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FreseniusGesundheitskonzern stellt Reha-Kliniken der Tochter Vamed zum Verkauf

Fresenius will seine Reha-Kliniken verkaufen. Der Finanzinvestor Waterland könnte die Sparte mit dem eigenen Klinikgeschäft verschmelzen. Doch auch andere sind interessiert.Arno Schütze, Maike Telgheder 29.01.2024 - 12:31 Uhr
Seine Reha-Kliniken zählt Fresenius nicht mehr zum Kerngeschäft. Foto: dpa

Frankfurt. Der Gesundheitskonzern Fresenius will sich von einem weiteren Randbereich trennen. Das Unternehmen hat Finanzkreisen zufolge die Reha-Kliniken seiner Tochter Vamed zum Verkauf gestellt. Zu den Bietern, die es in die zweite Runde eines laufenden Auktionsprozesses geschafft haben, zählt der Finanzinvestor Waterland, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten.

Waterland ist Eigentümer der Reha-Klinikkette Median, die mehr als 430 Krankenhäuser und Einrichtungen in Deutschland, Großbritannien und Spanien betreibt. Bei einer Fusion mit diesem Geschäft könnten Synergien erzielt werden, weshalb Waterland möglicherweise mehr bieten könne als andere Investoren, hieß es.

Drei andere Finanzinvestoren, darunter die im Gesundheitssektor ebenfalls sehr aktive PAI, seien ebenfalls weiter und sollen bis Ende Februar finale Gebote abgeben. Bei dem Deal könnte die Einheit mit etwa 600 Millionen Euro bewertet werden, hieß es in den Finanzkreisen. Als Verkaufsberater fungiere die Schweizer Bank UBS. Fresenius, die möglichen Bieter und die UBS lehnten Stellungnahmen ab. 

Fresenius will mit Verkäufen Schulden abbauen

Der seit Oktober 2022 amtierende Fresenius-Chef Michael Sen steht unter Druck des aktivistischen Investors Elliott. Der Hedgefonds hatte gefordert, Schulden abzubauen und den Konzern schlanker aufzustellen. Allerdings hat Elliott Finanzkreisen zufolge zuletzt seine Position etwas reduziert.

Auch um die Schuldenlast zu reduzieren, will sich das Fresenius-Management von einer Handvoll Geschäftseinheiten trennen. Unter anderem hatte der Dax-Konzern die erst 2020 erworbenen Kinderwunsch-Kliniken Eugin verkauft.

Konzernchef Sen hatte im Rahmen seiner Neuausrichtung Kabi und Helios als operatives Kerngeschäft von Fresenius definiert. Vamed wird nunmehr als Finanzbeteiligung geführt. Der Gesundheitskonzern hält 77 Prozent an dem Unternehmen, das seit 1996 mehrheitlich zu Fresenius gehört. Zehn Prozent gehören der österreichischen B&C Industrieholding, 13 Prozent hält der österreichische Staat über seine Beteiligungsgesellschaft Öbag.

Fresenius-Chef Michael Sen hat Vamed nicht mehr als Kernbereich definiert. Foto: IMAGO/STAR-MEDIA

Vamed ist die kleinste Tochter im Fresenius-Konzern, zu dem neben Helios noch die Medikamentensparte Kabi gehört. Der Dialysespezialist Fresenius Medical Care wurde Ende vergangenen Jahres abgespalten.

Vamed hatte zuletzt vor allem wegen Problemen im Projektgeschäft mit Gesundheitseinrichtungen massiv an Gewinn eingebüßt. Die Sparte hatte in den vergangenen Jahren auf Wachstum und Internationalisierung gesetzt. Das ging zulasten der Profitabilität, insbesondere weil sich durch die Coronapandemie viele Projekte verzögerten und die Kosten stiegen. Während der Umsatz 2022 noch um zwei Prozent auf 2,3 Milliarden Euro stieg, brach der Gewinn um 99 Prozent auf eine Million Euro ein.

Zu der Sparte gehören neben den Rehakliniken Dienstleistungen wie die Bewirtschaftung der Medizintechnik, Krankenhausbetriebstechnik und Sterilgutversorgung sowie eine Einheit, die sich um die Planung, Errichtung und den Betrieb von Gesundheitseinrichtungen dreht. Die Palette der Vamed-Aktivitäten reicht dabei von Wellnessoasen in Österreich bis hin zu Geburtskliniken in Kenia

In den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres hat Vamed bei einem Umsatz von 1,76 Milliarden Euro einen Verlust von 74 Millionen Euro eingefahren. Angesichts der fortdauernden Probleme bei Vamed hatte Sen im Juni durchgegriffen und das Führungsteam umgebaut.

Im Sommer wurde zudem ein umfassendes Restrukturierungsprogramm für Vamed verkündet. Unter anderem soll das Projektgeschäft neu ausgerichtet werden. Im Servicegeschäft will man sich aus Tätigkeiten, die nicht zum Kerngeschäft gehören, zurückziehen.

Reha-Geschäft ist kein Problemfall bei Vamed

Für das Einstellen von Geschäftsaktivitäten und damit verbundenen Wertberichtigungen und Rückstellungen wurden bei Vamed im zweiten Quartal bereits negative Sondereffekte in Höhe von 332 Millionen Euro gebucht. Im dritten Quartal kamen noch einmal Sondereffekte für die Transformation in Höhe von 109 Millionen Euro hinzu. Allerdings verbesserte sich die Geschäftslage etwas. Im Jahresendquartal soll das operative Ergebnis (Ebit) wieder positiv ausfallen.

Das Reha-Geschäft und die spezialisierten Dienstleistungen gehören nicht zu den Problemfällen von Vamed. Sie sind in ziemlich guter Verfassung und agieren in attraktiven Märkten, wie Fresenius-Chef Sen vergangenes Jahr gegenüber Analysten betonte. Finanzkreisen zufolge erwirtschafteten beide Bereiche zusammen zuletzt einen Umsatz zwischen 600 und 700 Millionen Euro.

2018 Jahren hatte das damalige Fresenius-Management unter anderem 17 Rehakliniken, elf Pflegeeinrichtungen und 13 Servicegesellschaften von Helios an die Vamed überführt, um dort die Reha- und Pflegekompetenzen zu bündeln. 

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Erstpublikation: 25.01.2024, 07:44 Uhr.

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