1. Startseite
  2. Finanzen
  3. Banken + Versicherungen
  4. Aktienmarkt: Wieso 2024 ein besseres Jahr für Börsenpremieren werden könnte

AktienmarktWieso 2024 ein besseres Jahr für Börsenpremieren werden könnte

Nach der Flaute im vergangenen Jahr erwarten Experten eine Belebung des Marktes für Neuemissionen. Ob Anleger einsteigen sollten, können sie anhand von fünf Kriterien bewerten.Peter Köhler, Arno Schütze 08.01.2024 - 17:20 Uhr

Frankfurt. Im vierten Quartal 2023 legte der deutsche Aktienmarkt eine ansehnliche Rally hin. Deutsche Firmen konnte dies trotzdem nicht mehr zu Börsengängen motivieren. Denn für die Umsetzung von Initial Public Offerings (IPOs) sei der Aufschwung an den Börsen zu spät gekommen, sagt Stephan Wyrobisch von der Beratungsgesellschaft PwC.

Dabei hatte das vierte Quartal vielversprechend begonnen, einige Kandidaten standen in den Startlöchern. Der Rüstungskonzern Renk hatte seine Erstnotiz bereits fest für Oktober geplant. Als sich die Märkte und die Vergleichsunternehmen aber ungünstig entwickelten, legte das Unternehmen den Börsengang kurzfristig auf Eis. Daraufhin traute sich im Schlussquartal kein weiterer Börsenkandidat mehr, das eigene Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Auch fürs Gesamtjahr 2023 fällt die Bilanz bescheiden aus: In Deutschland wagten sich von den größeren Unternehmen nur der Arzneimittelverpackungshersteller Schott Pharma, die Thyssen-Krupp-Wasserstofftochter Nucera und der IT-Spezialist Ionos aufs Frankfurter Parkett, die Sandalenfirma Birkenstock ging an die Börse in New York.

Ihr Erfolg hielt sich außerdem in Grenzen: Ionos und Nucera notieren aktuell unter ihrem Ausgabepreis, Birkenstock pendelte zuletzt um den Ausgabekurs von 46 Dollar, und nur bei Schott Pharma waren die Anleger von Anfang an in der Gewinnzone.

Einige Kandidaten fürs zweite Halbjahr

2024 nun dürften renditestarke Traditionsunternehmen Kurs auf die deutsche Börse nehmen. Zu den Kandidaten gehören der Parfümhändler Douglas, der Rollstuhlhersteller Sunrise Medical, der Tankkartenanbieter DKV sowie die Bank OLB. Sie zielen allesamt aufs zweite Halbjahr. „Zum Jahresbeginn wird der Markt für Börsengänge schwierig bleiben“, sagt Jens Maurer, Chef der deutschen Investmentbanking-Abteilung von Morgan Stanley.

Auch die für die Flixbus-Marke bekannte Plattform Flix gilt als IPO-Kandidat für 2024, und die Softwarefirma Celonis könnte in diesem Jahr den Börsengang in den USA anpeilen. Die Tourismusplattform Getyourguide will hingegen mit dem Gang aufs Parkett noch warten, ebenso die Personalsoftwarefirma Personio.

