Ukraine-Krieg: Was bringen französische Mirage-Kampfjets der Ukraine?
Düsseldorf, Paris. Mit dieser Ankündigung hatte niemand wirklich gerechnet: Frankreich will Mirage-Kampfjets an die Ukraine liefern und auch die ukrainischen Piloten für die Einsätze ausbilden. Wie viele Jagdflieger des Typs Mirage 2000-5 überlassen werden sollen, teilte Emmanuel Macron aber nicht mit.
Der französische Präsident nannte auch bei einer Pressekonferenz mit dem ukrainischen Staatschef Wolodimir Selenski am Freitagabend im Élysée-Palast keine Details. Da man derzeit noch mit anderen Ländern über eine „Koalition“ zur Lieferung von Kampfjets spreche, wolle man mit Zahlen noch vertraulich umgehen.
Die französische Luftwaffe verfügt über 26 Flugzeuge dieses Typs, die ungefähr ein Zehntel der Kampfjet-Flotte des Landes ausmachen. Es ist unklar, auf wie viele dieser Maschinen die Franzosen verzichten können und wollen – auch wenn die Mirage 2000-5 nicht das neueste Modell im Einsatz der französischen Luftwaffe ist.
Nach Informationen der Zeitung „Le Monde“ besteht die Möglichkeit der Einbindung von Katar in den Deal. Das Emirat wolle seine rund ein Dutzend Mirage 2000-5 verkaufen, als Abnehmer sei bislang Indonesien im Gespräch.
Was ist die Mirage 2000-5 für ein Kampfjet?
Die Mirage 2000 wurde vom französischen Rüstungsunternehmen Dassault entwickelt. Begonnen haben die Arbeiten im Jahr 1975. Der Erstflug hat 1978 stattgefunden. In den darauffolgenden Jahren wurde der Kampfjet verbessert und der Kampfwert gesteigert. Die Mirage 2000-5 waren seit Anfang der 1990er-Jahre im Einsatz.
Frankreich hat einige frühere Versionen des Jets bereits außer Dienst gestellt. Die Mirage 2000-5 der französischen Streitkräfte wird durch den Kampfjet Rafale ersetzt. Neben Frankreich nutzen auch die Streitkräfte von Ägypten, Brasilien, Taiwan, Indien, Peru, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Marokko die Mirage.
Wie können die Kampfjets die Ukraine im Abwehrkampf gegen Russland helfen?
„Le Monde“ berichtete unter Berufung auf französische Militärkreise ferner, dass die Lieferung von Mirage-Jets intern nicht unumstritten sei. Die Idee sei zunächst als zu komplex verworfen worden. Als bessere Option habe die Lieferung von amerikanischen F-16-Kampfflugzeugen gegolten, die Belgien, die Niederlande, Dänemark und Norwegen angekündigt haben.
Das hohe Alter der Kampfjets hat zudem Fragen aufgeworfen, inwiefern die Mirage der Ukraine nützen könnte. Allerdings müssen die Rahmenbedingungen des russischen Angriffskrieges in der Ukraine berücksichtigt werden. Denn Russland selbst setzt größtenteils auf altes Kriegsmaterial. So ist die Mirage 2000 Militärexperten zufolge einer MIG-29 oder einer SU-27 aus Sowjetzeiten überlegen.
Größter Vorteil der Mirage gegenüber den sowjetischen Kampfjets, die die Ukraine einsetzt, ist deren Fähigkeit, westliche Waffensysteme tragen zu können. Die Ukraine musste die eigenen Kampfjets umbauen, was die Nutzung westlicher Waffen limitiert. Die Mirage etwa kann unter anderem Scalp-Raketen führen, die Frankreich der Ukraine liefert.
Damit hätte die Ukraine mehr Kampfjets zur Verfügung, die unterschiedliche Raketen westlicher Bauart tragen können. Im aktuellen Abwehrkampf gegen die russischen Invasoren hat die Menge an militärischen Gütern eine kriegsentscheidende Bedeutung. Aus Militärkreisen heißt es zudem, dass unabhängig vom militärischen Nutzen der Mirage, die angekündigte Lieferung Frankreichs Bereitschaft unterstreiche, das Drohpotenzial gegen den russischen Diktator Wladimir Putin weiter zu erhöhen.
Wie lange wird die Ausbildung ukrainischer Piloten dauern?
Frankreich will sofort mit der Ausbildung von ukrainischen Piloten und Mechanikern für die zugesagten Mirage-Kampfflugzeuge beginnen. „Die Priorität ist, sofort mit der Ausbildung von Piloten und Mechanikern zu beginnen. Damit wird in den nächsten Tagen in Frankreich begonnen“, sagte Macron.
Wie lange es dauern wird, die Piloten für die Mirage auszubilden, ist schwer zu sagen. Schätzungen, dass es bis zu drei Jahre dauert, sind nicht korrekt. Diese Angaben beziehen sich auf die Ausbildung von angehenden Kampfjet-Piloten ohne große Flugerfahrung, in der zudem alle möglichen Kampfszenarien trainiert werden.
Im Falle der ukrainischen Soldaten handelt es sich um bereits ausgebildete und erfahrene Kampfjet-Piloten, die sich in ein neues System einarbeiten. Außerdem müssen diese nicht alle möglichen Kampfszenarien trainieren, sondern nur diese, die für den Abwehrkampf gegen die russischen Streitkräfte notwendig sind. Statt in Jahren könnte die Ausbildung innerhalb von Monaten absolviert werden.
Welche Kampfjets könnten künftig in der Ukraine im Einsatz sein?
Die Ukraine erwartet unter anderem von den Niederlanden und Dänemark die Lieferung von F16-Kampfjets. Dann kämen im Abwehrkampf gegen Russland sowjetische, US-amerikanische und französische Flugzeuge zum Einsatz.
Die ukrainischen Streitkräfte haben in den vergangenen Jahren bewiesen, dass sie den Umgang unterschiedlicher Waffensysteme schnell erlernen und beherrschen können. Denkbar ist, dass die Ukraine die Kampfgebiete in der Luft in Zonen einteilt, um das Überlappen unterschiedlicher Waffensysteme zu begrenzen. So könnten etwa im Norden die F16-Kampfjets zum Einsatz kommen, während die Mirage oder andere Kampfjets im Süden in die Kampfhandlungen eingreifen.