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SachbuchtippsZeit, innezuhalten - Tipps für das perfekte Weihnachtsgeschenk

Mit dem Advent beginnt die Suche nach dem richtigen Weihnachtsgeschenk. Die Handelsblatt-Redaktion stellt zehn Sachbücher vor, die sich lohnen. 02.12.2023 - 16:10 Uhr

Düsseldorf. Spätestens mit dem Beginn des Advents startet die Suche nach den passenden Weihnachtsgeschenken. Mit einem guten Buch macht man nie etwas falsch. Lesen ist Bildung und Genuss zugleich. Das Handelsblatt hat zehn Sachbücher ausgewählt, die nicht nur lesenswert, sondern auch inspirierend sind. Titel aus unterschiedlichen Bereichen - Geschichte, Wissenschaft, Biografie, Kulinarik. Als Geschenktipp - oder für den eigenen gemütlichen Leseabend im Kerzenschein.

Deutsche Geschichte: Mythen, Mentalität und Moneten

Was bedeutet es, nach der Hitler-Zeit Deutscher zu sein? Diese durch den Nahostkrieg so aktuelle Frage steht im Zentrum von Frank Trentmanns „Aufbruch des Gewissens“. Der in London lehrende deutsche Historiker zeigt, wie die Westdeutschen sich nach der Nazi-Hölle ins „Wirtschaftswunder“ aufmachten, dabei ihre mörderische Vergangenheit ruhen ließen respektive sich selbst – und nicht die sechs Millionen umgebrachten Juden – als eigentliches Opfer des Zweiten Weltkriegs sahen. Kaum anders, nur mit wenig ökonomischem Erfolg, war es in Ostdeutschland.

Frank Trentmann: Aufbruch des Gewissens
Übersetzung: H. Dedekind. H. Lutosch, S. Reinhardus, F. Reinhart, K. Schuler.
S. Fischer Verlag
Frankfurt 2023
1036 Seiten
248 Euro

Trentmann zeigt, dass West- wie Ostdeutschland mindestens bis zur Wiedervereinigung 1990 keine „Willkommenskultur“ entwickelten. Insbesondere die „internationalistische“ DDR hinterließ „einen starken Hang zur Fremdenfeindlichkeit und eine schwache Zivilgesellschaft“, resümiert er. 

Davon profitiert die AfD bis heute.Trentmann lässt viele Zeitzeugen zu Wort kommen und nutzt neben klassischen Quellen auch Flugblätter, Schülerzeitungen und Gemeindebriefe. Ein lebendiges Porträt deutscher Mentalitätsgeschichte

Meteorologie: Endlich guter Smalltalk über das Wetter

Parallel zum Weihnachtsschmuck kommt eine Volksweisheit wieder in den Alltag: „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung.“ Das mag zwar stimmen, doch erschöpft sich darin und in Beschwerden über den anhaltenden Spätherbstregen jedes Gespräch über das Wetter. Dass das nicht so sein muss, zeigt die Meteorologin Insa Thiele-Eich auf etwa 200 Seiten mit zahllosen Fakten rund um das Wetter.

Insa Thiele-Eich: Wirklich wichtiges Wissen – von heiter bis wolkig.
dtv Verlagsgesellschaft,
München 2023
224 Seiten
17 Euro

Viele davon sind perfekt für die nächste Weihnachtsfeier. Merken Sie sich für den Wetter-Smalltalk zum Beispiel: Tiefdruckgebiete, die oft mit schlechtem Wetter im Zusammenhang stehen, wurden in Deutschland noch bis 1998 ausschließlich mit weiblichen Vornamen benannt – zum Unmut vieler Frauen.

Erst der Protest der Studentin Karla Wege sorgte für den jährlichen Wechsel zwischen Männer- und Frauennamen. Oder: Falls Sie je vom Blitz getroffen werden, was die meisten Menschen überleben, könnten Sie plötzlich gänzlich neue Interessen entwickeln. Ein US-Chirurg etwa wurde kurz nach einem Blitzschlag mit 42 Jahren zu einem begeisterten Pianisten.

