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Globale TrendsBücher für die Kleinen, moderne Lernsoftware für die Großen

Laut OECD steht die Nutzung digitaler Systeme in den Schulen noch immer am Anfang. Dabei gibt es viel Potenzial bei modernen Anwendungen – außerhalb der Hardware.Thomas Hanke 28.02.2024 - 11:13 Uhr
Informatik-Klassenraum: In Deutschland verbringen 31,4 Prozent der Schüler und Schülerinnen mehr als 20 Stunden für Unterrichtszwecke an Computern oder Laptops. Foto: imago images/Trotec PR

Bund und Länder diskutieren über einen „Digitalpakt 2“ für die Ausstattung der Schulen mit schnellen Internetanschlüssen und digitalen Endgeräten. Die rund 6,5 Milliarden Euro des ab 2019 geltenden ersten Paktes sind ausgeschöpft, rund 70 Prozent der 40.000 Schulen haben laut Bundesbildungsministerium davon profitiert. Doch wie viele von ihnen tatsächlich mit WLAN und Endgeräten für die Schüler ausgerüstet sind, weiß niemand. Bayern sagt, praktisch alle Schulen verfügten über WLAN.

Vor rund 30 Jahren zogen die ersten Computer in deutsche Klassenzimmer ein. Doch die Chancen der Digitalisierung bleiben ungenutzt. Die OECD, Thinktank der 38 reichsten Volkswirtschaften, schreibt in ihrem jüngsten Ausblick zur Digitalisierung der Bildung vom Dezember 2023: „Die Nutzung von Daten, um Schülern zu helfen, besser zu lernen, Lehrern zu helfen, besser zu unterrichten … ist noch im Entstehen begriffen.“

Die Ursachen sind vielfältig: Teils fehlt es noch an Endgeräten und einem stabilen WLAN; Schulen müssen sich einen IT-Beauftragten mit vielen anderen teilen; nahezu flächendeckend fehlen vorbereitete Lehrkräfte. „In Deutschland hapert es an der notwendigen Aus- und vor allem systematischen Weiterbildung der Lehrkräfte, ohne die wir die Möglichkeiten der Digitalisierung nicht ausschöpfen können“, stellt Ralph Müller-Eiselt fest, Vorstand des Forums Bildung-Digitalisierung, ein Verein von zehn großen deutschen Stiftungen.

Dabei verbringen Schüler laut einer Pisa-Auswertung aus dem Jahr 2022 viele Wochenstunden für Unterrichtszwecke an Computern oder Tablets: in Deutschland 31,4 Prozent von ihnen mehr als 20 Stunden, fast zwei Drittel mehr als zehn Stunden.

Doch dabei kommen sie in den meisten Fällen nicht mit den Anwendungen in Kontakt, die große Lernfortschritte ermöglichen würden. Denn die können entweder nicht beschafft werden oder die Lehrkräfte können sie nicht einsetzen. „Die Beschaffung pädagogisch sinnvoller Software scheitert in Deutschland noch oft an den getrennten Verantwortlichkeiten für innere und äußere Schulangelegenheiten, die den Ländern bzw. Kommunen obliegen“, erläutert Müller-Eiselt.

Tablet als Lesebuch falsch eingesetzt

Doch als elektronisches Lesebuch ist ein Tablet falsch eingesetzt. Schweden hat Ende 2023 daraus und aus exzessiver Bildschirmzeit – 40 bis 80 Stunden in der Freizeit – die Schlüsse gezogen. Das Land nutzt keine Bildschirmgeräte mehr in Vorschulen und lässt nicht mehr auf Tablets, sondern in Büchern lesen lernen. Dafür will das Land mehr fortgeschrittene Software im Unterricht der höheren Klassen einsetzen.

Die könnte auch bei uns dabei helfen, Probleme zu lindern: die große Zahl von Schulabbrechern und schlechte Pisa-Leistungen im Lesen und in Mathematik. Oder die auch bei vielen deutschen Schülern und Schülerinnen diagnostizierte Lese-Rechtschreib-Schwäche oder Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung entschärfen.

Neue verfügbare Anwendungen, die auf Künstlicher Intelligenz basieren, können hier weiterhelfen. Sie übertragen etwa Text in gesprochene Sprache oder fesseln die Aufmerksamkeit besser, als es eine normale schriftliche Aufgabe kann. Einige lehnen sich an Gaming-Software an, bieten durch den Erwerb höherer Level schnelle Belohnung für gelöste Aufgaben.

Die besten mittlerweile verfügbaren Programme können „die Fortschritte der Lernenden verfolgen und feststellen, wo sie Hilfe benötigen und wo sie überdurchschnittlich gut sind“, erläutert die OECD. Sie können Lehrkräfte dabei unterstützen, das Lehren und Lernen im Klassenzimmer individueller zu gestalten. Schüler können unter der Aufsicht ihrer Lehrkräfte mit mehr Autonomie und Engagement arbeiten.

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KI-basierte Lernsoftware ist ein Teil der Lösung. Doch solange sie nicht richtig eingesetzt werden kann, erleben Lehrer große Sprachmodelle nur als Problem: weil ihre Schüler sie auf eigene Faust nutzen, um Texte zu schreiben oder andere Aufgaben zu lösen.

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