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KommentarUnternehmen unterschätzen die Gefahr durch Desinformation

Mit ihren Angriffen wollen russische und andere Akteure Unruhe stiften. Aber sich vor Desinformation zu schützen ist schwer möglich. Dennoch müssen Unternehmen das Thema endlich angehen.Ina Karabasz 10.03.2024 - 16:54 Uhr
Lange waren Cyberangriffe ein großes Problem für Unternehmen - jetzt gibt es eine neue Gefahr: Desinformationskampangen. Foto: imago/allOver-MEV

Düsseldorf. Die Abhöraffäre um eine mögliche Taurus-Lieferung hat das Thema hybride Kriegsführung wieder auf die Tagesordnung gehoben. Spätestens seit dem Beginn des Russland-Ukraine-Kriegs ist klar: Die Bedrohung ist real und die Lage nicht zu unterschätzen. Das zeigen Fälle wie die Cyberangriffe auf den Bundestag 2015 oder auf das Satellitennetzwerk Viasat 2022.

Auch in den Unternehmen sind die Warnungen vor hybriden Bedrohungen angekommen. Cybersicherheit wird mittlerweile ein größerer Stellenwert eingeräumt als in vielen Jahren zuvor. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden geschult, es wird in Software investiert, die Systeme werden getestet. Auch hier ist oftmals noch Luft nach oben, aber ein Grundverständnis ist da.

Nun sind aber Cyberangriffe – zum Beispiel Spionage, Datenverschlüsselung, lahmgelegte Infrastruktur – nur ein Teil der hybriden Kriegsführung. Denn deren Ziel ist nicht nur der Angriff, sondern auch, Unruhe, Unzufriedenheit und Unsicherheit zu schüren. Es geht auch um die Destabilisierung der Gesellschaft. Dabei spielt Desinformation eine entscheidende Rolle – und diese Gefahr unterschätzen viele Unternehmen noch.

Der Eindruck ist oftmals, dass Desinformation nur politische Akteure und die „großen Themen“ treffe. In einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt sich: Die große Mehrheit der Deutschen macht sich Sorgen mit Blick auf Desinformation. Allerdings nehmen die Menschen sie am häufigsten im Zusammenhang mit kontroversen und strittigen Themen wie Einwanderung, Gesundheit, Krieg und Klimakrise wahr.

Daran ist nichts falsch – es wiegt Unternehmen nur schnell in trügerischer Sicherheit, weil sie sich selbst häufig nicht als Ziel sehen. Dabei zeigen aktuelle Fälle, dass sie sehr wohl betroffen sind, oft auch als Beifang politischer Desinformation.

Die vermeintliche Bettwanzenplage von Paris

Viele haben die Meldungen rund um die vermeintlichen Bettwanzenprobleme von Paris mitbekommen. Wochenlang wurde Ende vergangenen Jahres intensiv über eine durch die kleinen Parasiten ausgelöste Plage berichtet.

Die Hysterie über das vermeintliche Ausmaß des Problems ging so weit, dass sich Hotels irgendwann genötigt sahen, spezielle Wanzenspürhunde einzusetzen, um Gäste auch vor den anstehenden Olympischen Spielen zu beruhigen. Nun stellt sich heraus: Die Hysterie könnte das Resultat einer russischen Desinformationskampagne gewesen sein, die das Thema massiv hochgekocht hat. So stellt es die französische Regierung dar.

Mitte Februar verbreitete unter anderem ein französischsprachiger Artikel, der russische Oppositionelle Alexei Nawalny sei an einer Nebenwirkung der Covidimpfung von Pfizer und Biontech gestorben. Schon 2021 hieß es in einem spanischsprachigen Artikel, die russische Medienaufsichtsbehörde Roskomnadzor werfe Google vor, der Konzern verbreite etwa Drogenwerbung oder kinderpornografische Inhalte in Russland und weigere sich, diese zu entfernen. Falschinformationen wie diese sammelt die EU auf der Internetseite EU vs. Disinfo, die seit 2015 rund 16.700 Fälle auflistet.

Was sollten Unternehmen also tun? Sie sollten aus ihren Erfahrungen im Umgang mit drohenden Cyberangriffen lernen. Dabei empfehlen Experten, immer die drei Felder Prävention, Protektion und Resilienz abzudecken – verkürzt also, sich darauf vorzubereiten, sich gut zu schützen und einen Plan für den Fall zu haben, dass ein Angriff erfolgreich war.

Unternehmen sollten sich präventiv gegen Desinformation schützen

Nun können Unternehmen sich gegen Desinformation nicht schützen – gegen Lügen, genauso wie etwa gegen gefälschte Produktwerbung, hilft keine Software. Künstliche Intelligenz kann etwa aus einem einfachen Werbevideo oder aus Fotos sogenannte Deepfakes mit völlig anderem Inhalt erstellen. Auch ist es sehr schwer, die Oberhand über eine dadurch ausgelöste Debatte zu behalten.

Mithilfe von sogenanntem digitalen Astroturfing kann eine Welle von vermeintlich echten Meinungen und Kommentaren zu einem Thema ausgelöst werden mit dem Ziel, eine Diskussion in eine spezielle Richtung zu leiten, weil vermeintlich viele Menschen diese Sichtweise vertreten. 

Aber selbst wenn im Maßnahmendreiklang die Protektion wegfällt, bleiben immer noch Prävention und Resilienz. Und da können Unternehmen sehr wohl etwas tun. Besonders die Vorbeugung ist extrem wichtig: So können Unternehmen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch die ganze Bevölkerung immer wieder auf die Problematik aufmerksam machen.

Abhörskandal

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Sie können und sollten auch immer wieder dazu raten, Informationen zu hinterfragen, und Wege aufzeigen, wie Informationen auf Fakten gecheckt werden können. Das Internet ist voll mit nützlichen Hinweisen dazu – sie müssen nur auch gelesen werden. Dabei hilft die Reichweite von Unternehmen enorm.

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Zudem sollten die Unternehmensstrategen und Kommunikatoren einen Plan haben für den Fall, dass sie Ziel oder Beifang einer Desinformationskampagne werden. Sich erst dann Ansprechpartner sowie interne und externe Kommunikationsstrategien zu überlegen kann einen möglichen Reputationsschaden durch die zeitliche Verzögerung deutlich erhöhen. Deswegen macht es Sinn, die Zeit und den Aufwand einmal vorher investiert zu haben, auch wenn der Krisenfall hoffentlich nicht eintritt.

Denn eines ist klar: So schnell werden sowohl russische als auch andere Akteure nicht aufhören, mit hybriden Mitteln Deutschland destabilisieren zu wollen.

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