Geldpolitik: Bank of England hält Zinsen stabil
London. Die Bank of England (BoE) hält vorerst an ihrer restriktiven Geldpolitik fest und hat den Leitzins am Donnerstag unverändert bei 5,25 Prozent belassen. Die britischen Notenbanker hielten damit zum sechsten Mal hintereinander das Zinsniveau in Großbritannien auf dem höchsten Niveau seit 2008 stabil.
Sieben Notenbanker votierten für den Status quo, Vizegouverneur Dave Ramsden und seine Kollegin Swati Dhingra sprachen sich für eine sofortige Zinssenkung auf fünf Prozent aus. Bei der vorausgegangenen Sitzung war die Dhingra noch allein gewesen. Die Finanzmärkte erhöhten daraufhin leicht ihre Wetten für eine Zinssenkung im August. Die Börse in London reagierte mit einem leichten Plus.
Am Mittwoch hatte die schwedische Zentralbank ihren Zinssatz um 25 Basispunkte auf 3,75 Prozent gesenkt. Sie eilt damit der amerikanischen Federal Reserve (Fed) voraus, die ihre erste geldpolitische Lockerung wegen der hartnäckig hohen Inflation aufgeschoben hatte. Die Finanzmärkte erwarten, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins Anfang Juni ebenfalls senken wird.
Ob die Briten dem Beispiel der anderen europäischen Notenbanken folgen, ist dagegen noch nicht ausgemacht. „Die Geldpolitik muss lange genug restriktiv bleiben, um die Inflation gemäß ihrem Auftrag mittelfristig und nachhaltig auf das Zwei-Prozent-Ziel zurückzuführen“, schreiben die britischen Notenbanker. Man brauche mehr Belege, dass die Inflation niedrig bleibe, sagte BoE-Chef Andrew Bailey. „Ich bin optimistisch, dass wir uns in die richtige Richtung bewegen.“
Grund für das Zögern ist die mit rund sechs Prozent immer noch hohe Inflationsrate im britischen Dienstleistungssektor. Insgesamt stiegen die Verbraucherpreise auf der Insel im März um 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr und liegen damit immer noch über dem Inflationsziel der BoE. Hinzu kommt, dass auch die Löhne im Königreich noch immer mit einer Jahresrate von rund sechs Prozent klettern.
Trübe Aussichten für die Konjunktur
Auf der anderen Seite ist die britische Wirtschaft Ende vergangenen Jahres in eine leichte Rezession gerutscht. Am Freitag dürften zwar die neuen Wachstumszahlen für das erste Quartal nach Voraussage der Bank of England vermutlich ein leichtes Plus von 0,4 Prozent aufweisen und damit das Ende des Abschwungs signalisieren.
Dennoch bleiben die Konjunkturaussichten trübe. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hatte in ihrer jüngsten Prognose für Großbritannien ein mageres Plus von 0,4 Prozent für das laufende Jahr vorausgesagt. „Der fiskal- und geldpolitische Mix ist angemessen restriktiv und sollte es auch bleiben, bis die Inflation dauerhaft zum Ziel zurückkehrt“, warnen die OECD-Experten vor einer voreiligen Zinssenkung.