Morning Briefing Plus – Die Woche: Ist dein Mikro noch stumm?
Liebe Leserinnen und Leser
willkommen zurück zu unserem Blick auf die wichtigsten Ereignisse der vergangenen Tage, womit wir bei Videokonferenzen wären, die mittlerweile fast jeder unfallfrei bedienen kann. Okay, die Taste zum „entmuten“ des Mikrofons, das klappt auch nach vier Jahren noch nicht immer.
Was uns zum Fall der deutschen Luftwaffenoffiziere bringt. Von denen hätte man sich gewünscht, dass sie ihr Mikro niemals eingeschaltet hätten, als sie im Plauderton über Taurusraketen, die Krimbrücke, Olaf Scholz und britische Militärgeheimnisse fachsimpelten und ausgespäht wurden.
Über diesen Abhörskandal ist in den vergangenen Tagen viel geschrieben worden. Über den unbedarften Umgang mit Technik, über das Entsetzen der westlichen Verbündeten. Doch all das ist nur ein weiteres Kapitel in der langen Serie von Pannen des deutschen Sicherheitsapparats, die dazu führt, dass Deutschland längst zu einem Spionagenest geworden ist. Wie es dazu kam und welche Auswege es gibt, erklären wir in diesem großen Report zum Wochenende.
Am Ende dieser Woche ist allerdings eine Frage noch immer nicht geklärt: Wie kann so etwas ausgerechnet in einem Land passieren, in dem mehr als 1770 Gesetze mit knapp 51.000 Einzelnormen gelten? Ein Land, das Menschen vorschreibt, nicht im Gleichschritt über Brücken zu gehen? Wenn die vielen Regeln und Vorschriften für irgendetwas gut sind, dann doch genau dafür, solche „Anwendungsfehler“ zu verhindern.
Vielleicht haben wir vor lauter Regeln aber auch einfach übersehen, dass nicht nur die Ausstattung der Bundeswehr in einem beklagenswerten Zustand ist. Um die Fähigkeiten der deutschen Dienste ist es nicht viel besser bestellt. Die Bundesregierung sollte die Krise deshalb für eine fundamentale Restrukturierung des gesamten Sicherheitsapparats nutzen. In meinem Leitartikel finden Sie ein paar Vorschläge, wie das aussehen könnte.
Wenn Sie nun überlegen, wie Sie Ihre eigene Kommunikation sicherer machen können, dann sollten Sie diesen Text lesen.
Was uns diese Woche sonst noch beschäftigt hat:
1. Nach dem Aus von Nikki Haley läuft es im US-Präsidentschaftswahlkampf wieder auf das Duell zwischen Donald Trump und Joe Biden hinaus. Aber wie geht es nun weiter? Was kann Trump noch aufhalten? Welche Chancen hat US-Präsident Joe Biden, der plötzlich forsche Töne anschlägt? Und was sagen die aktuellen Umfragen? All das lesen Sie in der großen Analyse von Annett Meiritz.
2. All das führt dazu, dass die Handelsbeziehungen zwischen den USA und Europa ins Stocken geraten, beobachtet mein Kollege Julian Olk, der gerade mit Wirtschaftsminister Robert Habeck durch die USA reist. Die deutschen Exporte in die USA gehen zurück, was viele Gründe hat. Fakt ist aber, dass die USA auch unter Biden eine protektionistische Politik verfolgen, mehr denn je. Das wird Habeck bei seiner Reise sehr zu spüren bekommen.
3. Ich weiß nicht, wie es bei Ihnen war, aber unsere Redaktion war diese Woche ziemlich leer. Busse, Bahnen und die Lufthansa waren lahmgelegt. Künftig will die Mini-Gewerkschaft der Lokführer sogar unangekündigt streiken. Ich denke, es ist an der Zeit, eine andere Debatte zu führen: Das Streikrecht muss eingeschränkt werden, wenn es um kritische Infrastruktur geht. Gottseidank läuft diese Debatte wieder, wie diese Analyse unseres Berliner Büros zeigt.
4. Aldi Süd ist längst der am schnellsten wachsende Lebensmittelhändler in den USA. Nun plant der Discounter dort eine Mega-Investition: Das Unternehmen will in den USA neun Milliarden Dollar investieren und 800 neue Filialen eröffnen. Warum es für Aldi in den USA so gut läuft, hat Florian Kolf für Sie analysiert.
5. Meine Kollegin Yasmin Osman hat diese Woche ein fulminantes Interview mit Commerzbank-Finanzvorständin Bettina Orlopp geführt, einer der wenigen weiblichen CFOs in europäischen Großbanken. Die beiden sprechen nicht in erster Linie über Banken, sondern über den Alltag als Führungskraft, Netzwerke, Mentoren, den Aufstieg im Konzern – und ihren wichtigsten Karrieretipp. Es ist nicht nur ein sehr persönliches Gespräch geworden, sondern auch eins, aus dem man viel lernen kann.
6. Lange hieß es, Europa sei in Sachen KI ziemlich abgemeldet. Dabei gibt es zwei Unternehmen, die auch international für Aufmerksamkeit sorgen: Mistral AI aus Paris hat ein KI-Modell entwickelt, das in einigen Aspekten besser als ChatGPT sein soll. Das KI-Modell Luminous des deutschen Konkurrenten Aleph Alpha ist hingegen bereits zweieinhalb Jahre alt. Welches hat wirklich Chancen im internationalen KI-Rennen? Lesen Sie hier den Check der europäischen KI-Stars.
7. Die Börsen scheinen sich längst von der Realität entkoppelt zu haben: Während die Wachstumsprognosen der Ökonomen längst die Nulllinie erreicht haben, schwingt sich der Dax von Rekord zu Rekord. Wie lange soll das noch so weitergehen? Börsenexperte Ulf Sommer hat die wichtigsten Zahlen ausgewertet – mit einem durchaus überraschenden Ergebnis.
8. Wer versuchen möchte, ein wenig Orientierung angesichts einer zunehmend chaotisch anmutenden Weltlage zu erlangen, der sollte mit Herfried Münkler sprechen, schreiben meine Kollegen Sven Prange und Jens Münchrath – und das haben sie getan. Das Ergebnis ist ein höchst lesenswertes Interview, in dem der Politologe klare Worte für die derzeitige Situation findet: Europa sei angesichts des russischen Imperialismus völlig überfordert. Die jüngste Spitzelattacke auf die Bundeswehr zeige zudem, dass Wladimir Putin „Deutschland als Schwachpunkt ausgemacht hat“. Allerdings macht der Wissenschaftler auch ein paar kluge Vorschläge für eine neue Ordnung.
9. Und dann hatte ich diese Woche für meinen Podcast Handelsblatt Disrupt ein sehr interessantes Gespräch mit Olaf Koch, den ich noch in seiner Funktion als CEO von Metro kannte. Koch stieg vor einigen Jahren aus – und beschäftigt sich seitdem mit den großen Fragen der Lebensmittelindustrie: Wie lassen sich die bald zehn Milliarden Menschen ernähren? Was lässt sich gegen die immer größeren, nicht nutzbaren landwirtschaftlichen Flächen tun? Welche Folgen hat der stetig steigende Fleischkonsum? Kochs Antwort für all das ist Technologie. Besser gesagt: Food-Tech. Er hat nämlich die Investmentgesellschaft Zintinus gegründet, die in junge Tech-Firmen investiert, die wiederum die Transformation der ganzen Branche anstoßen sollen. Und ich muss sagen, ich habe lange nicht mehr so viel über die Lebensmittelbranche gelernt.
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.
Herzlich
Ihr
Sebastian Matthes
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