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Varieté-Gruppe GOPDie Unterhaltungskünstler

Eine Familie aus Westfalen hat mit GOP Europas größte Varieté-Gruppe aufgebaut – und das ohne einen Cent Subventionen. Mittlerweile hat das siebte Haus in Bonn eröffnet. Ihr Erfolgsgeheimnis: Mut zum Mainstream.Katrin Terpitz 31.12.2016 - 16:51 Uhr Artikel anhören

Aufgewachsen zwischen Diskotheken und Varieté.

Foto: PR

Bonn. Mitten im einstigen Regierungsviertel von Bonn – zwischen Langem Eugen und Marriott Hotel – liegt das GOP Varieté. An dieser Stelle sollte ursprünglich der Frühstückssalon für das World Conference Center Bonn (WCCB) entstehen. Doch der Skandalbau wurde zum Millionengrab. Nun gibt es hier statt ernster Politikgespräche Unterhaltsames für jedermann. Seit der Eröffnung im September haben schon 30 000 Gäste Show, Restaurant und Bar besucht.

„Ich finde es toll, dass es jetzt im WCCB etwas zu lachen gibt, das war ja nicht immer so“, freut sich Komiker Eckart von Hirschhausen. Er machte vor rund 20 Jahren seine ersten Schritte als Entertainer auf GOP-Bühnen. Sieben feste Häuser unterhält die Eigentümerfamilie Grote inzwischen bundesweit. GOP ist damit das größte Varieté-Unternehmen Europas. „Nach dem Cirque du Soleil sind wir der größte Arbeitgeber für Künstler und Artisten“, sagt Hubertus Grote, 49, der das Varieté in zweiter Generation leitet. Auch die Söhne Dennis, 27, und Kevin, 23, arbeiten schon mit.

Mehr als 700 feste Mitarbeiter beschäftigt GOP – daneben freie Künstler, Regisseure, Bühnenbildner. 700.000 Gäste kommen pro Jahr in die Theater von Hannover, Essen, Bad Oeynhausen, Münster, München, Bremen und Bonn.

Dabei kam Familie Grote nur durch Zufall zum Varieté. Der Vater von Hubertus, Harry Grote, ist Autoschlosser aus dem Westfälischen. Aus gesundheitlichen Gründen muss er mit 25 Jahren den Beruf aufgeben. In Volkmarsen bei Kassel pachtet er 1971 eine Kneipe. Als die Disco-Welle aus den USA herüberschwappt, eröffnet er Discotheken in Kassel, Lippstadt und den kultigen „Prater“ in Bochum. „War ein Laden erfolgreich, hat er ihn wieder verkauft und etwas Neues gemacht“, erzählt Sohn Hubertus. Mehr als 30 Häuser hat sein Vater eröffnet, er selbst über 20.

Auslastung über 80 Prozent

1991 wurden die Grotes angesprochen, den Georgspalast (GOP) in Hannover wiederzubeleben. Dort war von 1912 bis 1968 ein Varieté , später eine Disco. Die Grotes machten einen Tanzbetrieb auf, am frühen Abend ließen sie Artisten auftreten. „Damals dachten die Leute bei Varieté noch an Reeperbahn oder Moulin Rouge. Es kamen nur 70-Jährige“, erinnert sich Grote. Heute liegt das Alter im Schnitt bei 35. „Die Mischung mit der Disco funktionierte nicht. Da haben wir den verrückten Schritt getan und nur noch Varieté gemacht.“

Die ersten beiden Jahre in Hannover waren schwierig. Das änderte sich, als Werner Buss künstlerischer Leiter wurde. Der hatte in Urlaubsklubs wie Robinson und Aldiana gearbeitet – und verankerte den Servicegedanken bei GOP. „Das hat uns weit nach vorne gebracht“, betont Grote.

Und das alles ohne Steuergelder: Die Grotes haben das Kunststück vollbracht, ohne einen Cent Subventionen eine profitable Varieté-Gruppe aufzubauen. „Wir finanzieren alles aus Eigenkapital ohne Kredite“, betont Grote. Allein in Bonn hat er fünf Millionen Euro investiert. Die Auslastung der Häuser liege bei über 80 Prozent. Nur deshalb könne man relativ moderate Preise ab 15 Euro anbieten. Neben der Show ist die Gastronomie ein wichtiges zweites Standbein. „Mehr als 80 Prozent der Gäste essen bei uns“, erzählt Grote, während die Köche in der offenen Küche nebenan 250 Steaks für den Abend vorbereiten.

Alle zwei Monate wechseln die Shows. Es gibt keine Spielpausen. Daneben spielt GOP im Winter in einem Autohaus in Gütersloh, der Orangerie in Hannover und auf dem Kreuzfahrtdampfer „Mein Schiff“. Bis 2020 sind alle Shows schon durchgeplant.

GOP betreibt dafür eine eigene Künstleragentur sowie eine Trainingshalle. Die Artisten werden bei den Zirkusfestivals in Paris und Monte Carlo und Zirkusschulen in Kanada gecastet. „Bei uns finden sie Weltklassekünstler, die sonst im Cirque du Soleil auftreten“, sagt Grote. GOP ist stark vom franko-kanadischen Nouveau Cirque geprägt. Die Motto-Shows sind multimedial und aufwendig. Grotes Geheimnis für volle Häuser: Die Leute sollen beschwingt nach Hause gehen wie nach einem Blockbuster-Film. „Ich weiß nicht, was schlimm ist am Wort Mainstream.“

Nach dem Krieg waren Varieté-Theater hierzulande so gut wie ausgestorben. Seit den späten 80ern erleben sie eine Renaissance. Inzwischen gibt es mehr als 20 feste Häuser. „GOP ist der Marktführer im Varieté-Geschäft“, konstatiert Wolfgang Jansen vom Präsidium des Verbands Deutscher Varieté Theater. „Man besitzt bei GOP zweifellos ausgeprägtes unternehmerisches Geschick.“ Hinzu komme Mut, immer wieder neue Häuser zu eröffnen. Denn neue Theater seien geschäftlich ja keine Selbstläufer.

Harter Kampf um München

Das erlebten die Grotes schmerzlich in München – die erste Metropole, in die sie sich 2008 wagten. Dort konkurrieren rund 60 Spielstätten, viele davon subventioniert. „Mittlerweile ist München eines unserer besten Häuser, aber dafür mussten wir hart kämpfen“, sagt Sohn Dennis. „Keines unserer Häuser war jemals defizitär – abgesehen von einer gewissen Anlaufzeit.“ Erstmals verraten die Grotes auch den Umsatz von GOP: Er liegt 2016 bei 40 Millionen Euro.

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Diverse Städte sind an neuen Varietés interessiert, mit Wiesbaden sind die Grotes derzeit in Verhandlung. „Wir sind ein Familienbetrieb mit begrenzten finanziellen und personellen Ressourcen“, sagt Hubertus Grote. Sieben Mitglieder der Familie arbeiten bei GOP, darunter seine Söhne. „Es kann nichts Schöneres geben“, findet er. Die Kinder wuchsen zwischen Disco und Varieté auf. Kevin arbeitet als Veranstaltungskaufmann bei GOP. Nebenbei hat er in Bremen das Start-up Foodninja gegründet, eine Vorbestell-App für Mittagessen.

Sein Bruder Dennis hat Eventmanagement studiert – und mit 24 Jahren das Haus in Bremen als Direktor miteröffnet. Heute leitet der Hobbypilot in der Bielefelder Zentrale das Marketing. „Wir haben einen sehr engen Zusammenhalt und klären alles sachlich. Streit? Wo keine Reibung ist, ist keine Energie“, sagt der Vater. Die Söhne bewundern seine Gelassenheit. Ans Abtreten denkt der Golfspieler noch nicht, er hält weiter nach neuen Ideen Ausschau. Sein Credo: „Nichts ist unmöglich, wenn man es wirklich will.“

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