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Mein ganz persönlicher Handelsblatt-Jahresrückblick

Tesla-Files, Haushaltskrise und Gazprom – ein Überblick über die besten Berichterstattungen des Handelsblattes im vergangenen Jahr. Und ein Ausblick auf die Zukunft.Sebastian Matthes 30.12.2023 - 08:55 Uhr

Liebe Leserinnen und Leser,

willkommen zurück zu einer allerletzten, etwas anderen Ausgabe dieses Newsletters. Heute wollen wir nämlich nicht nur auf die vergangenen Tage – sondern auf die hinter uns liegenden zwölf Monate schauen. Denn auch für die Handelsblatt-Redaktion war es eine intensive Zeit.

Wir haben mit den Tesla-Filesder größten Recherche in unserer Geschichte, international Schlagzeilen gemacht. Mediendienste nennen es „die Geschichte des Jahres“, weil sie einen der seltenen Blicke hinter die Kulissen des sonst so verschwiegenen Konzerns ermöglicht. Ein Informant hatte dem Handelsblatt massenhaft Daten zugespielt, die aus dem Inneren des Autoherstellers stammen sollen. Die Ergebnisse waren so brisant, dass die Recherche nicht nur internationale Medien, sondern auch US-Staatsanwälte beschäftigte.

Für das Handelsblatt sind die Tesla-Files mehr als nur eine weitere Recherche. Etwa ein Dutzend Reporterinnen und Reporter aus aller Welt waren daran beteiligt und arbeiten bis heute an weiteren Ableitungen der Geschichte. Zuletzt haben die Kollegen des Investigativteams den Whistleblower porträtiert.

Dieser Blick hinter die Kulissen von Unternehmen ist ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit. Wir berichten natürlich ausführlich über unternehmerische Erfolge. Aber zu unseren Aufgaben gehört es eben auch, tief in die Unternehmen zu blicken, falsche Versprechen aufzudecken und wirtschaftliche Macht zu kontrollieren.  

Aber auch andere Recherchen des Handelsblatts sorgten im nun zu Ende gehenden Jahr für Aufsehen.

Meine Kollegen im Berliner Handelsblatt-Büro haben vor einigen Wochen als Erste das gesamte Ausmaß der Haushaltskrise der Bundesregierung beschrieben ...

... ähnlich wurden unsere Berichte über unsere Exklusivmeldungen rund um die Chipförderung der Bundesregierung beachtet, die Steuerpläne der Ampelkoalition, die vielen Initiativen der EU-Kommission und die zahlreichen Interviews mit Ministerinnen und Staatschefs.  

Mir ist besonders eine Geschichte in Erinnerung geblieben, die in der Redaktionskonferenz zunächst gar nicht so groß klang – dann aber zu einer der meistgelesenen Titelgeschichten des Jahres wurde: Es war die Geschichte der dramatischen Rettungsaktion rund um Gazprom in Deutschland, bei der zwei russische Whistleblower verhinderten, dass Wladimir Putin Deutschland ins Energiechaos stürzt.

Ein Team aus Reportern in Brüssel, Berlin und Düsseldorf konnte diese nahezu unglaubliche Geschichte rekonstruieren, an deren Ende man sich fragt, warum Deutschland aus dieser Sache so wenig gelernt hat.

Daneben gab es viele weitere Recherchen aus der Welt großer wie kleiner Unternehmen, die uns in den vergangenen Monaten bewegt haben.

Der Verlauf des Viessmann-Wärmepumpen-Geschäfts, den meine Kolleginnen aus dem Energieteam eng verfolgt haben. Oder die vielen Exklusivgeschichten rund um die Covestro-Übernahme, die Probleme bei Aldi Nord, das radikale Umbauprogramm bei dem VW-Konzern, der Fall des Immobilienmilliardärs René Benko oder die vielen ins Schlingern geratenen Immobilien-Projektentwickler. 

Eine der beliebtesten Rubriken unserer Leserinnen und Leser waren dieses Jahr übrigens unsere großen Unternehmer-Interviews. Für viele Diskussionen hat hier zum Beispiel das Interview mit Peter Thiel gesorgt, dem ehemaligen Trump-Unterstützer und einflussreichen Tech-Vordenker des Silicon Valley. 

Zu den erfolgreichsten Handelsblatt-Projekten des vergangenen Jahres gehört zudem das neue KI-Team rund um Larissa Holzki. Das Team hat nicht nur damit begonnen, alle Aspekte dieser technologischen Revolution zu beleuchten, Hype von Wirklichkeit zu trennen. Es hat auch das überaus erfolgreiche KI-Briefing gestartet, das nach wenigen Wochen bereits mehr als 140.000 Abonnentinnen und Abonnenten hatte. Kennen Sie noch nicht? Dann melden Sie sich gleich hier an.

Gleichzeitig haben wir mit dem KI-Circle einen exklusiven Kreis für Entscheiderinnen und Entscheider aufgebaut, die sich in ihrer Organisation mit der KI-Transformation beschäftigen. 

Transformation war aber nicht nur beim Handelsblatt das Thema des Jahres, auch in vielen Konzernen. Mir ist in diesem Zusammenhang das Zitat des neuen Adidas-Chefs Björn Gulden in Erinnerung geblieben, der in einem ersten Interview über die Neuausrichtung seines Konzerns gegenüber dem Handelsblatt sagte: 

Ich glaube, dass kurzfristige Profitmaximierung gefährlich ist.
Björn Gulden
CEO Adidas

Investoren haben das Interview und seine Ideen für die Zukunft weniger gut aufgenommen. Kurz nachdem es auf der Website stand, sackte die Adidas-Aktie ab. Der Markt war offenbar noch nicht bereit für derartige Botschaften. Recht hat er möglicherweise dennoch. 

