Wall Street: Dow, S&P und Nasdaq schließen auf Rekordhoch: Nvidia befeuert Börsenrally
New York, Düsseldorf. Die starken Zahlen des Chipkonzerns Nvidia haben Börsen weltweit zu neuen Höchstständen verholfen. Alle drei wichtigen Indizes in den USA beendeten den Tag mit neuen Rekorden: Der marktbreite S&P 500, der meistbeachtete Aktienindex der Welt, stieg um rund zwei Prozent auf eine neue Bestmarke von 5087 Punkten.
Nvidia selbst schrieb am Donnerstag auch Wall-Street-Geschichte: Die Aktie gewann an dem Tag 277 Milliarden Dollar an Marktwert hinzu. Damit stellte sie Meta in den Schatten. Der Mutterkonzern von Facebook hatte erst Anfang Februar 197 Milliarden Dollar an einem Tag zugelegt. Die Nvidia Aktie legte Am Donnerstag um 16 Prozent zu und schloss mit 785,38 Dollar ebenfalls auf dem höchsten Stand aller Zeiten.
Der Chiphersteller hatte am Mittwochabend kurz nach Börsenschluss seine Bilanz fürs vierte Quartal offengelegt. Der Konzern hat die Erwartungen im Vorfeld hinsichtlich Gewinn- und Umsatzentwicklung deutlich übertroffen und damit eine neue Euphorie an den Märkten ausgelöst. Nvidia verkauft hochleistungsfähige Chips, die für Anwendungsfelder Künstlicher Intelligenz (KI) benötigt werden.
Legt man die vergangenen 52 Handelswochen zugrunde, hat die Aktie mehr als 270 Prozent an Wert gewonnen. Analysten von Goldman Sachs bezeichneten sie kürzlich als „wichtigste Aktie der Welt“.
Die Euphorie könnte den amerikanischen Aktienmärkten erneut Rückenwind geben, glaubt Andrew Tyler, Aktienstratege von JP Morgan Chase. Die guten Nvidia-Zahlen und der Optimismus über Künstliche Intelligenz (KI) würde die Diskussion um die weitere Zinspolitik der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) in den Hintergrund treten lassen, schrieb er. Noch vor wenigen Wochen waren Anleger verunsichert, weil die Fed die Zinsen doch erst deutlich später senken könnte als zunächst angenommen.
Auch der unabhängige Kapitalmarktberater Ed Yardeni sieht noch Luft nach oben. Er geht davon aus, dass der S&P 500 zum Jahresende bei 5400 Punkten stehen könnte.
Nvidia trieb am Donnerstag auch weitere Chipwerte in den USA nach oben. Die Papiere von Rivalen wie Super Micro Computer, Arm, AMD und Marvell gewannen in ihrem Sog zwischen gut vier und mehr als 32 Prozent. Gefragt waren auch die Titel anderer Technologiekonzerne wie Microsoft, Amazon und Meta, die um gut zwei bis knapp vier Prozent zulegten.
An anderen Handelsbörsen zeigt sich ein ähnliches Bild. Im Dax etwa zählt Infineon zu den am stärksten gefragten Werten, in Amsterdam ASML.
Positive Signale vom Jobmarkt
Positive Daten vom US-Arbeitsmarkt tragen zur guten Stimmung bei. Die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe ist unerwartet gefallen: um 12.000 auf 201.000 Anträge (Erwartung: 216.000).
Die Zahl der Anträge gilt als zeitnaher Indikator für den amerikanischen Arbeitsmarkt. Sie liegt weiter auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau, was auf einen robusten Arbeitsmarkt hindeutet.
Die Zahlen sind auch relevant aus geldpolitischer Sicht. Das Mandat der US-Notenbank Fed umfasst neben Preisstabilität auch Vollbeschäftigung. Insofern achten die Währungshüter ganz genau auf Signale vom Jobmarkt. In den USA gibt es derzeit – analog zur Euro-Zone – kontroverse Debatten um den Zeitpunkt für die erste Zinssenkung.
