Auktionsnachbericht: Messer der Renaissance schnitten gut ab
Zürich. Hunderte Gemälde Alter Meister, Leuchter und Platten aus Silber zu versteigern, ist heute schwieriger, als zeitgenössische Kunst an den Mann zu bringen. Und so bestimmten wählerische Sammler die acht Auktionen Alter Kunst bei Koller in Zürich. Ein Gesamtergebnis wollte der Generalist nicht bekannt geben.
Wer streamte, beobachtete den Geschmackswandel. Sammler ließen den in der Qualität nicht ganz überzeugenden Teil der Offerte zurückgehen. Dass das Starlos, eine Reval-Stadtansicht von Iwan Aivazovsky, zurückgezogen wurde, belastet die Bilanz.
Auf 900.000 bis 1,4 Millionen Schweizer Franken geschätzt, hätte die romantische Vedute des in Russland lebenden Armeniers vielleicht sogar noch mehr bringen können. Drei Millionen Schweizer Franken hatte eine Neapel-Ansicht von Aivazovsky vor Jahren eingespielt.
Brillant schnitten hingegen rund 200 Lose prachtvollen Bestecks ab. Bieter investierten 100 bis zu 37.500 Schweizer Franken mit Aufgeld für ein nobles Vorlegemesser in das originelle Angebot. Die Familie des süddeutschen Einlieferers hatte die aufwendig mit Elfenbein- und Bernsteinskulpturen verzierten Bestecke aus Renaissance und Barock um 1900 gesammelt.
Die vierte Generation fand die Spezialsammlung herrlicher Messer auf dem Dachboden. Ein italienisches, mit Noten verziertes Messer kam auf 25.000 Franken brutto, ein Hochzeitsmesser auf 35.000 Franken. Nach Losen wurden 96 Prozent versteigert, nach Wert 250 Prozent, teilt Koller auf Handelsblatt-Anfrage mit.
Kenntnisreiche Kunden pickten sich die besten Offerten heraus. Teuerstes Gemälde wurde Eglon Hendrik van der Neers „Ohnmachtsanfall“ einer Dame in Samt und Seide für 450.000 Franken. Stoffe, Teppich und Porzellan werden hier nahezu haptisch geschildert.
Das unversehrt erhaltene, ganzfigurige Miniatur-Wachsporträt eines Schweizer Finanzministers, „Seckelmeisters“, begeisterte viele Bieter. Erst bei 17.000 Franken, der achtfachen Taxe, fiel der Hammer. Ein internationaler Händler zahlt für die lässige Wachsfigur des 18. Jahrhunderts 21.250 Franken.
In den Handel außerhalb der Schweiz gelangt ein japanisches Teeservice aus Silber. Alle Flächen der Gefäße und des Tabletts sind quasi aus Lotosblättern gebildet. Das Jugendstil-Ensemble verdreifachte seine untere Taxe auf 23.750 Franken.
Internationale Privatsammler sicherten sich die emaillierte „Eucharistische Taube“ aus dem hochmittelalterlichen Limoges für 165.500 Franken und die goldene Singvogel-Spieldose aus Genf bei 206.250 Franken. Zu teuer?
Da konnte Koller abhelfen. Eine weitere Genfer Singvogeldose aus Gold wurde für 102.500 Franken weitergereicht. Und eine Vielzahl hübscher Tabaksdosen aus Email oder Schildpatt wurde für Hammerpreise zwischen 250 und 3000 Franken in neue Hände vermittelt.