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Asia TechonomicsDie USA und Japan machen vor, wie eine Technologie-Partnerschaft funktioniert

Über Investitionen von Microsoft, IBM und Panasonic zementieren die Nummern eins und vier der Weltwirtschaft politische Bande. Die Beziehungen zu Deutschland verblassen dagegen.Nicole Bastian 11.04.2024 - 11:46 Uhr
US-Präsident Joe Biden und First Lady Dr. Jill Biden begrüßen den japanischen Premierminister Fumio Kishida und seine Frau Yuko Kishida im Weißen Haus in Washington. Foto: IMAGO/MediaPunch

Düsseldorf. Es war der Technologiekonzern Microsoft, der dem japanischen Premierminister Fumio Kishida einen eindrucksvollen Auftakt seines viertägigen Staatsbesuchs in den USA bescherte. Fast drei Milliarden Dollar will das Unternehmen innerhalb von zwei Jahren in Japan investieren.

Sie sollen in japanische Datenzentren fließen und in andere Infrastruktur für Künstliche Intelligenz. Zudem plant Microsoft ein Forschungslabor in Japan, das sich auf KI und Robotik spezialisieren soll, teilte Unternehmenspräsident Brad Smith im Rahmen seines Treffens mit Kishida mit.

Die Investition geht exakt in die Richtung, die sich Japans Premier als Ziel gesetzt hat. Er will die gegenseitigen Investitionen Japans und der USA in kritischen und Zukunftstechnologien erhöhen – und dadurch die größte und die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt so noch enger miteinander verzahnen und resilienter machen.

Tokio hofft auf mehr US-Tech-Investitionen

Kishida verweist darauf, dass Japan bereits der größte ausländische Investor in den USA ist. Nun wünscht er sich mehr Investitionsströme in die andere Richtung. Der schwache Kurs des Yens zum Dollar lässt diese derzeit sogar günstig erscheinen.

Attraktiv ist für Kishida zudem: Eine Verzahnung über privatwirtschaftliche Großinvestitionen hat auch nach einem möglichen Regierungswechsel Bestand. Politische Bande hingegen sind unter Donald Trump gegebenenfalls gefährdet, der im November erneut zur US-Präsidentschaftswahl antritt. 

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Olaf Scholz hat ähnliche Ziele wie Kishida, wie er bei seinem US-Besuch im Februar verkündete. Auch der EU-US-Handels- und Technologierat TTC verfolgt seit Jahren die Intensivierung der Zusammenarbeit über eine wirtschaftliche Verzahnung.

Ähnlich wie Japan haben auch Deutschland und Frankreich mit den USA eine große Übereinstimmung bei den Interessen an einer größeren Unabhängigkeit von China bei kritischen Produkten in den Lieferketten. Dennoch ist auffällig, dass derzeit mehr Dynamik in den US-japanischen Wirtschaftsbeziehungen zu sein scheint. Das hat drei  Gründe.  

Erstens, Japan ist für die USA geopolitisch die naheliegendste China-Alternative – und nimmt diese Rolle gern ein. So schloss sich Tokio etwa willig den US-Exportbeschränkungen für Maschinen und Materialien in der Halbleiterproduktion an. Zudem ist der Inselstaat zentraler militärischer US-Stützpunkt in Asien. Beim Besuch von Olaf Scholz hingegen war die Unterstützung der Ukraine das bestimmende Thema. 

Dass das ohnehin starke Militärbündnis zwischen den USA und Japan weiter gestärt werden soll, wie Kishida und Biden klar machten, bietet auch technologisch neue Kooperationsmöglichkeiten. So wollen beide Länder ein Forum für die Zusammenarbeit in der Verteidigungsindustrie einrichten, in dem etwa die gemeinsame Entwicklung und Produktion von Raketen intensiviert werden soll.

Zweitens geht es in der Partnerschaft zwischen Japan und den USA zunehmend um gemeinsame Aktivitäten im indopazifischen Raum. Er ist für die USA künftig strategisch wichtiger als Europa. In den Philippinen wollen Japan und die USA etwa 5G-Handynetze entwickeln, Halbleiterstandorte aufbauen und Ingenieure trainieren. Das sind Themen des für Donnerstag geplanten Treffens Kishidas mit US-Präsident Joe Biden und dem philippinischen Präsidenten Ferdinand Marcos Jr., der ebenfalls nach Washington reist. Die Philippinen würden dadurch weniger abhängig von China.

Der japanische Premierminister Fumio Kishida (rechts) schüttelt die Hand von Microsoft-Präsident Brad Smith Foto: IMAGO/Kyodo News

Ein weiterer Ansatzpunkt der trilateralen Zusammenarbeit könnte ein Rohstoffabkommen für Nickel sein, das in Batterien von Elektroautos verwendet wird. Die Philippinen sind nach Indonesien der zweitgrößte Nickelproduzent der Welt, in den USA und Japan indes sitzen global wichtige Automobilproduzenten.

Drittens partizipieren die Volkswirtschaften Japan und die USA derzeit gemeinsam am KI- und Batterieboom. Der japanische Elektronikkonzern Panasonic ist etwa der größte Batterieproduzent Nordamerikas, dort beliefert er Tesla und Toyota. Das Unternehmen erwägt zudem den Bau eines dritten Batteriewerks in den USA.

Der US-amerikanische IT-Konzern IBM wiederum ist Kernpartner beim ambitionierten Unterfangen Japans, einen eignen Chipproduzenten aufzubauen: Rapidus soll künftig bei der neuesten Produktgeneration global mithalten, den Zwei-Nanometer-Chips. Das Start-up wurde von mehreren japanischen Unternehmen gegründet und ist hochsubventioniert vom japanischen Staat. Schon jetzt ist es Lizenznehmer der IBM-Technologie.

Streitthemen treten in den Hintergrund

Zwar gibt es auch Differenzen zwischen Japan und den USA: Dazu zählt Bidens Widerstand beim geplanten Kauf von US Steel durch Nippon Steel, auch wenn Kishida dieses Thema bewusst klein halten will bei seinem Besuch. Die geplanten künftigen Exportbeschränkungen für LNG-Gas aus den USA hat er deutlicher kritisiert.

In dieser wöchentlichen Kolumne schreiben Handelsblatt-Korrespondenten im Wechsel über Innovations- und Wirtschaftstrends in Asien. Foto: Klawe Rzeczy
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Doch die positive Dynamik in den Beziehungen dominiert klar. Eine neue Welle an US-Japan-Kollaborationen bahne sich an, prognostiziert auch das Carnegie Center Endowment for International Peace. Der Thinktank verweist dabei ebenfalls auf Technologiepartnerschaften. Japanexperte Kenji Kushida von Carnegie nennt die großen japanischen Handelshäuser als wichtige Protagonisten.

Ähnlich optimistisch sieht der Star-Investor Warren Buffett die Positionierung der fünf führenden Handelshäuser Itochu, Marubeni, Mitsubishi Corporation, Mitsui & Co. sowie Sumitomo. Mit seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway hält er jeweils fünf Prozent oder mehr an ihnen. Buffett lobt unter anderem, dass ihre Aktionärsorientierung besser sei als die von US-Unternehmen. 

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