Auch der neue Bayer-CEO Bill Anderson hat dem Handelsblatt sein erstes Interview in der neuen Rolle gegeben – und es war wahrscheinlich der ungewöhnlichste Auftritt, den ein Dax-Chef beim Handelsblatt jemals hatte. Normalerweise kommen Konzernchefs wie er zu Redaktionsbesuchen erst nach langen Abstimmungsrunden und mit großer Entourage. 

Der neue Bayer-Chef kam stattdessen mit Rucksack, Sakko und Sneaker. Er sprach über den radikalen Umbau seines Unternehmens, eine neue Führungskultur – und darüber, warum viele Konzerne zu kompliziert geworden sind. Ich fand interessant zu hören, wie weit Anderson über die Grenzen seines Unternehmens hinausdenkt:

Ich denke, dass eine andere Führungskultur und anders aufgebaute Unternehmen eine Antwort auf die Krise der deutschen Wirtschaft sein können.
Bill Anderson
CEO Bayer

Das Interview hat auf meinem LinkedIn-Kanal für Hunderte Reaktionen gesorgt, allein das zeigt, wie groß das Interesse an diesem gewaltigen Umbau ist.

Viele Handelsblatt-Recherchen und Interviews wurden übrigens auch von anderen Medien aufgegriffen. Laut Analysen der Medienbeobachter von Mediatenor liegt das Handelsblatt nach „Bild“ und „Spiegel“ auf dem dritten Platz der meistzitierten Medien in Deutschland, weit vor anderen überregionalen Medien. 

Wichtiger für uns ist aber, was Sie, liebe Leserinnen und Leser zu unserer Arbeit sagen. Einerseits im persönlichen Austausch, den ich mit vielen von Ihnen habe. Aber wir schauen auch ziemlich genau auf die Zahlen. Werden unsere Texte wirklich gelesen? Sind sie zu kurz? Zu lang? Müssen sie grafisch besser gestaltet werden?

Mit solchen und ähnlichen Fragen beschäftigen wir uns täglich in unseren Redaktionskonferenzen. 

Das zahlt sich aus. Nie zuvor hatte das Handelsblatt so viele Abonnentinnen und Abonnenten, rund 140.000 zahlende Leserinnen und Leser sind es mittlerweile, von denen ein großer Teil täglich unsere Angebote nutzt. Die meisten davon, etwas über 80 Prozent, kommen über digitale Kanäle.

Man kann also sagen: Beim Handelsblatt ist die digitale Transformation gelungen. 

Aber so richtig endet die Transformation für uns natürlich nie. Wir werden immer weiter daran arbeiten, unsere Inhalte und Produkte für Sie zu verbessern. Dieses Jahr haben wir für Sie die Website und das E-Paper komplett erneuert und vor allem für das Lesen auf mobilen Geräten optimiert. 

In diesem Tempo wollen wir weitermachen – und deshalb möchte ich Ihnen noch von zwei Projekten erzählen, auf die ich mich 2024 ganz besonders freue.

2024 wollen wir – neben unserem bestehenden Infografik-Team – ein neues Team für Datenjournalismus aufbauen. Das sind Journalisten, die sich darauf spezialisieren, datenbasierte Geschichten digital zu erzählen. Sei es die Entwicklung von Unternehmensgewinnen, neue Dashboards für bestimmte Branchen oder die wichtigsten Energietrends Europas.  

Wir starten im ersten Quartal zudem mit einem neuen Team ein konsequent digital ausgerichtetes Wochenend-Programm. Dafür ergänzen wir am Wochenende künftig die wichtigsten Nachrichten aus Wirtschaft und Politik um Formate, die vertieft analysieren, Debatten provozieren, ungewöhnliche Blickwinkel eröffnen sowie hochwertige Entscheidungshilfen bieten. Ich freue mich auf all das, was da kommt. 

Nun aber wünsche ich Ihnen einen geruhsamen Ausklang dieses Jahres und einen tollen Start ins neue Jahr 2024. 

Ich freue mich auf den weiteren Austausch mit Ihnen oder Begegnungen auf einer der 96 Handelsblatt-Veranstaltungen, auf denen jedes Jahr mehr als 8000 Wirtschaftsentscheider zusammenkommen.

Herzlichst, 

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Ihr Sebastian Matthes

Chefredakteur Handelsblatt

PS: Und wenn Sie noch etwas weiter in die Zukunft blicken wollen, dann möchte ich Ihnen noch meinen Podcast mit der Publizistin und Unternehmerin Miriam Meckel ans Herz legen. Schon zum vierten Mal diskutieren wir zum Jahreswechsel über die wichtigsten Technologietrends der nächsten Monate. Und dieses Mal, so viel sei verraten, geht es vor allem um Künstliche Intelligenz, aber auch die Frage, was diese technologische Disruption für uns als Gesellschaft bedeutet – zum Beispiel in Schulen, Universitäten oder in Unternehmen, wo eines Tages viele Entscheidungen womöglich nur noch mithilfe von KI getroffen werden. 

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