Anlegen 2024
Zum Jahreswechsel gibt die Handelsblatt-Redaktion einen Ein- und Ausblick zu verschiedenen Anlageklassen und Geldanlagemöglichkeiten. Die Serie läuft bis Anfang Januar 2024. Die Folgen werden in regelmäßigen Abständen veröffentlicht.
Die Aktienmarktrally ist schon weit gelaufen, und viele Kapitalmarkt-Experten sind optimistisch. Demnach könnte sich der Dax ähnlich gut entwickeln wie der S&P 500.
Börsenboom trotz Wirtschaftskrise: Wird der dreistellige Kurszuwachs unter dem neuen argentinischen Präsidenten Javier Milei weitergehen? Die Chancen sind groß – die Risiken aber ebenso.
Nach Niedrigzinsphase und Zinsanstieg haben sich die Anleihemärkte etwas beruhigt. Jetzt gilt es, das richtige Verhältnis zwischen Chancen und Risiken zu finden.
Die Konjunktur in Europa dürfte Aktien im kommenden Jahr wenig unterstützen. Anleger sollten bei ihrer Aktienauswahl daher zwei zentrale Punkte beachten.
Die Rezessionsgefahr ist noch nicht gebannt, und Investoren warten gespannt auf die nächsten Schritte der Notenbanken. Denn die Zinspolitik dürfte sich 2024 auf den Goldpreis auswirken.
Lange galten die japanischen Börsen-Rekorde aus dem Jahr 1989 als unerreichbar. Doch im kommenden Jahr könnten sie erstmals wieder in Reichtweite geraten.
Die gute Stimmung am US-Aktienmarkt könnte noch eine ganze Weile anhalten, wie aus den Prognosen der Analysten hervorgeht. Gerade der Boom um Künstliche Intelligenz dürfte die Kurse weiter antreiben.
Im Januar könnte ein Bitcoin-ETF genehmigt werden, im April steht das vierte Bitcoin Halving an. Experten überbieten sich mit luftigen Kurszielen. Doch wie seriös sind die Prognosen?
Der 25 Jahre alte Euro ist zwar umstritten, aber stabil. Gegenüber dem US-Dollar könnte er wieder an Stärke gewinnen. Für Schwankungen könnte die Geldpolitik der EZB sorgen.
Mit Aktien aus Emerging Markets haben Anleger lange Zeit wenig Geld verdient. Das könnte sich im kommenden Jahr ändern. Erfolgreiche Fondsmanager stellen ihre Strategien vor.
2024 sieht nach einem eher schwierigeren Jahr für die Anleger aus. Sich auf ein paar Grundsätze fürs Depot zu besinnen kann deshalb sehr nützlich sein.
Preise sinken, Mieten steigen, es wird kaum neu gebaut, und die Zinsen bleiben hoch. Warum Immobilienexperten trotzdem optimistisch in die Zukunft schauen.
Die Preise für Öl und Gas waren 2023 sehr schwankungsanfällig. Auch in diesem Jahr kehrt keine Ruhe auf dem Markt ein. So können Anleger das für sich nutzen.
Zinsen rauf, Inflation runter, hieß es 2023. Eine dieser Entwicklungen soll sich, laut Experten, in diesem Jahr fortsetzen, die andere nicht. Welche Konten nun attraktiv sind.
Finanzinvestoren standen im vergangenen Jahr eher an der Seitenlinie und wurden ihren Ansprüchen nicht gerecht. Viele Transaktionen wurden auf 2024 verschoben. Worauf es jetzt ankommt.
Experten empfehlen, wieder verstärkt auf private Anlagen abseits der Börsen zu setzen. Nur wie? Mit dem Ende der Zinssteigerungen sehen Experten nun ein Comeback der Möglichkeiten.
Nach der Flaute im vergangenen Jahr erwarten Experten eine Belebung des Marktes für Neuemissionen. Ob Anleger einsteigen sollten, können sie anhand von fünf Kriterien bewerten.

Weil viele Unternehmen zu deutlich gestiegenen Zinskosten refinanzieren müssen, könnte es aber vermehrt zu Kapitalerhöhungen kommen, prognostiziert Maurer. Auch das wirtschaftlich herausfordernde Umfeld spräche dafür. Andere deutsche Unternehmen dürften sich nach Alternativen zum Börsengang umschauen, meint Michele Iozzolino von der US-Großbank JP Morgan. Sie könnten sich bei angespanntem Marktumfeld „für eine mögliche Verkaufslösung öffnen“, sagt er.

