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TarifverhandlungenGewerkschaften drohen Privatbanken mit Streiks

Die Arbeitgeber haben die Gehaltsforderungen der Gewerkschaften in der ersten Tarifrunde als „deutlich zu hoch“ zurückgewiesen. Verdi will mit Arbeitsniederlegungen reagieren.Andreas Kröner, Dennis Schwarz 06.06.2024 - 08:52 Uhr
Bankenviertel in Frankfurt: Gewerkschaftssekretär Stefan Wittmann sagt, bei Bedarf könne Verdi „bestimmte Bereiche der Commerzbank abschalten“. Foto: dpa

Frankfurt. Die Gewerkschaften haben zum Auftakt der Tarifverhandlungen deutliche Gehaltserhöhungen für die gut 140.000 Beschäftigten der Privatbanken in Deutschland gefordert. Laut Jan Duscheck, dem  Verhandlungsführer der Gewerkschaft Verdi, ist angesichts der zuletzt hohen Inflation ein deutliches Einkommensplus nötig, „um den Reallohnverlust der Beschäftigten der privaten Banken abzufangen“.

Matthias Zatcher, der stellvertretende Verhandlungsführer des Deutschen Bankangestelltenverbands (DBV), beurteilt die Lage ähnlich. „Die vergangenen beiden Jahre haben an unseren Mitgliedern gezehrt“, sagte er dem Handelsblatt. „Deshalb muss jetzt dringend beim Gehalt nachgebessert werden.“

Der DBV fordert eine Erhöhung der Gehälter um 16 Prozent bei einer Laufzeit von 24 Monaten. Verdi will 12,5 Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten erzielen – und eine schnelle Einigung. „Die Beschäftigten wollen keine lange Hängepartie“, betonte Duscheck.

16
Prozent mehr Gehalt
fordert der Deutsche Bankangestelltenverband für die Beschäftigten der Privatbanken in Deutschland

Beim vorigen Tarifabschluss im April 2022 hatten sich beide Seiten erst nach zehn Monaten auf Gehaltssteigerungen in zwei Stufen um insgesamt fünf Prozent verständigt. Außerdem gab es damals zwei Einmalzahlungen von jeweils 500 Euro.

Der Arbeitgeberverband der privaten Banken (AGV Banken) wies die Gehaltsforderungen der Gewerkschaften in der ersten Verhandlungsrunde aber als „deutlich zu hoch“ zurück. „Wir bewegen uns in einem Umfeld, in dem es so viele und so große Risiken gibt wie lange nicht“, sagte sein Verhandlungsführer Thomas Lange. „Dem müssen und wollen wir Rechnung tragen.“

Die deutsche Wirtschaft stagniere und die geopolitischen Risiken seien erheblich, erklärte der AGV Banken. Darüber hinaus werde die Zinswende der Europäischen Zentralbank zu sinkenden Zinserträgen bei den Geldhäusern führen. 

Verdi kündigt erste Warnstreiks an

Verdi-Verhandlungsführer Duscheck monierte, die Arbeitgeber hätten die Forderungen der Gewerkschaften zurückgewiesen, aber selbst keine konkreten Vorschläge eingebracht. Bis zur zweiten Tarifrunde am 17. Juni werde Verdi daher zu Aktionen und ersten Warnstreiks aufrufen. 

Das Drohpotenzial der Gewerkschaften hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Das gilt besonders für die Commerzbank, bei der es seit 2023 erstmals auch einen Tarifvertrag für deren Servicegesellschaften gibt.

Es ist nicht mehr wie früher, dass wir mit dem Messer zur Schießerei kommen.
Stefan Wittmann
Verdi-Gewerkschaftssekretär

Gewerkschaftssekretär Stefan Wittmann hatte bereits im Vorfeld der ersten Tarifrunde deutlich gemacht, Verdi könne bei Bedarf „bestimmte Bereiche der Commerzbank abschalten. Es ist nicht mehr wie früher, dass wir mit dem Messer zur Schießerei kommen.“

Mittlerweile könne sich Verdi „auf Augenhöhe ganz gut wehren“, sagte Wittmann. In der Tarifkommission seien etliche Teilnehmer aus der Commerzbank dabei. „Die sind gewillt, den Arbeitgebern klarzumachen, dass jetzt sehr schnell sehr viel Kohle über den Tisch muss.“

DBV fordert kürzere Arbeitszeiten

Im Gegensatz zu den vorigen Tarifverhandlungen, bei denen Verdi auch einen Anspruch auf drei Tage Homeoffice pro Woche gefordert hatte, will sich die Gewerkschaft dieses Mal auf das Thema Gehalt fokussieren. „Für uns ist es wichtig, dass die Beschäftigten der privaten Banken zügig mehr Geld bekommen“, betonte Duscheck.

Ob es wie erhofft bereits in der dritten Verhandlungsrunde am 3. Juli zu einem Abschluss kommt, ist nach den ergebnislosen ersten Gesprächen aber offen. Arbeitszeitverkürzungen, wie sie der DBV fordert, hatten die Arbeitgeber bereits im Vorfeld abgelehnt. Der DBV möchte die Arbeitszeit in einem ersten Schritt zum 1. Januar 2025 auf 38 Stunden pro Woche reduzieren – bei gleichbleibendem Lohn.

Verdi fordert keine kürzeren Arbeitszeiten, aber mehr Flexibilität. „Die Beschäftigten brauchen möglichst viel Spielraum, um ihre Arbeitszeit eigenständig zu gestalten“, sagt Duscheck. Es müsse etwa möglich sein, Angehörige zu pflegen oder eine Auszeit zu nehmen. Auch beim Thema Homeoffice sieht er für die Zukunft weiter Handlungsbedarf.

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Parallel zu den Gesprächen mit den Privatbanken starten am 21. Juni auch die Tarifverhandlungen für die öffentlichen Banken. Hier fordert Verdi ebenfalls eine Gehaltserhöhung von 12,5 Prozent.

Erstpublikation: 06.06.2024, 07:47 Uhr.

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