Der US-Währungshüter Patrick Harker hält eine Zinssenkung im Mai noch immer für möglich. Der Chef des Notenbankbezirks Philadelphia sagte am Donnerstag, diese Option sei „nicht vom Tisch“, auch wenn es derzeit nicht seine Prognose sei. Es müssten noch einige Monate Daten gesichtet werden, um Vertrauen zu schöpfen, dass die Inflation tatsächlich wieder auf das Ziel der Notenbank von zwei Prozent zusteuere. An den Terminmärkten wird mit einer Zinswende erst im Juni gerechnet - die Chancen dafür werden auf etwa 66 Prozent geschätzt.
Der Vize-Chef der Federal Reserve, Philip Jefferson, sieht den Weg für eine geldpolitische Kurswende im laufenden Jahr weitgehend geebnet. „Ich bleibe vorsichtig optimistisch, was unsere Fortschritte bei der Inflation angeht“, sagte er am Peterson Institute for International Economics. Wenn sich die Wirtschaft im Großen und Ganzen wie erwartet entwickele, werde es wahrscheinlich angebracht sein, im Jahresverlauf mit der Lockerung der Geldpolitik zu beginnen. Einen Zeitpunkt nannte er jedoch nicht.
Die Fed hat bereits klargemacht, dass sie nichts übereilen will. Wie aus den Protokollen der Zinssitzung von Ende Januar hervorgeht, wiesen die meisten Teilnehmer des Treffens auf die mit einer zu frühen Zinssenkung verbundenen Risiken hin.
Weitere Einzelwerte im Fokus
Royal Caribbean: Bei anderen Einzelwerten griffen Anleger angesichts steigender Buchungszahlen und verbesserter Gewinnaussichten bei den Aktien von Royal Caribbean zu. Die Titel des Kreuzfahrtanbieters gewannen 6,67 Prozent.
Der Konzern hob seine Gewinnziele für das laufende Jahr an. Als Grund für den Optimismus nannte Royal Caribbean eine „robuste Nachfrage“ während der sogenannten Wellensaison. Gemeint ist damit der Zeitraum von Januar bis März, in dem die Branche Sonderangebote und Rabatte anbietet. Papiere der Rivalen Carnival und Norwegian Cruise Line stiegen ebenfalls um 4,5 und gut zwei Prozent
Moderna: Das US-Biotechunternehmen verzeichnete im vergangenen Jahr einen Umsatzrückgang von gut 64 Prozent auf 6,85 Milliarden Dollar. Unter dem Strich fiel ein Verlust von 4,7 Milliarden Dollar an nach einem Gewinn von 8,4 Milliarden vor Jahresfrist. Analysten hatten aber mit noch stärkeren Rückgängen gerechnet. Daher legte die Aktie um 13,53 Prozent zu.
Lucid: Anders sieht es bei Lucid aus: Der E-Auto-Hersteller hat die Umsatzziele im vergangenen Quartal verfehlt (157 statt 180 Millionen Dollar). Cantor Fitzgerald reagierte mit einer Abstufung der Lucid-Aktie auf „Underperform“. Die Aktie büßte 16,76 Prozent an Wert ein.
Rivian: Infolge schwacher Zahlen fürs vergangene Quartal baut der E-Auto-Hersteller zehn Prozent der Belegschaft ab. Rivian machte einen Verlust von 1,36 Dollar je Aktie, was leicht über den Erwartungen liegt. Der Umsatz hingegen übertraf die Prognosen. Rivian-Titel brachen dennoch um 25,6 Prozent ein.
Etsy: Wiederum gemischtes Zahlenwerk hat der Onlinehändler Etsy vorgelegt. Der Umsatz lag über den Erwartungen, der Gewinn je Aktie aber mit 62 Cent unter den Erwartungen von 78 Cent. Das drückte die Titel um 8,44 Prozent.
DoorDash: Der Essenslieferdienst profitiert von einer Hochstufung durch die Experten von Morgan Stanley, die fortan dazu raten, die Aktie überzugewichten. Sie verweisen auf die positiven Aussichten und einen gegenwärtig attraktiven Einstiegszeitpunkt. Die Aktie legte um 5,86 Prozent zu.
Mit Agenturmaterial.