Müßiggang: Die Kultur der Kaffeehäuser erleben

Eine vergangene, müßiggängerisch schöne Zeit. Sie sah so aus: den Tag mit Lektüre der Presse verbringen, Kaffee oder andere Getränke je nach Kassenlage konsumieren, philosophische Reden halten oder einfach den nächsten Flirt versuchen. Das war die Kultur der Kaffeehäuser, die heute allenfalls noch zu erahnen ist.

Der Journalist Dirk Liesemer führt hinein in die legendäre Ära der sich neu erfindenden Kaffeehäuser zwischen 1890 und 1915, damals, als die K.-u.-k-Monarchie in Agonie lag und die preußische Hoffart die finale Bewährung im Weltkrieg zu suchen begann.

Dirk Liesemer: Café Größenwahn 1890–1915
Hoffmann und Campe Verlag
Hamburg 2023
384 Seiten
25 Euro

Dieses so unterhaltsame wie lehrreiche Buch wechselt wild zwischen drei Schauplätzen, dem „Café Griensteidl“ (Wien), dem „Café Stefanie“ (München) und dem „Café des Westens“ (Berlin) – subsumiert unter dem leicht spöttelnden Begriff „Café Größenwahn“.

Man ist per Buch dabei, wie der junge Hugo von Hoffmannsthal als Schüler kluge Rezensionen schreibt, wie in der deutschen Hauptstadt das in Paris entfachte Kabarett-Fieber grassiert oder Max Reinhardt zwecks Titelfindung für seine neue Bühne nur Goethe rezitiert: „Der Name ist Schall und Rauch.

Atlas: Unter Wiesen, Äckern und Gewässern

Die Vergangenheit ist nicht weit entfernt, mitunter nur wenige Zentimeter. Unter Deutschlands Äckern und Wiesen, seinen Städten und Straßen, auf dem Grund seiner Gewässer ruht sie in Frieden. Jahrtausendealte Gräber, versunkene Siedlungen, römische Schätze.

Pia Volk hat mit „Deutschlands verschwundene Orte“ einen Atlas zu Stätten vorgelegt, die zu verschiedenen Zeiten bedeutsam waren für die Menschen in Deutschland – und untergingen. Ein interessanter und ebenso gut lesbarer Überblick, nicht nur für Hobbyarchäologen.

Pia Volk: Deutschlands verschwundene Orte. Ein Atlas.
C.H. Beck Verlag
München 2023
286 Seiten
24 Euro

Sie erzählt etwa von Rungholt, dem „Atlantis der Nordsee“ an der nordfriesischen Küste. In der Nacht zum 16. Januar 1362 nahm sich die tobende See 25 Küstenkilometer und das Leben Tausender. Die Sturmflut ging als „Grote Mandränke“, das „große Ertrinken“, in die Geschichte ein.

Oder von Rottenburg am Neckar: 1986 wurden dort bei Bauarbeiten die Überreste einer öffentlichen und zugleich luxuriösen Latrine entdeckt. Ein Abort für die Söhne und Töchter Roms – und Zeugnis des Prunks vergangener Tage.

Biologie: Mit dem Körper durch die Zeitgeschichte

Das Zahlensystem basiert auf den zehn menschlichen Fingern, und der durchschnittliche Ruhepuls liegt bei 60 Schlägen – daran angelehnt ist der Sekundenrhythmus. Dinge, die Lewis Dartnell den Lesern von „Being Human“ nahebringt.

Die heutige Art des Fitnesstrainings wiederum hängt mit dem Aufstieg der modernen Industriegesellschaft zusammen und den Bedürfnissen unseres Körpers nach Bewegung. Der britische Biologe findet in seinem Buch zahlreiche spannende Beispiele, um einzelne Aspekte der Weltgeschichte kurzweilig und abwechslungsreich herzuleiten und genauer zu beleuchten.

