„Roaring Kitty": Finfluencer treibt Gamestop-Kurs zeitweise um mehr als 70 Prozent
New York. Es ist ein bemerkenswerter Kurssprung: Kurz nach Eröffnung des New Yorker Börsenhandels am Montag schnellte der Kurs der Aktie von Gamestop um mehr als 70 Prozent in die Höhe auf über 40 Dollar. Das Plus reduzierte sich im Nachgang jedoch deutlich. Zu Marktschluss stand die Aktie bei 28 Dollar, ein Plus von 21 Prozent.
Hinter der abrupten Bewegung steht der Finfluencer Keith Gill, der sich am Sonntagabend wieder einmal auf Reddit meldete, jener Plattform, die ihn 2021 zum Helden der rebellischen Kleinanleger in den USA machte. Zum ersten Mal seit drei Jahren postete der bekannte Gamestop-Investor einen Screenshot seines Portfolios in dem sozialen Netzwerk.
Gill investiert seit Jahren vor allem über Optionen in die Aktie der Videospielekette und hatte ihr vor drei Jahren und zuletzt in diesem Mai zu ungewöhnlich hohen Kursgewinnen verholfen. Gill hat demnach ein Vermögen mit seiner Strategie angehäuft.
Laut seinem Post hält der Finfluencer fünf Millionen Gamestop-Aktien, die insgesamt 115,7 Millionen Dollar wert sind. Zudem besitzt der Trader 120.000 Kaufoptionen, die am 21. Juni auslaufen. Sie berechtigen ihn zum Kauf von Aktien zum Stückpreis von 20 Dollar und haben einen Wert von 65,7 Millionen Dollar. Die Echtheit des Screenshots konnte nicht bestätigt werden.
Gill war unter den Namen „Roaring Kitty“ und „DeepF***ingValue“ eine entscheidende Figur während des Gamestop-Hypes vor drei Jahren. Damals stieg die Aktie in der letzten Januarwoche um mehr als 500 Prozent, ehe sie wieder auf ihren Ausgangskurs einbrach.
Die Gamestop-Aktie ging am vergangenen Freitag mit 23,14 Dollar aus dem Handel. Sie war im Mai kurzzeitig über 48 Dollar wert, nachdem Gill nach langer Stille über den Kurznachrichtendienst X für neue Euphorie bei einer bestimmten Gruppe von Investoren gesorgt hatte.
Sorge über Rückkehr der Meme-Aktien
Auf X postete Gill darüber hinaus ein Bild einer Reverse-Karte des bekannten Gesellschaftsspiels Uno, die von Spielern verwendet wird, um die Richtung der Kartenaufnahme zu ändern. In nur fünf Stunden erreichte dieser Beitrag mehr als 4,5 Millionen Aufrufe.
Beim Neobroker Robinhood, der anders als die großen US-Börsen den Aktienhandel rund um die Uhr ermöglicht, legte die Gamestop-Aktie damals rund 20 Prozent zu.
Aus Sicht von Robert Lea, Analyst bei Bloomberg, ist das erneute Interesse an Meme-Aktien „ein Zeichen übermäßiger Euphorie“ und damit negativ zu bewerten. Neil Roarty von der Investmentplattform Stocklytics hält es für möglich, dass der Gamestop-Kurs sein altes Hoch bei rund 80 Dollar von vor drei Jahren wieder erreichen könnte. Allerdings sei die Wall Street jetzt besser darauf vorbereitet, dass Privatanaleger die Kurse von einzelnen Aktien in einer konzertierten Aktion massiv in die Höhe treiben könnten.
Die angeschlagene Videospielekette hatte erst vergangene Woche eine Kapitalerhöhung durchgeführt, um von dem neuen Hype zu profitieren. In der Politik und bei den Regulierungsbehörden kommen solche ungewöhnlich hohen Ausschläge bei bestimmten Papieren nicht gut an.
Gill musste 2021 vor dem US-Kongress aussagen. Sein damaliger Arbeitgeber, die Versicherung Mass Mutual, musste eine Strafe von vier Millionen Dollar zahlen, weil sie ihren Mitarbeiter nicht streng genug beaufsichtigt habe. Gill hatte seine Nebentätigkeit als Influencer nicht angegeben und seinen Job daraufhin verloren. Seine Geschichte wurde in mehreren Dokumentationen verfilmt.
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2021 hatte Gill auf verschiedenen Social-Media-Kanälen auf eine Trading-Chance bei der Gamestop-Aktie hingewiesen. Seiner Einschätzung nach war der Titel unterbewertet, während gleichzeitig Hegefonds massiv auf fallende Kurse wetteten. Diese sogenannten Shortseller leihen sich Aktien und verkaufen sie sofort wieder in der Hoffnung, sie später günstiger zurückkaufen zu können. Die Differenz zwischen Verkaufs- und Rückkaufpreis ist ihr Gewinn.
Ausgehend von Gills Analyse stieg die Gamestop-Aktie ohne fundamentalen Grund immer weiter. Die Verluste einiger Shortseller wurden so groß, dass sie kapitulieren mussten, ihre Wetten abbrachen und die Aktien zu höheren Preisen zurückkauften. Der Hedgefonds Melvin Capital ging infolge dieser Verluste sogar bankrott.
Mehr: Wer ist „Roaring Kitty“?
Erstpublikation: 03.06.2024, 08:44 Uhr.