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GastkommentarDeutschland könnte bei KI eine Schlüsselrolle übernehmen

Das Land hat alles, um vorne mitzuspielen. Wäre da nicht der Widerstand gegen Innovationen. Ausgerechnet die Autobranche liefert ein abschreckendes Beispiel, mahnt Yaron Valler. 31.01.2024 - 15:52 Uhr aktualisiert
Der Autor Yaron Valler ist Mitgründer und Partner des Technologieinvestors Target Global. Foto: Privat/Imago[M]

Bei Künstlicher Intelligenz (KI) gibt es eine grundlegende Wahrheit: Fortschritt ist unvermeidlich. Auch Deutschland sollte von dieser Wahrheit profitieren und die Möglichkeiten, die KI bietet, in seine Lebensbereiche implementieren. Die Bundesrepublik verfügt über hohe technische Kompetenz und ein solides Bildungssystem, um in der kommenden KI-Ära sogar eine Schlüsselrolle zu übernehmen. Sie hat viel zu verlieren, wenn sie es nicht tut.

Schon jetzt übt KI erheblichen Einfluss beispielsweise auf die medizinische Diagnostik und die Fintech-Branche aus. In der medizinischen Diagnostik revolutioniert sie das Gesundheitswesen, indem sie die Entwicklung fortschrittlicher Diagnoseinstrumente ermöglicht und bei der Erstellung personalisierter Behandlungspläne hilft. In der Fintech-Landschaft trägt KI dazu bei, individualisierte Finanzprodukte und -dienstleistungen zu entwickeln, Betrugserkennungssysteme zu identifizieren und betrügerische Transaktionen zu verhindern.

Deutschland sollte KI schnell in Industrie, Dienstleistung und Verwaltung integrieren

Deutsche Entwickler und Hersteller streben nach einem eigenen Large Language Model (LLM), also einem generativen Sprachmodell mit KI. Dies könnte allerdings aufgrund unzureichender finanzieller Ressourcen für einen substanziellen Wettbewerb mit Wirtschaftsmächten wie China oder den US unklug sein.

Bereits bei der Digitalisierung ist die Bundesrepublik mehr schleppend als schnell vorangekommen. Es würde jetzt eher den Möglichkeiten Deutschlands entsprechen, bestehende LLMs für konkrete Anwendungen und Marktangebote zu nutzen – und KI-Anwendungen möglichst zügig in Industrie, Dienstleistung und Verwaltung zu integrieren.

Der technologische Wandel ist offensichtlich und auch nicht mehr aufzuhalten. Und doch gibt es erhebliche Bedenken. Experten äußern sich immer wieder besorgt über potenzielle Risiken einer zu schnellen und unbedachten Einführung von KI-Anwendungen. Sie könne dazu führen, das Leben, wie wir es kennen, als überflüssiges und ineffizientes Relikt der Vergangenheit abzutun.

Ohne Kapitalzufuhr, Bürokratieabbau und den Mut, die Chancen zu nutzen, geht es nicht

Ich bin eher vorsichtig mit solchen Behauptungen und möchte versuchen, den Skeptikern ein anderes Bild zu vermitteln: Der wesentliche Impuls von Innovation besteht ja darin, etwas Neues zu versuchen, wenn es sich realisieren lässt. Deutschlands Vorsprung in der technischen Ausbildung ist eine hervorragende Grundlage für dieses Streben. Die Verbindung dieses Vorteils mit den Produktionsfähigkeiten des Landes könnte im globalen Wettbewerb um die KI einen entscheidenden Wendepunkt darstellen und Deutschland zu neuen Höhen seiner Wettbewerbsfähigkeit verhelfen.

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Seit Januar 2022 investiert das Land in erheblichem Umfang in Forschung und Entwicklung, um seine Position bei technischen Innovationen auszubauen. Wichtig ist: Die Stärkung des innovativen Ökosystems – Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Start-up-Cluster – erfordert Kapitalzufuhr, Bürokratieabbau und den Mut, die Chancen zu nutzen.

Es gibt etliche Beispiele, die das Engagement Deutschlands für Forschung, Entwicklung und technischen Fortschritt unterstreichen. Doch trotz der Bemühungen, die Einführung der KI so reibungslos wie möglich zu gestalten, ist hierzulande auch erheblicher Widerstand gegen Innovation und technologische Entwicklung zu beobachten. Abschreckendes Beispiel: der Automobilsektor, der bei der Einführung von Elektroautos und Selbstfahrtechnik hinterherhinkt, mit der Folge des Verlusts an Marktbedeutung. Eine Wiederholung in anderen Branchen kann sich Deutschland nicht leisten.

Wenn es gelingt, das Potenzial der KI voll auszuschöpfen und gleichzeitig die ethischen und gesellschaftlichen Auswirkungen zu kontrollieren, werden die Weichen für eine neue Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands gestellt sein.

Es sind meist ethische Bedenken gegen die schnelle Einführung KI-gestützter Technik, die die deutsche Herangehensweise beeinflussen. Ethische Erwägungen sind zwar wichtig, könnten jedoch aufgrund zu strenger Auflagen der Wettbewerbsfähigkeit des Landes schaden.

Einen bemerkenswerten und guten Schritt hat die Europäische Union (EU) mit ihrem neuen KI-Gesetz gemacht. Mit dieser pragmatischen Regelung bietet sie Deutschland und anderen EU-Ländern nun bessere Bedingungen und Rechtssicherheit, um die Chancen der KI zu nutzen.

Deutschlands Ausbau der KI erfordert ein sensibles Gleichgewicht. Die Zukunft der KI ist für die Deutschen eben nicht nur ein technologisches Projekt, sondern auch ein strategischer Imperativ. Wenn es gelingt, das Potenzial der KI voll auszuschöpfen und gleichzeitig die ethischen und gesellschaftlichen Auswirkungen zu kontrollieren, werden die Weichen für eine neue Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands gestellt sein.

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Es ist an der Zeit, dass das Land handelt. Es gibt einfach zu viel zu verlieren, wenn andere Nationen die Rolle übernehmen, die Deutschland in der KI übernehmen könnte und sollte.

Der Autor:
Yaron Valler ist Mitgründer und Partner des Technologie-Investors Target Global.

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