Lewis Dartnell: Being Human.
Übersetzung: Sebastian Vogel
Aufbau Verlag
Berlin 2023
396 Seiten
26 Euro

Er betrachtet, wie die Gegebenheiten unseres Körpers Beziehungen, Gesellschaften und Wirtschaft formten – und weiter formen. „Being Human“ ist das dritte Buch einer Trilogie

Nachdem er sich bereits mit den Entdeckungen und Erfindungen der Menschheit und den Ursprüngen der Erde beschäftigt hat, spannt Lewis diesmal einen Bogen vom Ursprung der Menschheit bis zum Klimawandel im 21. Jahrhundert. Das ist so spannend, dass es manchmal noch mehr Tiefe vertragen hätte.

Erfindungen: Was hielt Neil Armstrongs Unterhose?

Eines gleich vorweg: Ohne technische Neugier ist dieses Buch über „Erfindungen, die die Welt bis heute verändern“ nur schwer zugänglich. Wer interessiert sich schon für die Historie des Nagels und seine Ausprägungen bis zu Niet oder Schraube? Doch halt! So aufgeschrieben wie von Roma Agrawal ist es hochspannend, die Eigenschaften eines Wolkenkratzers oder Jagdflugzeugs bis auf den ersten Niet oder Nagel zu dekonstruieren.

Ob Nagel, Faden, Rad, Linse, Magnet, Feder und Pumpe – teils sachlich, teils mit witzigen Anekdoten führt die preisgekrönte Physikerin und Bauingenieurin Roma Agrawal die komplizierten Zusammenhänge technischer Errungenschaften auf das Einfache zurück.

Roma Agrawal: Nägel mit Köpfen
Übersetzung: Ursula Held
Carl Hanser Verlag
München 2023
336 Seiten
28 Euro

Da geht es dann auch um die Näherin aus Delaware, die sich über den geeigneten „Faden“ für Neil Armstrongs Unterhose Gedanken machte. Oder darum, wie kugelsichere Westen oder Hängebrücken letztlich von eben einem simplen Faden abhängen. Mit Leichtigkeit beschreibt die britische Vertreterin der „Women in Science“ die Geschichte der sieben Dinge, die für sie die Basis unserer Welt ausmachen.

Zitate: Hat er das wirklich so gesagt?

Aussprüche berühmter Persönlichkeiten werden zu jeder Gelegenheit gern zitiert. „In der Ruhe liegt die Kraft“ ist ein solcher Satz. Er soll von Konfuzius stammen. Belegt ist das allerdings nicht. Der österreichische Autor Gerald Krieghofer hat sich in einem Blog darauf spezialisiert, solche sogenannten Kuckuckszitate zu enttarnen.

Nun hat er eine unterhaltsame Sammlung unter dem Titel „Die besten falschesten Zitate aller Zeiten“ zusammengestellt. „Das Auto ist eine vorübergehende Erscheinung. Ich glaube an das Pferd“, soll Kaiser Wilhelm II. gesagt haben.

Ist anscheinend genauso falsch wie die Konfuzius-Aussage. Stattdessen hängt der Autor auch immer richtige Zitate an. „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur Deutsche“, hat der Kaiser tatsächlich gesagt.

Gerald Krieghofer: Die besten falschesten Zitate aller Zeiten
Molden Verlag
Wien 2023
176 Seiten
22 Euro

Künstler finden sich einige in der Sammlung. „Gut erzogene Frauen machen selten Geschichte“, wurde Marilyn Monroe zugeschrieben. Wieder falsch. Weniger bekannt ist eine tatsächliche Antwort auf die Frage eines Reporters, was die Schauspielerin zu einem Foto‧shooting getragen habe: „Ich hatte nur das Radio an.

Antike: Wissen jenseits von Indiana Jones

Was interessiert uns die Antike? Eine Frage, die vielleicht kommen mag bei diesem Sachbuchtitel, der eher nach Fantasyroman klingt. Vor mehr als 2000 Jahren wurde in Griechenland der Grundstein gelegt für vieles, was heute als selbstverständlich gilt, etwa die Demokratie – obwohl diese damals noch enger definiert wurde.

Dazu kommen Einsichten wie die, dass der Mensch ein Individuum ist, das einen Wert hat. Und dass der Kopf nicht nur ein Rumpffortsatz ist, in dem Mutter Natur Augen, Mund und Nase verbaut hat.

