Energie: Uniper ist wieder profitabel – muss aber wohl Milliarden an den Staat zurückzahlen
Düsseldorf. Der Gasimporteur Uniper hat vorläufige Geschäftszahlen für das Jahr 2023 vorgelegt: Der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (adjusted Ebit) liegt bei über 6,3 Milliarden Euro, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte. Der bereinigte Nettogewinn liegt bei 4,4 Milliarden Euro. Beide Werte sind innerhalb der Prognose.
Die Zahlen fallen deutlich besser aus als im Vorjahr. 2022 hatte Uniper ein bereinigtes Ebit von minus zehn Milliarden Euro und einen bereinigten Nettoverlust von sieben Milliarden Euro verbucht. In dem Krisenjahr hatte Russland seine Lieferungen von Pipelinegas nach Deutschland eingestellt. Das hatte vor allem den Importeur Uniper getroffen, der stattdessen teures Gas auf dem Weltmarkt kaufen musste. Der Staat übernahm damals 99 Prozent der Uniper-Aktien, um das Unternehmen zu retten.
Derzeit steht Uniper wieder solide da. Allerdings teilte der Uniper-Chef Michael Lewis am Donnerstag auch mit, dass Uniper eine Rückstellung bilden werde, um Geld an den Staat zurückzuzahlen. Diese Rückstellung soll 2,3 Milliarden Euro betragen, wie das Unternehmen mitteilte.
Denn die Europäische Kommission hatte die Rettungsaktion nur unter einer Auflage geduldet: Der deutsche Staat durfte Uniper zwar mit Beihilfen von rund 13,5 Milliarden Euro retten. Dadurch soll Uniper aber gegenüber anderen europäischen Konzernen keinen unfairen Wettbewerbsvorteil erhalten. Deshalb muss ermittelt werden, wie viel überschüssiges Kapital Uniper erhalten hat, das nicht zur unmittelbaren Bewältigung der Krise genutzt wurde. Dazu wird verglichen, wie viel Eigenkapital Uniper jeweils vor und nach der Krise hatte. Überschüsse muss Uniper an seinen Eigner – also das Bundesfinanzministerium – zurückzahlen.
Die exakte Höhe der Rückzahlung hängt vom Gesamtergebnis des Jahres 2024 ab und wird Anfang 2025 fällig.
Gutes Ergebnis dank Einmaleffekt
Die Rückzahlung soll aus liquiden Mitteln gezahlt werden und ist unabhängig von einem Verkauf der Aktien. Der Staat bleibt vorerst weiterhin Eigner von rund 99 Prozent der Anteile. Er muss seine Anteile laut EU-Vorgaben erst bis 2028 auf maximal 25 Prozent plus eine Aktie reduzieren.
Es ist allerdings wahrscheinlich, dass der Staat bereits vor diesem Datum wieder Aktien abgibt. Eine Idee ist ein „Re-IPO“, also ein erneuter Börsengang von Uniper. Dieser könnte Branchenkreisen zufolge womöglich bereits 2025 erfolgen. Einzelne Investoren sollen schon Interesse an Anteilen bekundet haben.
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Die vollständige Jahresbilanz legt Uniper am 28. Februar vor. Klar ist bereits, dass der Konzern 2023 von den Entwicklungen an den Energiemärkten profitiert hat. Unterm Strich konnte er Energie wieder günstiger einkaufen als verkaufen und so Gewinne erzielen. Außerdem betreibt Uniper selbst Kohle- und Gaskraftwerke, deren Strom das Unternehmen gewinnbringend veräußern konnte.
Ob sich Uniper weiterhin so gut entwickelt, ist unklar. Vor allem fiel im Geschäftsjahr 2023 ein Einmaleffekt ins Gewicht: Uniper hat von Termingeschäften zur Absicherung seiner offenen Gaslieferverpflichtungen profitiert, nachdem Russland seine Lieferungen eingestellt hatte. Das trug 2,3 Milliarden Euro zum Ergebnis bei.
Milliardeninvestitionen geplant
In den kommenden Jahren bis 2030 will Uniper acht Milliarden Euro investieren, um seine Geschäftsbereiche nachhaltiger aufzustellen. Das Geld soll unter anderem in erneuerbare Energien fließen. Vor allem aber könnte eine substanzielle Summe in neue Gaskraftwerke investiert werden.
Die Bundesregierung hatte Anfang Februar angekündigt, dass neue Gaskraftwerke mit einer Gesamtkapazität von zehn Gigawatt ausgeschrieben werden sollen. Diese Kraftwerke sollen die Stromversorgung Deutschlands sichern, wenn wenig Solar- oder Windstrom entsteht und immer mehr Kohlekraftwerke vom Netz gehen.