Nachruf: Ruhige Begeisterung für konzeptuelle Kunst
Wiesbaden. Daniel Marzona war eine Ausnahmepersönlichkeit im hektischen Galeriebetrieb. Wer zu ihm in die Galerie oder auf den Messestand kam und mit ihm sprach, erfuhr zuerst Entschleunigung. Wo andere dem Besucher nicht selten ungefragt etwas über die Karriere eines Künstlers, über gewonnene Preise und Stipendien erzählt oder erklärt hätten, wann und wo die nächste Museumsausstellung zu sehen ist, ging es bei ihm zuerst um die Kunst. Die war in seiner Berliner Galerie oft erklärungsbedürftig
Bunte Figuration, die sich schnell erschließt, war Daniel Marzonas Sache nicht. Mit ruhiger Begeisterung erklärte er bereitwillig die auf den ersten Blick oft nüchtern daherkommende minimalistische oder konzeptuelle Kunst, der er sich verschrieben hatte. Zuerst am südlichen Ende der Friedrichstraße, später in den ehemaligen Räumen der Galerie Johnen zeigte er unbeirrt von Hypes und Marktmoden historische Positionen wie Bernd Lohaus oder jüngere Künstlerinnen wie Sofia Hultén, die immer wieder zum Austausch herausforderten.
Der geborene Bielefelder Marzona sprach profund und leidenschaftlich nicht nur über die von ihm vertretene Kunst. Als Gründungsdirektor der Berliner Niederlassung der Düsseldorfer Galerie Konrad Fischer oder als Kurator am Moma PS1 in New York hatte sich der studierte Kunsthistoriker zuvor einen Namen gemacht.
Nachdem Marzona 2022 den Ausstellungsbetrieb in seiner Galerie beendet hatte, widmete er sich verstärkt dem Archiv der Avantgarden (ADA), das sein Vater, der Sammler, Verleger und Unternehmer Egidio Marzona, dem Land Sachsen und den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden geschenkt hatte.
Das ADA umfasst rund 1,5 Millionen Objekte und soll am 5. Mai in einem renovierten Altbau eröffnet werden. Daniel Marzona wird diesen Moment nicht mehr erleben. Er starb letzte Woche durch einen Schlaganfall in Verzegnis in Friaul, wo sein Vater einen öffentlichen Skulpturenpark eingerichtet hat. Daniel Marzona wurde 55 Jahre alt.