Theodore Papakostas: Wie ich in den Fahrstuhl stieg und in der Antike landete.
Übersetzung: Norbert Hauser.
Piper Verlag
München 2023
272 Seiten
22 Euro

Diese Grundlagen der europäischen Geistesgeschichte erzählt der Archäologe Theodore Papakostas sehr anschaulich einem Gegenüber, das mit ihm zufällig im Fahrstuhl eines Einkaufszentrums stecken geblieben ist. Dabei entwickelt sich aus der Frage „Und was machen Sie so, wenn Sie nicht gerade hier festsitzen?“ ein lehrreicher Dialog.

Papakostas schafft es, die Schwelle zu senken, die viele Menschen – gerade ohne Latinum und Graecum – haben, wenn sie sich mit dem Altertum und mit Archäologie abseits von Indiana Jones beschäftigen wollen.

Biografie: Bis zum bitteren Ende

Die Feier zu Annes 13. Geburtstag, der 14. Juni 1942, sollte die letzte Gelegenheit sein, zu der sie alle unbeschwert zusammenkamen. Anne, Hannah und ihre jüdischen Klassenkameraden. Kurz danach war Anne Franks Familie verschwunden.

Hannah Goslar blieb unwissend zurück, wähnte ihre Freundin in Sicherheit in der Schweiz. Bis sie sich 1945 im KZ in Bergen-Belsen noch einmal begegneten.

Hannah Pick-Goslar: Meine Freundin Anne Frank.
Übersetzung: Elsbeth Ranke.
Penguin Verlag
München 2023
384 Seiten
24 Euro

Anne Franks Tagebuch, das sie in den zwei Jahren schrieb, in denen sich ihre Familie vor den Nazis versteckt hielt, ist weltberühmt. Hannah Pick-Goslar, ihre enge Freundin, deren jüdische Familie ebenso wie die Franks aus Deutschland nach Amsterdam geflüchtet war, erzählt die Geschichte nun aus ihrer Perspektive – sehr gefühlvoll und mitreißend.

Es ist die Geschichte zweier Heranwachsender, die das Leben so gern genießen wollten, die spielten, Eis aßen, zur Schule gingen. Bis die Restriktionen stärker und stärker wurden. Beide Mädchen kämpften bitter um ihr Leben

Anne starb, Hannah wog bei ihrer Befreiung weniger als 30 Kilo.Aus jeder Zeile des Buches spricht die wachsende Beklemmung. Eine Geschichte, die nicht oft genug erzählt werden kann.

Kulinarik: Liebesbrief an die Küche Sichuans

Schon vor meiner Zeit als Korrespondentin in China hatte gutes Essen in meinem Leben eine wichtige Rolle gespielt. Meine drei Jahre in der Volksrepublik haben dies noch verstärkt. Für all jene, die ebenso Lust auf hervorragendes chinesisches Essen haben, ist das Buch von Fuchsia Dunlop ein Geschenk.

Die Köchin und Schriftstellerin widmet sich seit Jahrzehnten der chinesischen Küche. Für ihr fast 500 Seiten dickes Kochbuch hat sie sich eine ganz besondere regionale Variante vorgenommen: die der südwestchinesischen Provinz Sichuan.

Fuchsia Dunlop: Die Küche Sichuans
Übersetzung: Helmut Ertl
Christian Verlag
München 2023
496 Seiten
60 Euro

Die ersten 30 Seiten sind eine ausführliche Liebeserklärung an die einzigartigen Gerichte und ihre Entstehungsgeschichte. Was dann folgt, ist eine einzigartige Sammlung ebendieser Rezepte – von vegetarischen und einfach zuzubereitenden Klassikern wie Yuxiang Qiezi (nach Fisch duftende Auberginen) bis zu etwas aufwendigeren Gerichten wie Mala Huoguo (betäubend scharfer heißer Topf).

„Einer so wunderbaren und vielfältigen Küche wie der Sichuans in einem einzigen Buch gerecht zu werden ist ein Ding der Unmöglichkeit“, schreibt Dunlop. Ihr Werk bringt sie dem Leser ein ganzes Stück näher

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