„Unternehmensgewinne werden in den kommenden Monaten voraussichtlich sinken und die Aktienkurse entsprechend reagieren“, gibt Rainer Langel zu bedenken, Europachef der australischen Investmentbank Macquarie. „In diesem Umfeld wird es für Unternehmen schwierig sein, an die Börse zu gehen.“ Sollte sich die Wirtschaft erholen und sollten die Zinsen sinken, sei bei IPOs im zweiten Halbjahr 2024 mit einer Marktbelebung zu rechnen, so Langel.

Als Anleger Enttäuschungen vermeiden

Dass ein Börsengang auch in einer Enttäuschung enden kann, haben in den vergangenen Jahren viele Anleger erlebt. So bescherten Aktien von Mister Spex (Onlineoptiker), Cherry (Computer-Zubehör), HGears (Antriebstechnik) oder Auto1 (virtueller Autohändler) den Erstzeichnern hohe Verluste. Selbst die Papiere der Porsche AG notieren inzwischen unter dem Ausgabekurs.

Verwandte Themen
Börse
Deutschland

Daher sollten Anleger Kandidaten für Börsengänge auf Grundlage von diesen Kriterien prüfen, bevor sie einsteigen:

  1. Bewertung: Haben die Gesellschaft oder die verkaufenden Aktionäre zu hohe Bewertungsvorstellungen oder werden Aktien unter falschen Gesichtspunkten an die Investoren allokiert, belastet das den Kurs. Werden etwa langfristig orientierten Geldmanagern (Long-Only-Investoren) mehr Aktien zugeteilt, als sie erwartet hatten, und geben sie die Papiere kurz nach Handelsstart wieder ab, drücke das den Kurs, sagt Michael Schlitt, Partner in der Kanzlei Hogan Lovells. Wichtiger Anhaltspunkt für eine faire Bepreisung sei die Bewertung von bereits börsennotierten Firmen mit einem vergleichbaren Geschäftsmodell.
  2. Börsenprospekt: Alle relevanten Informationen zum Börsenkandidaten sind hierin zusammengefasst, einschließlich der Risiken des Geschäftsmodells. Die EU will den Umfang der Prospekte künftig auf maximal 300 Seiten beschränken, denn Investoren dürften nicht durch zu viele Informationen den Blick auf das Wesentliche verlieren. Das sorgt bei Experten für Kritik. „Professionelle Marktteilnehmer kommen mit der Informationsfülle gut zurecht und lehnen die Novelle daher ab“, sagt Freshfields Kapitalmarktexperte Stephan Pachinger.
  3. Research und Ankeraktionäre: Die Researcher der Banken kennen sich in den Branchen des Emittenten gut aus und seien deshalb eine gute Quelle für Bewertungen, sagt Schlitt. Auch Ankeraktionäre, die bereits vor dem Termin des Börsengangs die Übernahme größerer Aktienpakete ankündigen, signalisierten neuen Investoren Vertrauen, heißt es bei den Beratern von EY.
  4. Mindestvolumen: Um einen liquiden Handel zu unterstützen, sollte das gesamte Emissionsvolumen mindestens 500 Millionen Euro betragen. Um viele internationale Investoren anzuziehen, sei auch teils eine Milliarde empfehlenswert.
  5. Equity Story: Besonders bei Tech-Unternehmen sollten Anleger laut Schlitt darauf achten, ob das Kernprodukt ein Alleinstellungsmerkmal hat oder ob es eher eine bekannte Technologie mitgeht.

Auf die Frage, ob Anleger als Erstzeichner einsteigen sollten oder besser zu einem späteren Zeitpunkt, gibt es keine einfache Antwort. Investoren, die bewusst zu einem späteren Zeitpunkt einsteigen, können von einem günstigeren Kaufpreis profitieren – oder mehr zahlen. Bei sehr erfolgreichen IPOs kann ein späterer Zeitpunkt heißen, dass man einen Großteil der Kursgewinne verpasst.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt