Raumfahrt: Esa-Auftrag kommt für Isar Aerospace genau richtig
Düsseldorf. Bislang hat Isar Aerospace keine Rakete in den Weltraum befördert. Doch nun sichert sich die 2018 gegründete Firma einen wichtigen Auftrag: Ab 2026 soll sie zwei Missionen für die European Space Agency (Esa) und die EU durchführen.
Das ist eine Premiere. Bislang ließ die Esa Satelliten ausschließlich von Unternehmen wie der französischen Arianegroup ins All bringen – Firmen, deren Trägerraketen sie selbst mitentwickelt hatte. „Diese Vereinbarungen unterstreichen das Vertrauen, das europäische Institutionen in unsere Startdienstleistungen haben“, sagte Daniel Metzler, Mitgründer und Chef von Isar Aerospace.
Im März startete die Münchener Firma ihre erste Spectrum-Rakete, die aber nach 30 Sekunden abstürzte. Derzeit arbeitet Isar Aerospace am Start seiner zweiten Rakete. Dieser soll nach Informationen des Handelsblatts bis zum Ende des Jahres stattfinden.
Aufträge kommen zu einem günstigen Zeitpunkt
Gelingt es Isar Aerospace, die erste privat finanzierte Rakete aus Deutschland in den Weltraum zu bringen, dann soll die Firma im Auftrag der Esa zwei Missionen durchführen. Die Münchener sollen die Satelliten des niederländischen Unternehmens ISI Space und der französischen Firma Infinite Orbits in eine bestimmte Umlaufbahn bringen.
Die Aufträge finden im Rahmen der sogenannten neuen „Flight-Ticket-Initiative“ der Esa und der EU statt. Damit wollen die Behörden jungen Firmen und ihren Space-Prototypen eine Chance geben, um „wertvolle Erkenntnisse für Forschungsprojekte“ zu erhalten und „kommerzielle Anwendungen zu erschließen“, wie es in dem Programm heißt.
Matthias Wachter, Abteilungsleiter Internationale Zusammenarbeit, Sicherheit, Rohstoffe und Raumfahrt beim BDI, sagt: „Die Flight-Ticket-Initiative ist ein wichtiger Schritt zur Stärkung des europäischen Launchersegments.“
Insgesamt wurden fünf Flüge von der Esa vergeben. Davon führt Isar Aerospace zwei durch, die restlichen drei werden von dem italienischen Anbieter Avio mit seiner Vega C durchgeführt. Die ist wie die Spectrum von Isar ein sogenannter Microlauncher, also eine kleinere Rakete. Allerdings wurde sie mit Mitteln und Vorgaben der Esa entwickelt, während sich Isar rein privat finanziert.
Aufträge kommen zu einem günstigen Zeitpunkt
Für Isar Aerospace kommen die Aufträge zu einem günstigen Zeitpunkt. Nach Aussage von Unternehmensinsidern arbeitet das Start-up an einer neuen Finanzierungsrunde. Mit den Esa-Aufträgen kann die New-Space-Firma jetzt eine voraussichtlich höhere Bewertung bei Investoren durchsetzen.
Wie wichtig solche institutionellen Aufträge für das Vertrauen der Risikokapitalgeber sind, zeigte sich bereits 2021. Damals erhielt Isar Aerospace, basierend auf dem Programm der alten Bundesregierung, einen Elf-Millionen-Euro-Auftrag für die ersten beiden Raketenstarts. „Mit diesen Aufträgen haben wir 400 Millionen Euro an privatem Kapital eingesammelt“, sagte Metzler dem Handelsblatt vor einem Jahr.
Der Vorstandschef erläuterte, man habe in diesem Fall ohnehin elf Millionen Euro an Steuergeldern für den geplanten Satellitenstart ausgeben müssen. Diese Summe sei jedoch nicht nur für den Start verwendet, sondern – durch die Vergabe an ein deutsches Raumfahrtunternehmen – in der Wirkung vervielfacht worden.
Konkret sprach er von einem „Hebel“ um den Faktor 40, durch den ein Vielfaches der ursprünglichen Summe als wirtschaftlicher Impuls in die deutsche Industrie geflossen sei. Gleichzeitig habe man mit dieser Entscheidung auch ein Stück technologische Souveränität zurückgewonnen.
Bewertungen gestiegen
Über den Auftragswert der Esa gibt Isar Aerospace keine Auskunft. Nach Schätzung eines Branchenexperten dürfte er für die beiden Starts bei knapp 20 Millionen Euro liegen. Rein rechnerisch könnte damit die Esa-Premiere Isar Aerospace dazu befähigen, 800 Millionen Euro an Risikokapital einzusammeln.
Die Bewertungen privatwirtschaftlicher Raumfahrtunternehmen – oft unter dem Begriff „New Space“ zusammengefasst – sind zudem in den vergangenen Jahren stark gestiegen, allen voran die von Pionierunternehmen wie SpaceX oder Rocket Lab in den USA.
So ist der von Elon Musk gegründete Raumfahrtkonzern mit 500 Milliarden Dollar das am höchsten bewertete private Unternehmen der Welt. Der kleinere Konkurrent Rocket Lab kommt an der Börse auf eine Marktkapitalisierung von mehr als 23 Milliarden Dollar.
Die Entwicklung und Fertigung von Raketen ist kapitalintensiv. Isar Aerospace hat ehrgeizige Pläne, baut in der Nähe von München ein Werk für die serienmäßige Produktion von Raketen auf. Dort sollen eines Tages bis zu 40 Spectrum-Raketen pro Jahr hergestellt werden.
Mit den bislang eingesammelten 400 Millionen Euro an Risikokapital und einer zum Jahresanfang eingeholten Wandelanleihe im Gesamtwert von 150 Millionen Dollar besitzt Isar Aerospace laut einem Unternehmensinsider genügend Geld für die nächsten Starts und ebenso – je nach Ausgestaltung – für das neue Werk, das 2026 fertiggestellt werden soll.
Erstpublikation: 27.08.2025, 09:26 Uhr.