Spitze – ähnlich wie einst bei Kuka.
Dormakaba zählt mit einem Umsatz von zuletzt gut 2,8 Milliarden Franken (knapp drei Milliarden Euro) zu den drei weltweit führenden Unternehmen für Zugangs- und Sicherheitslösungen. Als sich der langjährige Vorstandschef Riet Cadonau 2021 auf die Rolle des Verwaltungsratsvorsitzenden konzentrierte, übernahm Sabrina Soussan die Führung.
Ex-Siemens-Managerin ging rasch wieder
Allerdings fremdelte sie mit dem Konzern, zumal Ex-CEO Cadonau im Unternehmen weiter viel Einfluss hatte. So nutzte Soussan nach nicht einmal einem Jahr die Gelegenheit, an die Spitze des französischen Versorgers Suez zu wechseln. Die interne Nachfolger Jim-Heng Lee sollte dann für Stabilität in der Führung sorgen.
Doch nach zwei Jahren an der Spitze äußerte er laut offiziellen Angaben den Wunsch, nach Asien zurückzukehren. Er habe Dormakaba „auf einen klaren Weg der sequenziellen Verbesserungen“ gebracht, lobte der aktuelle Verwaltungsratsvorsitzende Svein Richard Brandtzæg nun.
Laut Industriekreisen gab es allerdings durchaus auch Unzufriedenheit mit dem Chef: Die Firma sei „unter Wert geführt worden“. Das zeige sich auch am Aktienkurs. Das Potenzial werde noch nicht in allen Regionen ausgeschöpft, zudem müssten die Produkte stärker automatisiert und digital vernetzt werden. Auch acht Jahre nach der Fusion der Schweizer Dorma mit ihrem deutschen Konkurrenten Kaba sei zudem die Unternehmensstruktur nicht optimal.
Hier kommt nun Reuter ins Spiel. Der hatte den Roboterbauer Kuka so erfolgreich restrukturiert, dass er 2016 für vier Milliarden Euro vom chinesischen Midea-Konzern übernommen wurde. Manche in der Branche kritisierten, dass er die Übernahme mit eingefädelt habe, statt die Unabhängigkeit des Unternehmens zu bewahren. Zwei Jahre nach der Übernahme ging Reuter vorzeitig. Kurzzeitig führte er den Aufsichtsrat von Müller Milch.
Bei Dormakaba hoffe man nun auf eine Art „Kuka-2.0“-Effekt, heißt es in Industriekreisen. Denn für die Eigentümer des Roboterbauers zahlte sich das Wirken Reuters aus. Auch Dormakaba müsse neu aufgestellt werden und einen „Extraschub“ bekommen. Als Investmentbanker, Jurist und erfahrener CEO bringe Reuter die nötige Erfahrung dafür mit. Anders als seine Vorgänger soll er nicht nur ein kurzfristiges Intermezzo an der Spitze geben – sein Engagement sei „ein langfristiges Projekt“.